Arzt über eine halbe Million Euro rausgelockt: Prozess. 55-jähriger Hochstapler lebte in Luxushotels und täuschte Pipeline-Geschäfte vor. Nun stand er in Eisenstadt vor Gericht.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 17. September 2018 (12:45)
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Das Justizzentrum Eisenstadt.
Werner Müllner

In Eisenstadt ist am Montag ein mutmaßlicher Hochstapler vor Gericht gestanden. Der 55-jährige in Wien lebende Mann soll unter anderem einem deutschen Zahnarzt mehr als eine halbe Million Euro herausgelockt haben, in dem er Pipeline-Geschäfte vortäuschte. Mit dem Geld zahlte er u.a. sein Leben in Luxushotels in Wien. Der Angeklagte zeigte sich großteils geständig. Der Prozess wurde vertagt.

"Auf die Idee, ein Jahr in ein Luxushotel zu ziehen, obwohl Sie komplett mittellos sind... Wer kommt da drauf? Hatten Sie nicht Angst, dass das zerplatzt wie eine Seifenblase?", wollte Richterin und Schöffensenatsvorsitzende Birgit Falb wissen. "Für mich war es nicht angenehm", meinte der dreifach einschlägig vorbestrafte Angeklagte, dem gewerbsmäßiger schwerer Betrug, versuchte Nötigung und versuchte schwere Nötigung vorgeworfen werden.

Angefangen habe alles mit der Beziehung zur Schwester des Zahnarztes. Im Juni 2013 habe man sich kennengelernt, zu Weihnachten folgte das Zusammentreffen mit dem Bruder. Der Angeklagte habe ihm erzählt, dass er eine Aussicht auf einen Vorstandsposten habe - und zwar für eine Energiefirma, die erst gegründet werden müsse. Dabei gehe es um drei Pipeline-Projekte in Russland, sagte er. "Ich habe gesagt, meine 140 Millionen Euro sind geparkt, ich kann nicht zugreifen und habe einen finanziellen Engpass", erläuterte der 55-Jährige.

Der Zahnarzt glaubte dem Mann, der sich laut Richterin Falb offenbar sehr gut verkaufen konnte, und überwies in Summe 413.250 Euro auf das Konto der Schwester - auch nachdem die Beziehung zu Ende war. Außerdem zahlte er immense Hotelrechnungen, ein Flugticket und schickte über andere Wege Geld nach Österreich. Um seine hervorragenden Geschäftsbeziehungen zu untermauern, "habe ich einen Vorvertrag der Gazprom gemacht und ihm gezeigt", berichtete er.

Sein Leben in Luxushotels wollte der Angeklagte herunterspielen. Er habe eigentlich bescheiden gelebt: Mittags ein Menü um 15 Euro, abends zwei Leberkäsesemmeln. Die Idee mit den Pipeline-Geschäften sei ihm bei einem Energiekongress gekommen. "Da habe ich Informationen gesammelt."

Vor dem Schöffensenat wollte sich der Wiener außerdem auch als nicht besonders redegewandt verkaufen. "Tut mir leid. Ich kann mich nicht so gut ausdrücken", sagte er. Richterin Falb schenkte dem allerdings keinen Glauben: "Doch. Sie können sich sogar sehr gut ausdrücken. Nur heute vielleicht nicht." Sie meinte außerdem: "In Wahrheit ist das eine Riesenschweinerei. Sie haben zwei Jahre auf seine Kosten sehr, sehr gut gelebt."

Weiters soll der Angeklagte seiner Ex-Freundin 1.000 Euro schulden, einem Chauffeur 20.000 Euro. Auch Hotelrechnungen wurden zum Teil nicht beglichen. Den Vorwurf der Nötigung eines Hoteldirektors wies er zurück. Er habe nur gesagt, er werde sich beschweren über die Art, wie mit ihm umgegangen wird. Der Hotelchef hatte ihn auf ausständige Rechnungen hingewiesen. In einem Hotel hatte der Mann ein Jahr gewohnt - und zwar zum laut Richterin stolzen Preis von 280 Euro pro Nacht.

Aufgeflogen war der Mann, weil er nach zwei Aufenthalten in einem Hotel im südburgenländischen Stegersbach (Bezirk Güssing) von Mai bis September 2016 ebenfalls die Rechnung nicht bezahlte. Daraufhin folgte eine Anzeige und erneut eine Festnahme. In Österreich hat der Mann bereits neuneinhalb Jahre Haft verbüßen müssen - ebenfalls wegen Betrugsdelikten. Zu holen sei nichts mehr bei ihm, sagte er.

Der Prozess wurde auf 14. November vertagt. Weitere Zeugen sollen geladen und vernommen werden.