St. Margarethen: Bereit für das Passionsspieljahr

Nach der bitteren Absage im Vorjahr ist die Vorfreude auf die Premiere umso größer.

Erstellt am 02. Januar 2022 | 06:12
Lesezeit: 4 Min
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Premiere. Im kommenden Jahr finden mit etwas Verspätung die Passionsspiele im Römersteinbruch in St. Margarethen statt.
Foto: Passionsspiele

Nachdem die Passionsspiele im Vorjahr dem Coronavirus zum Opfer fielen, blickt die Gemeinde St. Margarethen zuversichtlich dem Ersatztermin im Sommer 2022 entgegen. Die Darbietung vom Leben und Wirken Jesu Christi wird im bevorstehenden Passionsspieljahr erstmals auf einer kleineren Bühne präsentiert, die Besucher erwartet dennoch eine Reihe einzigartiger Vorstellungen. Die Vorbereitungen laufen derzeit auf Hochtouren.

Mit Regisseur Alexander Wessely gelang der Passionsspielgemeinde ein Glücksgriff. „Es ist ein Segen, dass Alexander derartig viel Theatererfahrung mit in den Steinbruch bringt“, findet Spielleiter-Stellvertreter Wolfgang Miehl. „Er ist mit Sicherheit der Richtige für diese Aufgabe.“ Die Neuerungen des gelernten Schauspielers genossen bisher viel Zuspruch. „Die Proben, die wir im Herbst durchführen konnten, hatten ein sehr gutes Echo. Die Spieler waren also bisher sehr angetan von der Arbeit von Regisseur Wessely“, bestätigt Spielleiter und Gemeindepfarrer Richard Geier. Die neue Regie wollte bewusst vermeiden, „das Gleiche, wie immer“ zu machen. Veränderung empfindet Wessely als wichtig. „Ich bin davon überzeugt, dass uns etwas Einmaliges gelingen wird“, behauptet er mit Überzeugung. „Es wird definitiv einige Überraschungen geben“, fügt Miehl hinzu.

Das Engagement des Militärpfarrers ist aber nicht die einzige grundlegende Neuheit im kommenden Jahr. Die bevorstehenden Passionsspiele finden erstmals nicht auf der Hauptbühne des Römersteinbruchs statt. 2022 weicht man, zum Bedauern einzelner eingesessener Passionsspieler, auf eine kleinere Nebenbühne aus. Den Umzug konnte man jedoch reibungslos meistern: „Wir haben uns schnell mit den Vorzügen der kleineren Bühne angefreundet. Beispielsweise wird die Neuinszenierung dadurch kompakter und somit ist man den Zusehern deutlich näher als in der Vergangenheit“, findet die neue Regie.

Kulisse der großen Bühne als Vorbild

Das beeindruckende Bühnenbild würde aber der Kulisse der großen Bühne nacheifern: „Wir haben bewusst versucht das Markenzeichen der Passionsspiele – die markanten Steinbauten des Römersteinbruchs – zu rekreieren und ins Leben zu rufen“, beteuert Wessely.

Grundsätzlich gilt der Großteil der Arbeiten als abgeschlossen – die Bühne steht, die Kostüme sind fertig, auch die ersten Gesamtproben auf der Bühne konnten noch vor dem Lockdown abgehalten werden. Dem Ersatztermin im Sommer nähert man sich demnach mit Zuversicht: „Ein nochmaliges Verschieben halte ich fast für unmöglich. Sollten wir problemlos proben können, steht dem Termin nichts im Wege“, so Wessely. „Ich bin ebenso positiv gestimmt und denke, dass die Freude wächst, je näher wir an den Spieltermin heranrücken“, schließt sich Pfarrer Richard Geier an.

Die zurückliegenden Lockdowns hinderten die Passionsspieler zwar am gemeinsamen Proben. Zumeist versuchte man jedoch auf Online-Proben umzustellen, um trotz Einschränkungen am Stück feilen zu können. „Wir hoffen natürlich, dass wir nach Weihnachten wieder voll und ganz mit den Proben durchstarten können und uns weitere Lockdowns erspart bleiben“, so Regisseur und Militärpfarrer Alexander Wessely.

Bittere Absage 2021,

große Premiere 2022

Trotz der großen Enttäuschung nach der Absage im Sommer 2021 brachte das zusätzliche Vorbereitungsjahr etwas Entschleunigung und vereinzelte Vorteile mit sich: „Wir konnten dadurch sehr intensiv online proben. Somit war es auch möglich, sich inhaltlich besser mit dem Text auseinanderzusetzen. Vorsichtig bezeichnet also Glück im Unglück“, erzählt Regisseur Wessely. „Die Darsteller konnten von den unzähligen Online-Probeterminen unheimlich profitieren. Für sie ist das baldige, tatsächliche Spielen auf der Bühne eine Riesenfreude.“

Das größte Anliegen der neuen Regie sei es, das Publikum mit einigen Fragen des Lebens zu konfrontieren. Der theologische Fokus soll auf keinen Fall zu kurz kommen. Eine weitere Besonderheit der heiß erwarteten Neuinszenierung sei die zum Teil neu komponierte musikalische Untermalung mit Hollywood-ähnlichen Zügen. „Mit der richtigen Musik kann man sehr viel transportieren“, betont Alexander Wessely.

Die Eintrittskarten, die im Vorjahr verkauft wurden, konnten entweder rückerstattet oder eingetauscht werden. Knapp die Hälfte hätte ihre Vorjahrskarten für aktuelle Tickets umgetauscht. Bisher konnten außerdem deutlich mehr Tickets verkauft werden als noch vor einem Jahr. Mit den zurückliegenden Spielzeiten wären die Verkaufszahlen allerdings nicht vergleichbar: „Man merkt, dass es viel später losgeht als bisher“, erklärt Wolfgang Miehl. Während die Besucherzahlen für den bevorstehenden Sommer noch schwer abzuschätzen sind, wäre eine Gesamtbesucherzahl von 30.000 Zusehern durchaus wünschenswert. „Bei einer Besucherauslastung von 80 bis 90 Prozent können wir auf jeden Fall zufrieden sein“, schätzt Miehl.

Bürgermeister Eduard Scheuhammer freut sich besonders über die Bereitschaft der Gemeindebürger, die sich selbst in derartig schwierigen Zeiten aufopfern und sich an den Passionsspielen aktiv beteiligen. „Die Gemeinschaft, das Ortsleben sowie Brauchtum und Tradition stehen bei diesem Projekt im Vordergrund“, beteuert der Bürgermeister.