Gastro-Legende in Pension. Mario Tayari und seine Frau Edith-Sara blicken auf 40 Jahre Gastronomie zurück. Nach vielen Stationen wartet nun der Ruhestand in Österreich und in Tunesien.

Von Markus Kaiser. Erstellt am 20. Mai 2021 (00:10)

Die Corona-Pandemie hat kaum eine Branche so stark verändert, wie die Gastronomie. Kaum jemand verkörpert diese Veränderung wie Mario Tayari.

1955 nahe des berühmten tunesischen Badeorts Hammamet geboren, wuchs Tayari in der elterlichen Landwirtschaft auf. Er entschied sich für eine Gastrofachschule, diese Ausbildung sollte ihn über Libyen, Frankreich, die Schweiz und Slowenien schließlich nach Österreich bringen. Im Mai 1981 heuerte er im Café Grotte in Graz und dann im Schlossbergrestaurant an. Sein Chef war der Forchtensteiner Gastronom Erich Wegscheidler. Der erkannte sein Talent und schickte Tayari ins Burgenland ins elterliche Restaurant. Gleich in seiner ersten Saison lernte er Edith-Sara kennen, 1987 heirateten die beiden. „Er ist mir durch seine einzigartige Kombination aus tunesischer Gastfreundschaft, steirischer Tracht und österreichischem Dialekt gleich aufgefallen“, muss sie bis heute schmunzeln, wenn sie daran zurückdenkt.

Die nächsten gastronomischen Stationen der Tayaris lesen sich wie ein Branchen-Buch aus einer leider schon vergangenen Zeit: Da war das damalige Gasthaus Fischl in Großhöflein, das später die Zeche werden sollte. Oder die Ankunft in Eisenstadt, wo man von Mai 1988 bis Mai 1995 das ehemalige Gasthaus Wimmer auf der Esterhazy-Straße als Pizzeria übernahm (heute ein Tatoo-Studio).

Nach einer Auszeit folgte 1997 – auch wieder im Mai – der nächste Karriereschritt: Tayari übernahm das „George & the Dragon“ in der Nähe des Landhauses und führte es auch als Pizzeria, bis ihn sein nächster Ruf ereilte: In der Flüchtlingskrise ab 2015 engagierte er sich als sachkundiger Dolmetscher. „Arabisch, Französisch, Englisch – das war alles kein Problem für ihn“, erzählt seine Frau.

2019 trat Weinritter-Konsul Alfred Tombor an ihn heran, er möge doch das frei gewordene Café Central übernehmen. Da Tayari noch zwei Jahre zur Pension übrig hatte, sagte er zu. Die Wirtschaftskammer zeichnete ihn noch im gleichen Jahr für seinen 40-jährigen Einsatz in der Gastronomie aus.

Die Gastronomie habe sich in den letzten Jahren verändert, bedauert Tayari. Rauchverbote, Allergenverordnung, HCCP, Registrierkassa und nun auch Corona: „Das Lustige und Gesellige ist immer mehr verschwunden“, jammerte er seiner Frau oft vor.

Er genießt nun seine wohlverdiente Pension, diese will er in Österreich und bei seinen Wurzeln in Tunesien im landwirtschaftlichen Bereich verbringen.