Bücher von KZ-Überlebendem jetzt in Jüdischem Museum. 9.000 Bücher hat Professor Rudolf Gelbard hinterlassen. Die Bibliothek des KZ-Überlebenden steht nun in Eisenstadt.

Von Markus Kaiser. Erstellt am 26. September 2019 (05:42)
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Eröffnungsfeier. Die gesamte Spitze der Jüdischen Gemeinde kam nach Eisenstadt zur Einweihung der Professor-Gelbard-Bibliothek.
zVg OJM

Im Rahmen des Europäischen Tages des Judentums wurde die „Professor Rudolf-Gelbard-Bibliothek“ im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt eröffnet. Direktor Johannes Reiss erklärte bei einem Gespräch der BVZ die Bedeutungsschwere und Geschichte der Bibliothek und ihres Namenspatrons. Für das Jüdische Museum sei es eine große Ehre, die 9.000 Bände umfassende Fachbibliothek Gelbards in seinen Räumen präsentieren zu dürfen, so Reiss. Viel Ehre und auch nicht wenig Arbeit, lässt er den berühmten jüdischen Humor aufblitzen: „13 Tonnen Bücher haben wir in zwei Wochen geschleppt!“

Gelbard wurde 1930 in Wien geboren und als Kind mit seinen jüdischen Eltern 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Als eines der wenigen Kinder überlebte er die Internierung in Theresienstadt und setzte sich seit seiner Befreiung als Mitglied der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer für die Aufklärung über die NS-Verbrechen ein. Rudolf Gelbard starb am 24. Oktober 2018. Sein Leben wurde mit dem Titel „Der Mann auf dem Balkon“ 2008 verfilmt.

Bei der Veranstaltung war fast die gesamte Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde anwesend: Präsident Oskar Deutsch, Vizepräsidentin Claudia Prutscher, die Generalsekretäre Raimund Fastenbauer und (neu im Amt) Benjamin Nägele sowie Ariel Muzicant. Weiters: Oberkantor Shmuel Barzilai, die Gelbards Witwe Inge mit Familie sowie über 160 Interessierte aus Wien und dem Burgenland.

Nach der feierlichen Eröffnung fand ein „IKG.Kultur“-Event statt: Katharina Stemberger las aus dem für das Burgenland und Eisenstadt so wichtigen Romanfragment Franz Werfels „Cella oder die Überwinder“. Am Klavier begleitete Eva Varhaníková. Unter den Rednern waren Oskar Deutsch sowie Bürgermeister Thomas Steiner, dessen Redebeitrag viel Anerkennung fand.