Aus Betreuung wurde echte Freundschaft

Eisenstadt: Christine half Elisabeth erst ehrenamtlich, nun sind sie sogar Freundinnen geworden.

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 04:40
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8242350_eis48wagi_nachbarschaftshile_4_jpeg.jpg
Freundschaft. Es begann mit dem ehrenamtlichen Einsatz bei der Nachbarschaftshilfe PLUS, mittlerweile sind Elfriede Nowotny (li.) und Christine Sprung (re.) unzertrennlich.
Foto: zVg

Vor sieben Jahren wurde das Projekt Nachbarschaftshilfe Plus ins Leben gerufen und bald darauf auch zu einem Erfolgsprojekt. Im Frühling 2020 wurde die Nachbarschaftshilfe erweitert. Zuvor gab es im Burgenland zwei Standorte, in Neusiedl am See und in Mattersburg. Nun wird auch in der Landeshauptstadt kostenlose Unterstützung für ältere und kranke Menschen angeboten.

Die Services reichen von Fahr- und Begleitdienst, Einkaufs- und Medikamentenservice, (Telefon-) Besuchsdienst, Spaziergehdienst, bis hin zu Kinderbetreuung. Christine Sprung aus Eisenstadt trat der Nachbarschaftshilfe direkt am Anfang, im April 2020, als ehrenamtliches Mitglied bei. Im gleichen Monat wurde sie der kranken Elfriede Nowotny zugeteilt. Und so entstand aus regelmäßigen Besuchen eine tiefe Verbundenheit.

Aus Krankenbetreuung wurde Freundschaft

Jede zweite Woche besucht Christine Sprung die 62-Jährige in ihrer Wohnung in Eisenstadt. Ihre liebste Beschäftigung: Karten spielen und tratschen. Jedes Mal, wenn Christine die Wohnung betritt, stehen bereits Karten, Tee und Gebäck auf dem Tisch und Elfriede wartet gespannt auf den neuesten Tratsch und Klatsch. Elfriede Nowotny ist aufgrund ihrer Muskelschwäche an einen Rollstuhl gebunden und auf Hilfe angewiesen.

Zu diesem Zwecke unterstützt sie eine 24-Stunden Betreuung. Doch der soziale Kontakt fehlt. Ihr Mann, mit dem sie drei Jahrzehnte verheiratet war, starb vor einigen Jahren, Kinder hat sie keine. Daher entschied sie sich an der Nachbarschaftshilfe teilzunehmen. Elfriede und Christine verstanden sich auf Anhieb blendend. „Die Zeit verfliegt geradezu, wenn wir über Gott und die Welt tratschen und dabei Karten spielen“, erzählt Christine Sprung.

Ähnliches Schicksal eint die beiden Frauen

Sie stellten auch schnell fest, dass sie eine ähnliche Vergangenheit verbindet. Denn auch Christines Mann verstarb und sie blieb allein zurück. Im Jahr 2013 entschied sie sich dann von Wien nach Eisenstadt zu ziehen.

Der Grund: „Ich sehnte mich nach etwas Ruhe und wollte mich mit der Natur verbunden fühlen.“ Kurz nach ihrem Umzug schloss sie sich einigen Vereinen an. Ihr Wunsch: Sie wollte neue Leute kennenlernen und Kontakte knüpfen. Als sie dann hörte, dass es die Nachbarschaftshilfe nun auch in Eisenstadt gebe, meldete sie sich sofort und ohne zu zögern als Freiwillige.

Christine verrät ihre Motivation als ehrenamtliche Helferin: „Wenn ich jemals auf fremde Hilfe angewiesen sein sollte, hoffe ich, dass dann auch jemand für mich da ist. Ich finde es wichtig zu geben, denn dann bekommt man auch eines Tages etwas zurück.“

Doch für Christine ist es längst nicht mehr nur eine ehrenamtliche Tätigkeit, die sie jede zweite Woche erledigt: „Wir sind mittlerweile Freundinnen. Nicht nur weil wir viel gemeinsam haben, sondern auch weil wir uns so gut ergänzen. Elfriede erzählt gerne Geschichten aus ihrer Vergangenheit und ich höre ihr liebend gerne zu.“ Die 76-jährige Pensionistin hat auch viel Bewunderung für ihre Freundin übrig. Dass Elfriede trotz ihres Schicksals ihre Lebensfreude nicht verloren habe und stets gut gelaunt sei, erstaunt Christine sehr.

Nachbarschaftshilfe will sich „verjüngen“

Gerade diese Geschichte rührt Jelena Drofenik-Premauer, die Leiterin des Standortes Eisenstadt sehr: „Das ist genau der Grund, warum ich diesen Job mache. Ich habe die Möglichkeit, mit meinen beruflichen Aufgaben Menschen jedes Alters zu erreichen und ihnen, wenn auch nur für kurze Zeit, das Leben zu erleichtern oder zumindest den Tag zu verschönern.“

Jelena ist das verbindende Glied zwischen Menschen, die gerne helfen wollen, und Menschen, die Hilfe brauchen. „Unsere Ehrenamtlichen sind uns sehr kostbar und ohne sie gäbe es dieses Projekt nicht“, weiß die Projektleiterin den Einsatz der Ehrenamtlichen zu schätzen. Derzeit gibt es in Eisenstadt 34 Freiwillige.

Diese sind aktuell eher über 40 Jahre alt. Daher würde man sich über den Zuwachs jüngerer Ehrenamtlicher sehr freuen. Doch wie Jelena so schön sagt: „Alles mit der Zeit. Wir sind mit unseren fleißigen Helfern sehr zufrieden. Dank ihnen erreichen wir unser Ziel: durch gegenseitige Hilfe den Menschen – und besonders Älteren – den Alltag zu erleichtern.“