Cselley Mühle verkauft - wie geht es weiter?. Kurz vor ihrem 45. Geburtstag wechselte die Cselley Mühle den Besitzer. Mario Müller, Familypark-Gründer und Kunstsammler, verspricht den Kulturbetrieb fortzuführen.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 11. März 2021 (05:55)
Führungswechsel. Eveline Lehner, Geschäftsführerin und Miteigentümerin, übergibt mit Jahresende an Neo-Eigentümer Mario Müller.
Peter Wagentristl

Im Mai 1976 eröffnete der damalige Unterrichtsminister Fred Sinowatz in Oslip die liebevoll „Mü“ genannte Kulturinstitution mit den Worten: „Ich weiß nicht was ich eröffne, aber ich eröffne es.“ Zum 45. Jubiläum, „wissen wir noch immer nicht genau, was er hier eröffnet hat“, scherzt Geschäftsführerin Eveline Lehner.

Was man aber bereits weiß: Die Cselley Mühle wurde verkauft, über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Neuer Eigentümer ist die Privatstiftung des ehemaligen Betreibers und Besitzers des Familyparks St. Margarethen, Mario Müller. Er selbst habe „seine Jugend in der Mühle verbracht“, heißt es in einer Aussendung zum Eigentümerwechsel.

Vieles soll seinen Plänen nach gleich bleiben, die Mühle werde auch künftig „,Spielplatz‘ der Generationen, Ort der Kunst und Kultur, des Möglichen und Unmöglichen, Ort des Austausches, der Inspiration, Treffpunkt und ein Stück ,Heimat‘“ bleiben. Aber: „Wandlungsfähigkeit war stets ein besonderes Merkmal der Mühle.“

Lehner bleibt bis 2022 Geschäftsführerin

Die BVZ besuchte Geschäftsführerin Eveline Lehner kurz nach dem Verkauf in der Cselley Mühle. Die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen, erklärt sie: „Mir war wichtig, dass die Mühle als Kultur- und Veranstaltungsbetrieb bestehen bleibt. Mit Mario (Müller, Anm.) haben wir nun, wie ich glaube, eine gute Lösung gefunden.“ Dieser habe ihr zugesichert, dass die bisherige Crew der „Mü“ übernommen wird — „sonst hätte ich nie zugestimmt.“

Das frühere Mühlen-Team. Eveline Lehner und Hans Bögl (2.v.r.) mit den verstorbenen Gründervätern Sepp Laubner (2.v.l.) und Robert Schneider (r.).
Millendorfer

Die Cselley Mühle sei schon von Lehners 2019 verstorbenen Lebensgefährten Robert Schneider und den im Vorjahr verstorbenen Sepp Laubner so geführt worden. „Das macht die ,Mü‘ ja gerade aus“.

Dabei stand der Profit nie im Vordergrund — „natürlich muss man wirtschaften, sonst kann man gleich zusperren“, so Lehner. Aber „Kunst und Kultur kann und darf nicht immer ,ein G’schäft‘ sein.“ Viele junge Künstler — ob Kabarett, Musik oder Literatur — seien hier groß geworden: Vitasek, Düringer, Resetarits, aber auch Bilderbuch, Cari Cari, Tom Pronai, Andreas Spechtl (Ja, Panik) und viele andere haben hier begonnen. „Langfristig war es eben wichtig und eine gute Investition auf die Jugend zu setzen. Denn eigentlich ist es ihre Aufgabe, die Mühle weiterzuentwickeln. Wir können es nur zulassen.“

Eine gute Investition erwartet sich wohl auch der neue Eigentümer. Den Vorstand der Privatstiftung, über die Müller die Mühle erstanden hat, bilden der ehemalige Geschäftsführer der Wirtschaft Burgenland AG (WIBAG), Günter Perner, sowie ein Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Gegründet wurde die „Cselley Mühle Kultur - Aktionszentrum Betriebsgesellschaft m.b.H.“ dagegen von zwei Künstlern. Ob und wie sich das auf die Philosophie der „Mü“ auswirken wird, werden erst die kommenden Jahre zeigen.

Im Jubiläumsjahr „100 Jahre Burgenland und 45 Jahre Cselley Mühle“ ändere sich jedenfalls noch nichts. Lehner führt den Betrieb bis Jahresende weiter, alle Veranstaltungen finden vom Verkauf unbeeinflusst statt. Nicht jedoch von der Pandemie: Welche Veranstaltungen heuer tatsächlich über die Bühne gehen können, ist noch unklar.

Nachdem der Nachlass der Mühle-Gründer abgewickelt wurde, entschieden sich nach langer Überlegung beide Seiten — Schneiders und Laubners Erben — für den Verkauf. Im Gespräch als möglicher Käufer war auch das Land. Schließlich sei man aber auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Nicht unbedingt zur Freude von Lehner: „Es wundert mich, dass das Land es sich leisten kann, sich die Mühle nicht zu leisten.“

Auf BVZ-Anfrage nahm man auch im Büro von Landeshauptmann und Kulturreferent Hans Peter Doskozil zum Verkauf. Betont wird, dass das Land Burgenland auch als Nicht-Eigentümer immer zur Cselley Mühle gestanden und bereit gewesen sei, Programm und Betrieb durch die Mittel der Kulturförderung zu unterstützen. Das Land wäre auch bereit gewesen, die Mühle über die „Landesimmobilien Burgenland“ zu erwerben, wenn es keinen anderen Interessenten gegeben hätte. Ab dem Zeitpunkt, wo ein anderer Kaufinteressent aufgetreten sei, habe sich herauskristallisiert, dass dieser die erste Adresse der Verkäufer sein würde. „Unterm Strich ist es jetzt eine sehr erfreuliche Lösung, dass es einen burgenländischen Kulturbegeisterten gibt, der bereit ist, die Cselley Mühle zu übernehmen, weiterzuentwickeln und zu investieren und als Kulturstandort im Sinne der Gründungsidee weiterzuführen.“

„Unterm Strich haben wir nun aber eine gute Lösung gefunden“, hofft auch Lehner. Auch mit den bisher fixierten Neuerungen kann die scheidende Chefin gut leben: „Geplant ist eine Fortführung des Kulturbetriebs, etwa mit einer Dauergalerie in der ehemaligen Wohnung von Sepp Laubner“, verrät Lehner. Gezeigt wird eine Ausstellung von einem renommierten britischen Künstler, dem 85-jährigen Nick Treadwell.