Katharina Köller: "Es war eigentlich ein Geheimprojekt". Die Eisenstädter Schauspielerin Katharina Köller hat ihren ersten Roman, „Was ich im Wasser sah“, geschrieben. Mit der BVZ sprach sie über Natur, Trausdorf und Corona.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 04. Oktober 2020 (07:34)
Erstling. Katharina Köller liest vielleicht auch bald im heimatlichen Eisenstadt aus ihrem Debüt-Roman „Was ich im Wasser sah“. Aber zuerst heißt‘s Kellnerieren: Der elterliche Heurigen „Köllerhaus“ hat ausgesteckt.
Markus Wagentristl

Es hat ein bisschen was von der Ruhe vor dem Sturm. Der Köllerhaus-Heurige im beschaulichen Kleinhöflein ist auffallend sauber zusammengeräumt – was während der Lese und wenige Tage bevor „ausg’steckt is“ wirklich beachtlich ist. Mitten in der vorstürmischen Zusammmengeräumtheit sitzt die 36-jährige Neo-Schriftstellerin zwischen Oleandern und wildem Wein und liest.

„Ich wollte etwas sagen, das ich mit den Mitteln eines Theaterstückes nicht mehr ausdrücken konnte“, erklärt Köller ihren Seitensprung aus der Welt des Theaters in die Welt des Romans, während sie sich eine Zigarette wuzelt.

Erstling. Katharina Köller liest vielleicht auch bald im heimatlichen Eisenstadt aus ihrem Debüt-Roman „Was ich im Wasser sah“. Aber zuerst heißt‘s Kellnerieren: Der elterliche Heurigen „Köllerhaus“ hat ausgesteckt.
Markus Wagentristl

Sowohl als Schauspielerin als auch als Autorin mehrerer Theaterstücke hat sich die gelernte Philosophin mit Faible für japanische Sprache und Kultur schon einen Namen in der Wiener Theaterszene gemacht. Den Namen kennt man nun auch in Deutschland, die renommierte Frankfurter Verlagsanstalt bringt ihren Erstling im gesamten deutschsprachigen Raum unter die Leute.

"Kaum jemand hat gewusst, dass ich an einem Roman schreibe"

In dessen östlichstem Teil, dem Burgenland, kam das doch recht überraschend: „Es war eigentlich ein Geheimprojekt, kaum jemand hat gewusst, dass ich an einem Roman schreibe.“ Geheimnisse bewahren kann Köller, nicht einmal ihr Cousin – immerhin Autor dieser Zeilen – wusste von dem Projekt. Und das, obwohl es sich über rund acht Jahre hinzog. „Ich habe immer wieder in meiner Freizeit daran gearbeitet. Erst während des Lockdowns hatte ich die Zeit, die Arbeit am Lektorat zu beenden“, so Köller.

Herausgekommen ist etwas, das man vielleicht den Pannonischen Magischen Realismus nennen könnte. Die Insel, auf der Klarissa und ihre Geschwister Bill und Irina hausen, hat etwas von den Welten, die nicht nur Japanologen von Hayao Miyazaki kennen: Ein liebreizendes Fischerdörfchen, das von einem Großkonzern bedroht wird, ist Arena des Mensch-Technik-Dualismus. Und ist aber auch ein bisschen Trausdorf, wo Köller seit Kindheitstagen ihre Sommer am See verbringt. Ob der Großkonzern, der die Fischerdörfchenbewohner mit Pachtverträgen knebelt, ein Seitenhieb auf die Esterhazy ist, sei einmal dahingestellt.

Von der Wein-Lese zur Buch-Lesung

„Es versuchen alle, die mich kennen, zu interpretieren, welche Romanfigur welchem Eisenstädter entspricht“, muss Köller ein bisschen lachen. Denn nicht nur die Menschen, sondern vor allem deren Wechselspiel mit der Natur ist das Metathema ihres Romans.

Diese Natur ist Köller gerade dabei, wieder ins eigene Leben zurückzuholen: Wie so viele Eisenstädter zog Köller nach der Matura in die große (graue) Stadt, spätestens seit Corona geht die Orientierung wieder in die andere Richtung, teilweise natürlich notgedrungen: „Ich habe den Lockdown in Eisenstadt und Trausdorf verbracht. Der Wald, der See, die Luft – das ist schon ein Privileg, das wir hier im Burgenland haben“, stellt Köller fest.

Wie es jetzt weiter geht? Ein Theaterprojekt ist noch offen, dazu muss das Virus erst ausgesessen werden. Davor steht eine Lesereise an, Mitte Oktober geht es nach Frankfurt für zwei Lesungen. „Und davor haben wir noch ausgesteckt, da muss ich kellnerieren“, lacht Köller.

Während des Gesprächs ist eine ziemlich große Fliege in Köllers Wasserglas gelandet und zappelt im Wasser herum. Ohne dem großartige Beachtung zu schenken, fischt Köller die Fliege raus und schnippt sie weg. Kein Drama. Sie ist tatsächlich – im liebenswertesten Sinne – ein Kind vom Land geblieben.