98,77 Prozent für Sagartz als ÖVP-Chef. Beim ersten digitalen Landesparteitag der ÖVP-Burgenland stellte sich Christian Sagartz der Obmann-Wahl in einer geheimen Online-Abstimmung. Er kündigte auch die neue Positionierung der ÖVP an: Man wolle das Land von der absoluten SPÖ-Mehrheit "befreien", gab sich Sagartz in seiner Parteitag-Rede kämpferisch.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 25. Juni 2021 (16:12)

Mit hoher Zustimmung von 98,77 Prozent wurde Christian Sagartz zum Landesparteiobmann der ÖVP gewählt: Von 266 geladenen Delegierten waren 251 bei der Online-Wahl dabei, 240 von 243 abgegeben Stimmen sprachen sich für Sagartz aus. Der 40-jährige Pöttschinger, der die Partei nach der Landtagswahl 2020 als geschäftsführender Obmann von Vorgänger Thomas Steiner übernommen hatte, war als einziger Kandidat angetreten. Er kündigte einen "neuen Weg der Volkspartei" an, mit dem man bei den nächsten Wahlen die absolute SPÖ-Mehrheit im Land brechen wolle.

In seiner Rede strich Sagartz vor der Obmann-Wahl die Rolle der Landes-ÖVP hervor, „als einzige Partei, die der absoluten SPÖ-Mehrheit die Stirn bietet“. Erwartungsgemäß viel Kritik gab es dann an der Alleinregierung: „Wir müssen dieses Land befreien von dieser roten Übermacht, von einer Politik, die Vorschriften macht, die anschaffen will, was die Kinder in der Volksschule und im Kindergarten essen sollen, die sogar anschaffen will, was die Unternehmer ihren Mitarbeitern an Löhnen bezahlen. Wir müssen dieses Land befreien, dazu bin ich bereit und dazu brauche ich eure Unterstützung“, wandte sich Sagartz direkt an die Delegierten.

„Mehr Freiheiten und weniger Bevormundung. Keine Gleichmacherei, sondern echte Chancen für alle. Mehr von unten nach oben gemeinsam entwickeln und nicht von oben nach unten anschaffen und diktieren." So umriss Sagartz in seiner Rede die "Alternativen", die er mit der ÖVP bieten wolle. Motivieren will er die Parteimitglieder auch im Zuge einer persönlichen Tour durchs Land. 

ÖVP-Zentrale als Sendestudio

Die Tour des Landesobmannes soll nachholen, was am digitalen Parteitag nicht möglich war. Für diese Art der Abwicklung hatte sich die ÖVP noch zu Zeiten strengerer Covid-Maßnahmen entschieden. Zudem wolle man "die digitalste Partei des Landes" werden, wurde mehrmals betont.

Zu diesem Zweck hatte das Team rund um Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas die ÖVP-Zentrale in Eisenstadt für den Parteitag in ein Studio verwandelt: Zehn Tonnen Material wurden angeliefert, vier Kilometer Kabel verlegt, im Keller des Hauses wurde das technische Herzstück mit dutzenden Bildschirmen eingerichtet. Hier wurden die Delegierten koordiniert, die online zugeschaltet waren und auf diesem Weg auch geheim abstimmen konnten.

Als Einstimmung auf die Rede und die Obmann-Wahl plauderte Fazekas mit Studiogästen, unter anderem mit Vorgänger Thomas Steiner. Bundeskanzler und Bundesparteiobmann Sebastian Kurz wurde ebenfalls mit einem Statement zugeschaltet. "Ihr braucht überhaupt keine Tipps von mir", sagte Kurz auf die Frage, was er der ÖVP-Burgenland am Parteitag mitgeben wolle, "ihr seid sehr gut aufgestellt, in einem nicht einfachen Bundesland."