Landeshauptmann stellt sich Fragen der Eisenstädter. Seit 1. Juli lädt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zum Diskussions-Format „Doskozil fragt nach“ in verschiedene Ortschaften des Landes ein. Am Montag, 15. Juli war Eisenstadt dran.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 15. Juli 2019 (18:56)

Etwa 80 bis 100 Menschen folgten der Einladung des Landeshauptmanns, der ziemlich genau den Altersschnitt des Publikums darstellte. Kein Wunder daher, dass das dominierende Thema die Pflege war.

Pflege, Mindestlohn und Biowende: Wer zahlt?

Ein Lohn von 1.700 Euro netto, wenn man seine Angehörigen pflegt (Pflegestufe Fünf) oder einem Landes-nahen Unternehmen arbeitet (in denen es nun auch Bio-Essen geben soll). Das sorgte zwar für Applaus, aber auch für Nachfragen. Wer soll das bezahlen? Das sei eine Frage der Berechnung, so Doskozil: Auslagerungen hätten die Mehrkosten der Pflege bisher verschleiert, da Leistungen zugekauft werden müssen. Mit der neuen Regelung werde hier gespart. Außerdem werden flachere Gehaltskurven und eine Pensionierungswelle den Plänen finanziell entgegenkommen.

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Das Bio-Thema sei weniger eine Frage des Geldes: Supermärkte zu fördern um Bio zu stärken nütze nichts, da die Hilfe weder beim Konsumenten noch beim Produzenten ankomme. „Wir wollen Bauern bei der Direktvermarktung helfen“, so Doskozil.

Dazwischen war das diplomatische Feingefühl gefragt. Ein Gast wollte wissen, was das Land Burgenland gegen das gigantische Tourismusprojekt der ungarischen Regierung auf deren Seite des Sees tun könne. „Das kommt darauf an, wie wichtig den Ungarn der Titel des Weltkulturerbes ist“, lautete Doskozil unverblümte Antwort. Einen anderen Hebel bei Verhandlungen habe man als Nachbar nicht. Da hier alles gesagt war, ging es zu Themenblock zwei.

Pendler-Verkehr: Wie viele Züge gehen?

Wird die S-Bahn nach Wien jemals nach Eisenstadt kommen? Und Züge am Abend auch im Halbstundentakt gehen? Zu gerne hätte Doskozil sichtlich einfach „Ja!“ gesagt, das Pouvoir hätte er dazu. Aber er gibt die Kosten der Züge zu bedenken: Der von Oberwart nach Friedberg wurde nach langer Zeit eingestellt. Die öffentlichen Zuschüsse für die Strecke waren am Ende so hoch, dass man jedem Fahrgast hätte jährlich einen VW Golf kaufen können. Was aber unbestreitbar sei: „In zehn bis 15 Jahren können wir nicht mehr wie gewohnt mit dem Auto nach Wien fahren. Das wird sich wachstumsbedingt nicht ausgehen.“ Es brauche einen Zug für den Großraum Eisenstadt („womit ich auch Oberpullendorf und Neusiedl meine“) und mehrere Busse, die die Pendler zu diesem Zug brächten. Ein derart großer Plan brauche aber Zeit, bat Doskozil um Verständnis.

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Den emotionalen Abschluss setzte Christine Bummer aus Siegendorf, die in einer Mappe all ihre Verbesserungsvorschläge für den Landeshauptmann zusammengeschrieben hatte. „Das Hauptproblem sind die Banker und die Rating-Agenturen“, überraschte sie das zögerlich aber doch applaudierende Publikum. Doskozil nahm die Mappe mit. Im August hält die „Doskozil fragt nach Tour“ in Hornstein.