Antisemitismus: Kehrt der Judenhass zurück?

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka warnte beim Besuch des Jüdischen Museums in Eisenstadt vor neuem und altem Antisemitismus.

Erstellt am 04. September 2020 | 05:13
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Wolfgang Sobotka, der Präsident des Österreichischen Nationalrates, und die Abgeordnete Gaby Schwarz besuchten am vergangenen Montag den Jüdischen Friedhof und das Museum in Eisenstadt (jüdischer Name: „Asch“).

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BVZ

Anlässlich des Angriffes auf die Synagoge in Graz durch einen Syrer, aber auch im mahnenden Gedenken an den Nazi-Vandalismus 1992 am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt, warnte Sobotka vor dem „alten“ und „neuen“ Antisemitismus: „Obwohl in den letzten Jahren viel getan wurde, gibt es etwa 10 Prozent manifeste Antisemiten in Österreich. Dabei kommt zum ,alten‘ Antisemitismus der Dreißigerjahre heute heute auch der ,neue‘ durch Einwanderer aus dem arabischen Raum hinzu.“ Ein allgemeines Gegenmittel gebe es leider nicht, was sich am wirksamsten erweist, sei Bildung und „jüdisches Leben als Teil des österreichischen Kulturlebens zu zeigen.“

Die Eisenstädterin Gaby Schwarz pflichtet Sobotka bei: „Es ist unsere Aufgabe, die jüdische Geschichte Eisenstadts weiterzugeben – durch Lehrpläne und Museumsbesuche.“ Sie habe besonders das internationale Treffen der „Eisenstadts“, die Nachfahren des Rabbiners Meir Eisenstadt, beeindruckt.

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li.: Wolfgang Sobotka, Johannes Reiss und Gaby Schwarz; re.: Witterung bedroht Grabsteine.
WM

Museumsdirektor Johannes Reiss führte die beiden prominenten Gäste durch den alten jüdischen Friedhof und das Jüdische Museum Eisenstadts. Er entließ die beiden nicht ohne Appell: „Die Grabsteine stehen seit 300 Jahren am Friedhof, durch den Klimawandel sind die Inschriften aber besonders angegriffen. Wenn in die Restauration dieser nicht investiert wird, wird dieses Kulturerbe in wenigen Jahren verschwunden sein.“