„Blondi fehlt“: Wegen Facebook-Posting verurteilt

„Applaus“ auf Facebook für Eiernockerl-Posting zu Adolf Hitlers Geburtstag: Ex-FPÖ-Mann verurteilt.

Erstellt am 11. Dezember 2021 | 04:15
Lesezeit: 3 Min
Facebook Symbolbild
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Foto: I AM NIKOM; Shutterstock.com

Im Frühjahr 2020 hatte das Facebook-Posting eines Polizisten aus dem Bezirk Eisenstadt medial großes Aufsehen erregt. Der Mann, damals noch Mitglied der FPÖ, hatte am 20. April ein Foto von Eiernockerln hochgeladen und dieses so kommentiert: „Mittagessen heute! Eiernockerl mit grünem Salat!“

Geschworene sprachen den Polizisten für diesen Fall der Wiederbetätigung im April 2021 schuldig. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Vorige Woche musste sich ein Freund des Polizisten ebenfalls vor einem Schwurgericht in Eisenstadt verantworten.

„Klatschende Hände“ für Eiernockerl

Er hatte am 20. April 2020 das Posting seines Parteikollegen mit einem „klatschende Hände“-Emoji geliked und dazu kommentiert: „Blondi fehlt“.

„Blondi“ war, wie Insider wissen, der Name von Adolf Hitlers Lieblings-Schäferhündin. Durch Verwendung dieses „Codes“ sei das Delikt der Wiederbetätigung erfüllt, sagte die Staatsanwältin.

Angeklagter bekannte sich nicht schuldig

Der Angeklagte, seit Jahrzehnten für das Bundesministerium für Landesverteidigung tätig, bekannte sich nicht schuldig.

Er habe am 20. April 2020 am Abend „in Facebook geschaut“ und gesehen, dass sein Parteifreund „den Schwachsinn, die Eiernockerl, gepostet hat“. „Bravo!“, habe er sich gedacht, und den Kommentar „Blondi fehlt“ abgesetzt.

„Nach zehn Minuten kam ein Shitstorm über Messenger“, erinnerte sich der Angeklagte vor Gericht.

„Ich wurde als Nazi-Sau beschimpft!“

„Ich wurde als Nazi-Sau beschimpft. Da versuchte ich, den Kommentar zu löschen.“ Das sei ihm aber nicht mehr möglich gewesen.

Von der Polizei zu dem Kommentar befragt, wollte der FPÖ-Anhänger nichts dazu aussagen. Stattdessen legte er eine Sachverhaltsdarstellung vor, in der er behauptete, mit „Blondi“ sei das am Eiernockerl-Foto fehlende Bier gemeint gewesen.

Bei dieser Darstellung blieb der Angeklagte vorige Woche vor Gericht nicht mehr. Diesmal lautete seine Verteidigungsstrategie, dass er seinen Kommentar „ironisch und sarkastisch“ gemeint habe.

Er habe gewusst, gab er zu, dass Eiernockerl die kolportierte Lieblingsspeise von Adolf Hitler waren und dessen Hündin „Blondi“ hieß.

Angeklagter vorläufig vom Dienst suspendiert

„Ich bereue es zutiefst“, sagte der mittlerweile vorläufig vom Dienst suspendierte Angeklagte. „Ich kränke mich, kann seit 20 Monaten nicht mehr schlafen, auch meine Frau nicht. Wir sind fertig mit der Welt.“

Am Tag nach dem Eiernockerl-Posting und seinem Kommentar habe ihn der FPÖ-Ortsparteiobmann angerufen und ihm den Parteiaustritt nahegelegt.

Dieser Aufforderung sei er, so der Angeklagte, freiwillig nachgekommen. Auch legte er seine Funktion als Ersatzgemeinderat zurück.

Ein Vertreter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung berichtete, dass man bei dem Angeklagten außer dem Facebook-Kommentar keine Hinweise auf eine Zugehörigkeit zur Neonazi-Szene gefunden habe.

Sein Mandant besitze einen „untadeligen Ruf“, brachte Verteidiger Dieter Gschiel für den Angeklagten vor.

Die Äußerung auf Facebook sei „unbedacht und ironisch“ gewesen, etwas, was „jedem von uns passieren kann“.

„Ich habe mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun“, bat der Angeklagte um einen Freispruch.

Die Geschworenen sprachen den Mann jedoch schuldig. Er wurde zu einer Kombinationsstrafe aus bedingter Haftstrafe und unbedingter Geldstrafe verurteilt, die dem Ausmaß von zwölf Monaten Freiheitsstrafe entspricht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Zweiter Verfasser eines „Eiernockerl“-Postings

Vorige Woche hatte noch ein weiterer Schwurgerichtsprozess wegen Wiederbetätigung stattgefunden.

Ein 54-jähriger Südburgenländer war angeklagt worden, weil er - wie der Polizist aus dem Bezirk Eisenstadt - am 20. April 2020 auf Facebook ein Foto von Eiernockerln mit grünem Salat veröffentlicht und dieses kommentiert hatte: „Heute wieder x Geburtstagsmenü“.

Er habe sich „nichts dabei gedacht“, sagte der Angeklagte.

Die Geschworenen sprachen ihn einstimmig schuldig. Der Südburgenländer hat somit ein Verbrechen nach dem Verbotsgesetz begangen und wurde zu einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 2700 Euro verurteilt.

Das Urteil ist rechtskräftig.