Aggression nicht im Griff: 3,5 Jahre Haft

Erstellt am 13. März 2022 | 05:54
Lesezeit: 3 Min
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Am Bahnhof war ein 58-Jähriger verletzt worden.
Foto: Kirchmeir
Sechsfach Vorbestrafter hatte Gast in Bahnhofsrestaurant und eigene Freundin verletzt. Er hatte sich nichtschuldig bekannt.
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Um einen Freispruch oder eine milde Strafe hatte Anwalt Klaus Philipp gebeten, stattdessen verhängte ein Schöffensenat am Dienstag eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren über jenen 31-Jährigen, der am 6. August 2021 einen 58-jährigen Mann am Bahnhof geschlagen und getreten und seiner Freundin eine Schnittverletzung zugefügt haben soll.

Die Polizei stellte danach bei dem bereits sechs Mal vorbestraften Mann eine Alkoholisierung von 2,58 Promille fest. Der Angeklagte hatte sich an mehreren Verhandlungstagen wortreich von jeglicher Schuld distanziert. Er habe die Taten nicht begangen, sei aber bereit, sich einer Suchttherapie zu unterziehen.

Seine Freundin hatte vor vier Wochen bei ihrer gerichtlichen Befragung behauptet, sich die Schnittverletzung selbst zugefügt zu haben. Zusätzlich zur verhängten Haftstrafe muss der Mann fünf weitere Monate plus eine Woche verbüßen, weil er aus dem letzten Gefängnisaufenthalt bedingt entlassen wurde, diese Chance aber nicht zu nützen wusste.

Bevor das Urteil gesprochen wurde, kam jener Mann zu Wort, den der Angeklagte am 6. August 2021 am Bahnhof Eisenstadt zusammengeschlagen haben soll.

Opfer zu Fotos von seiner Verletzung: „Na servas!“

Der 58-jährige Pensionist gab an, nach einem epileptischen Anfall im Jänner sein Erinnerungsvermögen verloren zu haben. Als ihm der Staatsanwalt die Fotos zeigte, die nach dem Vorfall im August von ihm aufgenommen worden waren, reagierte der 58-Jährige geschockt: „Na servas!“

Gegenüber der Polizei hatte er am 7. August den Angeklagten als Verursacher der Verletzungen genannt. Ein als Zeuge befragter 53-jähriger Gast des Bahnhofsrestaurants bestätigte: Der Angeklagte habe dem Opfer zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen und dann mit dem Fuß auf den am Boden Liegenden hingetreten.

Die Polizei traf am Bahnhof ein, als der Angeklagte bereits fort war. Man musste ihn aber nicht lange suchen, weil bereits die nächste Einsatzmeldung folgte: In einem nahegelegenen Wohnhaus hatten Nachbarn Streit gehört.

Eine Bewohnerin soll die Polizei mit den Worten empfangen haben: „Kommt’s schnell! Jetzt sticht er sie ab.“ Ein als Zeuge befragter Polizist erinnerte sich, dass die Freundin des Angeklagten erst nach Minuten die Wohnungstüre öffnete. „Ich sah, dass sie bei einem Auge aufgeschunden war und wunderte mich, dass sie sich an die Hüfte fasste“, berichtete der Polizist. „Als ich die Verletzung sah, war ich schockiert. So etwas sieht man nicht alle Tage.“

Die Frau hatte eine zwölf bis dreizehn Zentimeter lange Schnittwunde erlitten. „Ich habe mit der Verletzung nichts zu tun! Das kann ich Ihnen schwören“, beteuerte der Angeklagte zum wiederholten Mal. Der Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Doris Halper hatte keine Zweifel, dass der Angeklagte den Gast im Bahnhofsrestaurant und seine Freundin verletzt hatte, deren Ausführungen als unglaubwürdig beurteilt wurden, zumal die Frau immer wieder andere Versionen zur Entstehung der Schnittverletzung vorgebracht hatte.

Anwalt und Staatsanwalt gaben keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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