Eklat am Sarg: Attacke auf Geliebte. Doppelleben flog auf: Familie ging bei Trauerfeier in Eisenstadt auf Geliebte des Verstorbenen los. Drei Angehörige wegen körperlicher Übergriffe vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 27. Mai 2021 (10:50)
Unter den Trauergästen war auch die langjährige Geliebte des Verstorbenen.
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Anfang Jänner 2021 war ein gebürtiger Kroate, der vor vielen Jahren nach Österreich übersiedelt war, verstorben. Die Begräbnisfeier für den Toten fand am 8. Jänner auf einem Friedhof in einem der Eisenstädter Stadtteile statt und verlief nicht so würdevoll, wie man das von Anlässen dieser Art gewohnt ist.

Neben der trauernden Familie schluchzte nämlich eine 55-jährige Frau herzzerreißend am Sarg des Verstorbenen, die man vor nicht allzu langer Zeit als „Pflegerin“ des erkrankten Mannes kennengelernt hatte.

Dass die Frau mit dem Verstorbenen mehr verbunden hatte, war offensichtlich.

Der in seinem Heimatland verheiratete Kroate war zunächst ohne seine Familie nach Österreich gekommen und hatte hier eine neue Beziehung begonnen. Jahrelang führte er ein Doppelleben.

Freunde wussten nichts von Familie in Kroatien

Seine Freunde in Österreich wussten gar nichts von der Ehefrau, der Tochter und den Enkelkindern in Kroatien.

Erst vor fünf Jahren kam die Familie nach. Die Geliebte musste in die zweite Reihe zurücktreten.

Als der Familienvater voriges Jahr ins Spital kam, besuchte ihn die Geliebte dort. Dann wurde der kranke Mann jedoch zu Hause weiter gepflegt und konnte keinen Kontakt mehr zu seiner Freundin habe.

Daraufhin stellte sich die Geliebte unter falschem Namen bei der Familie vor, behauptete, mit dem Erkrankten befreundet zu sein und bot ihre Dienste als Pflegerin an.

Geliebte trat vor Familie als Pflegerin auf

Dieses Angebot nahm die ahnungslose Familie an.

Im Dezember 2020 flog die heimliche Liebschaft jedoch auf und die 55-Jährige wurde des Hauses verwiesen. Anfang Jänner verstarb der Kroate.

Bei der Begräbnisfeier am 8. Jänner 2021 kam es dann zum Eklat.

Die 46-jährige Tochter des Verstorbenen, deren 19-jährige Tochter und der 21-jährige Sohn waren wenig erfreut über die Anwesenheit der Geliebten.

Sie gingen auf die Frau los, rissen sie an den Haaren, schlugen auf ihren Kopf ein und stießen sie. Unschöne Worte fielen.

Der Frau wurde gedroht, „es werde ihr etwas passieren!“ und es werde eine „zweite Beerdigung geben“.

Sie erstattete Anzeige. Die Tochter des Verstorbenen und ihre Kinder mussten sich vorige Woche vor Gericht verantworten. Sie wurden wegen Körperverletzung, gefährlicher Drohung und Störung einer Bestattungsfeier angeklagt.

Das Opfer habe „bitterlich“ geweint, das sei ihren Mandanten „zu viel“ gewesen, erklärte die Verteidigerin.

Die „Geliebte“ behauptete, sie habe nach dem Vorfall „monatelang“ Schmerzen gehabt, man habe sie „umbringen wollen“.

Das Gericht ging schließlich davon aus, dass die drei Angeklagten versucht hatten, die Frau mit Gewalt aus der Leichenhalle zu bringen.

Da die Tochter des Verstorbenen und ihre Kinder die Verantwortung für ihr Verhalten übernahmen, kamen sie in den Genuss einer Diversion. Das Verfahren wurde auf eine Probezeit eingestellt.