21-Jähriger bot am Domplatz Drogen an. Lehrling verkaufte Cannabisblüten, Kokain und Speed. Polizei forschte 21 Abnehmer aus. Angeklagter zu teilbedingter Haft verurteilt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 06. Mai 2021 (03:55)
Mit Cannabisblüten und anderen Drogen handelte ein 21-jähriger Lehrling. Den unbedingten Teil der Haftstrafe - zwei Monate - verbüßte er im Februar und März in der Untersuchungshaft.
Symbolbild: New Africa, shutterstock.com, Symbolbild: New Africa, shutterstock.com

In der lokalen Drogenszene hatte der 21-jährige Lehrling einen einschlägigen Ruf: Er war als der „größte Verkäufer in Eisenstadt“ bekannt.

Ende Jänner wurde der Dealer verhaftet, am Dienstag dieser Woche stand er vor Jugendrichterin Birgit Falb.

Vom Sommer 2019 bis zu seiner Verhaftung soll er 600 Gramm Cannabisblüten, 42 Gramm Kokain und 90 Gramm Speed an 21 von der Polizei ausgeforschte Abnehmer abgegeben haen.

„Die 600 Gramm Cannabis können passen“, erklärte der Angeklagte. Jedoch habe er nicht mehr als fünf Gramm Kokain an diverse Abnehmer und nur 40 Gramm Speed an eine 26-jährige Frau verkauft, die gegenüber der Polizei angegeben hatte, dass sie an Speed interessiert gewesen sei, weil sie gehört hatte, diese Droge helfe beim Abnehmen.

„Sie waren bekannt dafür, die beste Qualität zu haben“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor.

Hochwertiges Kokain vom „Konnekt“ in Wien

Der Lehrling hatte einen „Konnekt“ zu einem serbischen Lieferanten in Wien, der wesentlich reineres Kokain verkaufte, als es bei anderen Quellen im Raum Eisenstadt erhältlich war.

Die 26-Jährige hatte bei ihrer Einvernahme bei der Polizei geschildert, wie sie den jungen Eisenstädter Dealer gefunden hatte. Sie habe am Domplatz einen „jungen Türken“ angesprochen, der den Eindruck machte, dort Drogen zu verkaufen.

Sechsmal habe sie bei ihm Speed bestellt und „sicher 90 Gramm“ bei ihm gekauft.

Die Übergaben fanden übrigens auf einer Bushaltestelle nahe dem Landesgericht statt.

An den Kokain-Einkaufsfahrten in Wien hatten auch Freunde des Angeklagten teilgenommen. „Wir fuhren gemeinsam etwas holen, damit wir etwas haben bei unseren Unternehmungen“, gab ein 24-jähriger Abnehmer bekannt.

Er habe dem Angeklagten einen „Fünfziger oder Hunderter“ für ein halbes oder ganzes Gramm gegeben, der Lehrling sei dann ausgestiegen und habe das Kokain von dem „Serben-Konnekt“ geholt.

Zwei der Abnehmer waren unentschuldigt ihrer Zeugenladung nicht gefolgt. Einen dieser jungen Männer erreichte die Richterin telefonisch in Mattersburg und trug ihm auf, sofort zum Gericht zu fahren.

„Ich wusste flüchtig von der Verhandlung, hörte es von den anderen“, gab der Zeuge wenig später im Gerichtssaal an. Die Zeugenladung habe wohl seine Oma übernommen.

Auch er sei zum Lieferanten nach Wien mitgefahren. „Ich gab dem Angeklagten 80 oder 90 Euro“, sagte der Zeuge.

„Und was brachte er Ihnen?“, fragte die Richterin. „Na, Koks!“, antwortete der Zeuge. „Wie oft?“, wollte die Richterin wissen. „Einmal“, beteuerte der Zeuge.

„Kennen Sie den Unterschied zwischen einmal und ein paar Mal?“, wunderte sich die Richterin. Bei der Polizei sei noch von 22 Gramm Kokain die Rede gewesen, half sie dem Gedächtnis des Zeugen auf die Sprünge. Er sei bei der Polizei unter Druck gestanden, behauptete dieser.

„Dass wir Druck machen, war nicht einmal ansatzweise notwendig“, widersprach der ermittelnde Kriminalbeamte.

Der Lehrling wurde zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, davon zwei Monate unbedingt verurteilt. Diesen Teil Haftstrafe hat er in der Vorhaft verbüßt.