Pannonische Tafel hilft bis Pakistan

Die Pannonische Tafel hat seit kurzem neben Eisenstadt und Oberpullendorf nun auch einen dritten Standort — in Pakistan.

Erstellt am 29. April 2020 | 07:42
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Seit etwa 12 Jahren ist die Pannonische Tafel als Sozialinstitution im Burgenland nicht mehr wegzudenken. Nun hat die „PanTa“ expandiert und eine dritte Filiale eröffnet — im pakistanischen Rabwah.

Die Geschichte beginnt allerdings bereits 2015: Im Sommer jenes Jahres flüchtete Qamar Shahzad aus seiner Heimat Pakistan, um seiner Familie eine bessere Zukunft bieten zu können. Als Angehöriger einer verfolgten Minderheit drohte ihm und seinen Kindern dort nämlich Gewalt und Misshandlung. Seine Flucht führte ihn über Umwege nach Eisenstadt. Hier lernte er die Pannonische Tafel kennen und brachte sich von Beginn an mit vollstem Einsatz ein. „Ich kenne niemanden, der so hilfsbereit ist wie Qamar“, erzählt Andrea Roschek, Obfrau der Pannonischen Tafel. „Qamar ist ein Vorbild für mich. Er hat so viel Leid erfahren und hat trotzdem die Liebe für seine Mitmenschen nicht verloren.“

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Doch in Eisenstadt durfte er nicht bleiben. Nach einem Jahr im Burgenland, in dem er als ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Tafel unzählige Stunden mitgearbeitet hat, ging er für drei Monate nach Serbien. Auch dort engagierte er sich freiwillig bei Sozialprojekten und wurde mit 450 Stunden Ehrenamt sogar als „Volontär des Jahres“ ausgezeichnet. Auf Grund bürokratischer Hürden und behördlicher Schikanen kam er von Serbien wieder zurück nach Eisenstadt zu Roschek. „Qamar ist für mich ein Familienmitglied“, betont die Tafel-Leiterin.

Viel Leid, noch mehr soziales Engagement

Aber erneut wurde sein Asylantrag abgewiesen. Aus dem Wartezimmer eines Zahnarztes wurde er verhaftet, in Schubhaft gesteckt und nach Bulgarien abgeschoben, da er dort bei der Einreise bereits registriert wurde. Dort landete er in einem Lager — bei der Erinnerung an diesen Ort kommen Roschek, die ihn dort besuchte, auch heute noch die Tränen. Trotz der menschenunwürdigen Zustände im Lager organisierte er dort Spielsachen für Kinder, damit diese zumindest zeitweise Ablenkung finden können. Nach einem Jahr wurde er schließlich nach Pakistan abgeschoben.

Die einzige Konstante beim langen Weg des Pakistani war sein unermüdliches soziales Engagement. Am meisten beeindruckte ihn dabei die Pannonische Tafel — so sehr, dass er in seiner Heimat Pakistan nun neben Eisenstadt und Oberpullendorf die dritte Filiale der „Pannonischen Tafel “ eröffnete.

Er betreibt einen Stand, von dem aus er Waren verteilt, die er von Händlern und Märkten zur Verfügung gestellt bekommt oder vor der Entsorgung rettet. Täglich kocht er für bedürftige Mitbürger. Auch die Corona-Pandemie hat seine Heimat bereits erreicht. Da es kaum sanitäre Maßnahmen gibt, näht er mit einigen Helfern Masken, und verteilt diese von seinem Stand aus. Die Pannonische Tafel unterstützt ihn dabei vom Burgenland aus mit Rat und Tat.