Seminar zur Hundehaltung: Wissen statt Bissen. Tierärztin Eike Both erklärte Hundehaltern, in welchen Situationen Hunde zubeißen und wie man das verhindern kann.

Von Lisa-Marie Zehetbauer. Erstellt am 14. Oktober 2019 (04:48)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Tierärztin Eike Both (im Bild mit Hündin Minnie) bemerkte eine Häufung von Bissverletzungen. Sie will mit einer Seminarreihe aufklären und die Trendwende schaffen.
zVg privat

„Kein Hund beißt ohne Grund“, meint Eike Both. Doch warum beißen Hunde eigentlich? Und kann man eine Hundeattacke im Vorfeld verhindern? Diesen Fragen ging die Tierärztin in ihrem Workshop vergangenen Samstag in Donnerskirchen auf den Grund.

Der knurrende, freilaufende Hund aus dem Stadtpark, der Menschen ganz plötzlich einfach so anfällt und verletzt, ist ein eher seltener Fall. In den meisten Fällen stammt der Hund aus dem näheren Umfeld, wie der eigenen Familie oder Nachbarn. Und fast immer deutet sich der Angriff an.

Warum beißt der Hund?

Einer der häufigsten Gründe, warum ein Hund zubeißt, ist Unsicherheit oder Angst. Den meisten Hunden ist es unangenehm, wenn man ihnen direkt in die Augen sieht. Anstarren („Fixieren“) ist für Hunde ein Drohsignal. Auch eine zu schnelle Annäherung oder ein unvermitteltes Berühren kann zu Angstaggression führen. Auch das Revierverhalten könnte ein möglicher Grund für eine Hundeattacke sein – viele Hunde verteidigen ihr häusliches Umfeld. Sie zeigen Fremden gegenüber, die „ihr“ Territorium betreten, aggressives Verhalten und beißen vielleicht auch zu. Viele Hunde, insbesondere Vertreter von Rassen, die für Jagd-, Schutz- und Verteidigungszwecke gezüchtet wurden, reagieren auf bestimmte Schlüsselreize mit einem angeborenen Beutegreifreflex. Ein wichtiges Merkmal der Beuteaggression ist, dass sie in aller Regel plötzlich und ohne Vorwarnung geschieht. Denn wer bei der Jagd erfolgreich sein will, warnt seine Beute nicht. Es ist also sehr wichtig, diese Verhaltensmuster und ihre Triggerfaktoren zu kennen und zu verhindern.

Auch eine schlechte Haltung, Fehler im Umgang, mangelhafte Auslastung oder ungeklärte Rangordnungen können bei Hunden zu Stress führen. Dieser baut sich durch aggressives Verhalten ab. Ein weiterer Grund könnten auch Schmerzen und Krankheiten sein. Hat der Hund Schmerzen, kann es vorkommen, dass er beispielsweise auf Berührungen aggressiv reagiert und zubeißt. Es gibt auch Krankheiten, vorwiegend beim Gehirn (Epilepsie, Tollwut), die ein aggressives Verhalten auslösen können. Man sollte daher auch immer diese Möglichkeit in Betracht ziehen, insbesondere dann, wenn er dieses Verhalten zuvor noch nie gezeigt hat.

Wie kann man die Situation entschärfen?

Wenn ein Hund schon aus der Distanz droht, rät Eike Both, sich ihm auf keinen Fall weiter zu nähern. Stattdessen sollte man ihr zufolge stehenbleiben, den Kopf abwenden und sich möglichst seitwärts entfernen, um den Sicherheitsabstand zu erhöhen. Dringend vermeiden sollte man hektische Bewegungen oder laute Schreie.

Weglaufen bringt meistens nichts, weil Hunde oft schneller sind und es könnte noch zusätzlich das Jagdverhalten aktivieren. Insofern wird geraten, das eigene Gesicht zum Beispiel mit einer Tasche zu schützen oder irgendeine Form von Barriere zwischen sich und den angreifenden Hund zu bringen. Hunde, die unsicher sind oder Angst haben, beißen in der Regel eher kurz zu. Es gibt aber durchaus Tiere, die mehrfach nachsetzen. Auch hier gilt: Keinen Augenkontakt mit dem Hund, keine hektischen Bewegungen und sich nicht unnötig interessant machen.