Alexander Srtschin: Zwischen Werkstatt und Filmset

Der Schützener Alexander Srtschin ist dabei, eine vielsprechende Schauspielkarriere zu starten. Der Beginn dieser Karriere geschah für den jungen Mann dabei zufällig.

Reinhold Woditsch Erstellt am 14. August 2021 | 06:27
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Ausschnitt. Die Rolle in dem neuen Film „Me, We“ war für den jungen Schützener Alexander Srtschin eine Herausforderung.
Foto: ZVg

Der aktuelle Spielfilm „ME, WE“ (seit 23. Juli im Kino) greift ein Thema auf, das nun mittlerweile seit sechs Jahren europaweit brandaktuell ist. Regisseur David Clay Diaz behandelt Flucht, Migration und Asyl und zeigt stellvertretend vier Geschichten, die neben dem großen Themenkomplex vor allem auch die einzelnen Persönlichkeiten der Protagonisten beleuchten. Es gelingt ihm dabei, ein ausgesprochen differenziertes Licht auf die europäische Asylproblematik zu werfen.

Der Film lässt diametral entgegengesetzte Weltbilder aufeinanderprallen und entlarvt gleichzeitig eine gewisse Naivität auf allen beteiligten Seiten.

Die BVZ hat mit dem Schützener Schauspiel-Newcomer Alexander Srtschin über seine Erfahrungen beim Dreh zum aktuellen Film und seine junge, aber vielversprechende Schauspielkarriere gesprochen.

Du wurdest bei einem Laiencasting entdeckt. Wie bist du darauf aufmerksam geworden und wie ist das Ganze abgelaufen?

Srtschin: Martina Poel hat damals Jugendliche für ihren Film 17 gecastet. Das wurde an Schulen ausgeschrieben und meine Freundin hat sich dafür beworben und die hat sich in Wien nicht ausgekannt, deshalb habe ich sie dorthin begleitet. Dann habe ich dort ewig gewartet und die Martina hat mich immer wieder gefragt, ob ich nicht auch vorsprechen möchte. Ich habe mich eigentlich null dafür interessiert und habe mich beim Casting absichtlich blöd angestellt. Scheinbar hat es ihr aber dann trotzdem gefallen. Nach zwei Wochen hat sie sich dann bei mir und nicht bei meiner Freundin gemeldet. Deshalb habe ich bis heute ein bisschen Schuldgefühle.

Wie ist es dann weitergegangen?

Srtschin: Zunächst einmal fuhr ich wieder nach Hause und hab die ganze Sache vergessen. Ein Jahr lang hat sie mich immer wieder kontaktiert und ich wollte eigentlich immer noch nichts machen. Inzwischen hat sie mir David vorgestellt und wir haben ein paar Sachen ausprobiert und er hat gemeint, dass er einen Film drehen will, in dem ich die Hauptrolle spielen sollte. Das habe ich damals nicht ganz ernst genommen und es ist wieder einige Zeit vergangen und plötzlich kam ein Vertrag und wir starteten mit „Agonie“. Der Film ist dann so gut angekommen, dass wir damit auf der Diagonale und auf der Berlinale waren. Dort wurde ich dann immer wieder gefragt, ob ich eine Schauspielschule besucht hätte und ich habe gesagt: Nein, ich bin ein Dorftyp und ein Hackler. Nach „Agonie“ hat sich mal ein Jahr nichts getan und ich dachte, vielleicht war es nur Glück. Dann kam das Angebot für eine kleine Nebenrolle in ,Der Pass‘, wo ich neben Nicholas Ofczarek spielen durfte. Zunächst habe ich nicht einmal gewusst, wer das ist. Er war aber total cool und hat mir sehr viele Tipps gegeben. Dann war wieder lange Zeit nichts und ich wollte meine Lehre fertig machen. Dann kam aber in meiner Probezeit Corona und kurz vor Ende der Probezeit hat der Chef gemeint, er könnte sich mich nicht leisten. Das ist mir zwei Mal ähnlich passiert und immer kam kurz davor ein Filmangebot. Beim ersten sagte ich Nein, aber meine Schwester hat dann gemeint, das muss wohl ein Zeichen sein. Ich habe dann sehr mit mir gekämpft, weil es einfach nicht meine Welt ist. Es war schwierig, sich dort einzufinden, aber je mehr ich mich dann doch darauf eingelassen habe, desto wohler habe ich mich gefühlt und deshalb will ich jetzt jede Minute und jeden Cent in die Schauspielerei investieren.

Was ist für dich das Schwierigste am Filmset?

Srtschin: Das Schwierigste sind sicher die Szenen, bei denen man sich vor versammeltem Kamerateam zum Affen macht. Man spielt vielleicht eine unfreiwillig komische Szene und muss sich dann immer wieder vor den Leuten ein bisschen genieren. Wobei ich inzwischen gemerkt habe, dass ich das auch schon mehr und mehr ablegen kann.

Du spielst ja einen jungen Burschen, der Frauen vor potenziell übergriffigen Flüchtlingen beschützen will. Das ist ohne Zweifel ein naives, rassistisches Motiv und trotzdem handelt er aus seiner Sicht wahrscheinlich mit den besten Absichten. War es schwierig, diese zerrissene Persönlichkeit zu spielen? Wie hast du dich auf diese Rolle vorbereitet?

Srtschin: Genau das ist das Interessante an der Rolle. Marcel will mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln helfen. Das hat er mit den anderen Protagonisten des Films ja gemeinsam. Dass sein Handeln moralisch total falsch ist, erkennt er dabei jedoch nicht. Das wird ihm im Laufe des Filmes immer klarer und genau diese Zerrissenheit war nicht einfach zu spielen. Ich muss aber sagen, dass der Regisseur und Freund David Clay Diaz da sehr auf mich eingegangen ist und wir den Text von Marcel stundenlang gemeinsam durchgegangen sind und das Drehbuch so abgeändert haben, dass es für ihn und mich gut passt und ich Marcels Charakterzüge bestmöglich herausarbeiten konnte.

Wie ist deine Beziehung zum Burgenland? Hast du schon immer hier gewohnt?

Srtschin: Ich bin hier aufgewachsen und möchte auch hier bleiben. Ich habe zwar auch schon in Wien gewohnt und könnte mir das temporär auch wieder vorstellen. Außerdem bin ich viel unterwegs und habe derzeit auch oft in Deutschland zu tun. Aber das Burgenland ist einfach das Burgenland und ich bin halt ein Dorfbursche. Bei einer Fragestunde wurde ich auf der Bühne nach meiner Herkunft gefragt und ich habe gesagt: „Ich bin ein waschechter Burgenländer, ich hab das Herz am rechten Fleck und ein Mundwerk, das ich nicht kontrollieren kann.“

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Srtschin: In unmittelbarer Zukunft werde ich bei ,Eismayer‘ mitspielen, ein Film, bei dem es um einen gefürchteten Vizeleutnant beim Bundesheer geht, der sich in einen jungen Soldaten verliebt. Dieses Projekt ist für mich deshalb interessant, weil ich selbst beim Bundesheer war und die Gepflogenheiten dort kenne und auch weil die Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert.