Abgelenkt! 3600 Lenker mit Handy angezeigt. Land und Polizei zogen Bilanz. Weniger Verkehrstote als 2019. Warnung an „Roadrunner- und Tuningszene“: Polizei kündigt „Zero-Tolerance“ an.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 04. Februar 2021 (04:10)
Andreas Stipsits (Leiter der Landesverkehrsabteilung), Verkehrslandesrat Heinrich Dorner und Landespolizeidirektor Martin Huber präsentierten die Verkehrsbilanz 2020.
Kirchmeir

18 Verkehrstote waren im Vorjahr auf Burgenlands Straßen zu beklagen. Das ist zwar eine Verbesserung gegenüber 2019 (33 Verkehrstote), aber immer noch schmerzlich: „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel!“, stellte Verkehrslandesrat Heinrich Dorner am Dienstag bei der Verkehrsbilanz 2020 in der Landespolizeidirektion in Eisenstadt fest.

Die Corona-Pandemie hinterließ auch in dieser Statistik ihre Spuren: „Der Verkehr nahm während des Lockdown um 30% oder mehr ab“, berichtete Landespolizeidirektor Martin Huber.

Jedoch sei die Kontrollintensität auf Burgenlands Straßen auch im Corona-Jahr hochgehalten werden, versicherte der Polizeichef.

Todesstrecke wird entschärft

Der Verkehrslandesrat berichtete vom Fortschritt des Sicherheitsausbaus mit Errichtung einer Mittelabtrennung auf der Schnellstraße S31.

In den vergangenen 20 Jahren sind im vierspurigen Abschnitt dieser Straße mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen, das letzte Opfer, eine 71-jährige Frau, war am 18. Jänner 2021 zwischen St. Martin und Neutal zu beklagen gewesen.

Auch auf der S4 soll, so berichtete der Landesrat über Pläne der Asfinag, ein Sicherheitsausbau gestartet werden.

Als Maßnahme gegen die Raserei wurden 2020 pro Bezirk zwei neue Radarboxen aufgestellt.

40 Motorradfahrern ermöglichte das Land 2020 ein „Warm-up-Training“ zum Saisonstart. Gemeinsam mit der AUVA wurde in den Volksschulen Gols, Siegendorf, Neudörfl und St. Martin/Raab ein Fahrrad-Techniktraining angeboten, an dem 630 Kinder teilnahmen.

Erfreulich: 2020 wurden weniger Verkehrsunfälle mit Personenschaden und ein deutlicher Rückgang bei den Verkehrstoten verzeichnet.
Grafik: Landespolizeidirektion Burgenland

Im Rahmen der Initiative „Close-up“ erzählten junge Unfallverursacher bei 20 Terminen in burgenländischen Fahrschulen von ihren Erfahrungen.

Bei 153 Schwerpunktaktionen zum Thema Ablenkung/Handynutzung wurden 3600 Lenker/innen angezeigt, die während der Fahrt mit dem Smartphone hantierten. „Das ist eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber 2019“, berichtete der Landespolizeidirektor.

Die Handynutzer am Steuer bleiben im Visier der Verkehrspolizei. Ebenso sagte man der „Roadrunner- und Tuning-Szene“ den Kampf an.

Man habe die Sorge, so Andreas Stipsits, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei, dass dieser fragwürdige Trend von der Bundeshauptstadt Wien auch auf das Burgenland übergreifen könnte.

In Eisenstadt, Mattersburg, Oberpullendorf und Oberwart seien bereits lärmintensive „auffrisierte“ Fahrzeuge beobachtet worden, zu deren Kontrolle künftig ein mit Unterstützung des Landes angeschafftes Lärmpegelmessgerät eingesetzt werden soll.

Noch habe man keine Rennen der Roadrunner-Szene beobachtet, so Stipsits. Man sei aber vorbereitet, um gegen Lenker vorzugehen, die sich selbst und andere gefährden.

„Da gibt es bei uns Zero-Tolerance!“, kündigte der Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei an.