Dessous-Diebstahl: Angeklagter streitet Beteiligung ab. Komplize (43) bereits zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 07. Juni 2019 (14:12)
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Auf teure Bekleidung soll sich eine polnische Einbrecherbande spezialisiert haben. In der Nacht von 23. auf 24. Mai 2017 schlugen die Täter in der Eisenstädter Fußgängerzone zu: Übers Dachgeschoß und die Buchhandlung Nentwich gelangten sie in den Palmers Shop und nahmen Unterwäsche im Wert von 132.000 und 1500 Bargeld mit.

Am Rückweg packten sie in der Buchhandlung auch noch teures Schreibgerät und Schreibtischunterlagen im Wert von 38.000 Euro und 785 Euro Bargeld ein.

Das Diebsgut transportierten sie mit einem zuvor in Wien gestohlenem LKW ab.

Von einem Täter wurde damals am Tatort genetisches Material gefunden. Der Spurenverursacher, ein heute 43-jähriger Mann, wurde in Polen ausgeforscht und im April 2018 am Landesgericht Eisenstadt zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Zwischenzeitlich wurde er jedoch wieder nach Polen überstellt.

Von Mittäter schwer belastet

Bei seinem Prozess hatte der 43-Jährige jenen Landsmann, der sich am Freitag, 7. Juni 2019 vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Daniela Berger verantworten musste, massiv belastet.

Zunächst hatte ihn der 43-Jährige nur als „Chef“ bezeichnet, später nannte er den vollen Namen.

Die polnischen Behörden wurden aktiv und führten in jenen Wohnungen und Häusern, die der „Chef“ benutzte, Hausdurchsuchungen durch. Sie wurden fündig.

Kleidung mit Preisschildern gefunden

Sichergestellt wurden enorme Mengen an Kleidungsstücken hochpreisiger Marken, überwiegend hingen noch die Preisschilder dran. Auch Schreibutensilien und Parfums fand man. Im obersten Stockwerk des Hauses des nunmehr Angeklagten war ein Raum offensichtlich als Schau- und Verkaufsraum eingerichtet worden.

Dort befand sich Diebsgut aus Eisenstadt und von einem weiteren Einbruchsdiebstahl, der in der Nacht von 27. auf 28. Juni 2017 in Wien begangen worden war, wo die Täter in einer Triumph-Filiale Bekleidung im Wert von 68.102 Euro erbeutet hatten.

Mitte Oktober 2018 wurde der 48-jährige angebliche „Chef“ der Bande in seiner Heimat festgenommen, seit 29. Oktober befindet er sich in Österreich in Untersuchungshaft.

Vor Gericht bestritt er, an den Straftaten in Eisenstadt und Wien beteiligt gewesen zu sein. Wohl habe er mit dem bereits verurteilten Mann früher in Deutschland Einbruchsdiebstähle begangen, nicht jedoch in Österreich.

Das bei ihm gefundene Diebsgut habe der Komplize vorbeigebracht, der bei ihm Schulden gehabt habe.

Komplize bereits wieder in Polen

Richterin Daniela Berger will nun den 43-jährigen Mittäter und Belastungszeugen neuerlich einvernehmen. Sie fragte den 48-jährigen Angeklagten, wo dieser Mann nun wohne. „Soviel ich weiß, ist er in einem psychiatrischen Krankenhaus“, antwortete der Angeklagte.

Da gegen den 43-Jährigen ein zehnjähriges Aufenthaltsverbot für Österreich verhängt wurde, muss die Einvernahme per Videokonferenz erfolgen.

„Wichtig wird sein, dass man ihn ausfindig macht“, sagte die Richterin und vertagte den Prozess auf unbestimmte Zeit.