„Eisenstadt – einst und heute“: Das Presbyterium

Die Veränderungen am Presbyterium, dem Altar-Bereich des Eisenstädter Domes, symbolisieren auch den Wandel der Kirche selbst.

Erstellt am 06. Dezember 2020 | 04:55
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Im Jahr 1589 zerstörte ein Großbrand das gesamte Kirchendach des Eisenstädter Doms und in der Folge auch die Gewölbe. Erst im frühen 17. Jahrhundert kam es zum Wiederaufbau in frühbarocken Formen, ab 1622 mit finanzieller Unterstützung von Graf Nikolaus Esterházy. 1778 wurde vom Wiener Neustädter Steinmetzmeister Joseph Gottschall ein barocker Altar aus reinem Marmor gefertigt.

Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es Überlegungen zu einer „Regotisierung“ der Kirche mit dem Ziel einer Rückgewinnung ihres „authentischen“ Aussehens. Bei der 1904 vollendeten Umsetzung dieser Ideen wurden die barocken Altäre zusammen mit einem Bild von Stefan Dorffmeister entfernt und die bereits 1863 erstmals übertünchte barocke Raumausmalung schwer beschädigt. Mensa und Tabernakel blieben erhalten. Anstelle des Marmoraltars diente nun die barocke Mensa mit dem Tabernakel. Die zwei barocken Rundfenster wurden vermauert, dafür ersetzte man sie durch drei neugotische Maßwerkfenster.

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Der Altar im Wandel der Zeit: Die Form Anfang des 20. Jahrhunderts (li. und Mitte) sowie 1954 (re.).
zVg

In den Nachkriegsjahren ab 1949 kam es zu einer neuerlichen umfassenden Renovierung und Neugestaltung nach den Plänen der Architektin Marta Reitstätter-Bolldorf. Dazu zählten insbesondere eine Neugestaltung des Altarraumes unter maßgeblicher Beteiligung des Halleiner Bildhauers Jakob Adl-hart, der Umbau der alten Sakristei zur Familienkapelle, eine neue Sakristei an der Südseite, ein neuer Vorbau an der Nordfassade und der flache Neubau einer Marienkapelle anstelle der alten Leonhardskapelle. Heute erinnern an diese Ausstattungsphase die ursprünglich innen beim Triumphbogen aufgestellte Martinsstatue Adlharts und die Farbglasfenster von Franz Deéd im Presbyterium bzw. im Langhaus, begonnen 1956 von Margret Bilger.

Mit der Erhebung der bisherigen Apostolischen Administratur Burgenland zur Diözese im Jahr 1960 wurde die Stadtpfarrkirche nun gleichzeitig auch Dom, also Bischofskirche, was die Neuanschaffung eines Gestühls für das Domkapitel erforderte (1963 ausgeführt von Jakob Adlhart, heute im Vorraum zur Krypta). Im Zuge der Liturgiereform des Vatikanischen Konzils wurde 1971 der Zelebrationsaltar in den Bereich des Triumphbogens verlegt. 2003 kam es unter Bischof Iby zur Neugestaltung des Domes, für welche das Architekturbüro Lichtblau-Wagner zeichnete. Mit dem Fest der Domsegnung am 12. April 2003 und der Altarweihe wurde die Renovierung nach einem Jahr Bauzeit abgeschlossen.

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Der Altar im Wandel der Zeit: Die Form im Jahre 1954.
zVg

Heute definiert ein warmtoniger Teppich des Architekten Gilbert Bretterbauer mit 150 Farbfeldern den Raum zwischen Tabernakel und Taufbecken neu. Altar, Ambo, Tabernakel und Taufbecken sowie die Sessio für die Zelebranten wurden von der Künstlerin Brigitte Kowanz als lichtdurchlässige Glasobjekte entworfen. Durch die Verbindung von Chor und Hauptschiff entstand westlich der eigentlichen Apsis ein ebenbürtiger Raumteil für besondere Anlässe wie Taufen, Trauungen oder Priesterweihen.

Das frühere Altarbild des Hl. Martinus des Ödenburger Malers Stefan Dorffmeister aus 1777 hängt nun an der Nordwand des linken Schiffes.