Genet Glass tanzt durch die Welt

Genet Glass ist wahrscheinlich die zielstrebigste 17-Jährige im ganzen Bezirk. Die Neufelderin ist Junioren-Vizeweltmeisterin im Tanz und spielte nun in einem Video ihre Heldin.

Markus Kaiser
Markus Kaiser Erstellt am 19. März 2021 | 04:55
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Foto: Denise Jandl

Die globale Pandemie hat vielen Kindern ihren normalen Schul-Alltag genommen. Der von Genet Glass aber war wohl nie das, was man so als normal bezeichnet. Mit vier Jahren fing die Neufelderin mit Ballett an, seither tanzt sie durchs Leben. Was so leicht klingt, ist hartes Training und von diesem hat sie gleich zwei bis drei Mal pro Woche. Die Mühe hat sich bezahlt gemacht: 2016 wurde die damals erst 12-Jährige Junioren-Vizeweltmeisterin im Urban Dance.

„Bei HipHop kann ich mich einfach besser ausdrücken“, erklärt Genet im Gespräch mit der BVZ, wieso sie vom klassischen Ballett zum ganz und gar nicht klassischen Urban Dance gewechselt hat. Aber Genet tanzt – schon wieder etwas klassischer – zu Jazz und Tango. Tango? „Ja, das liegt in der Familie“, lacht Genet. Ihre Mutter, die das äthiopische Mädchen adoptiert hat, war selber Tänzerin, die Liebe zum Tango Argentino hat sie an die Tochter weitergegeben. Sogar Tango-Kurse hat Genet besucht.

Jetzt aber konzentriert sie sich ganz auf Urban Dance. Nach einigen Jahren bei den weltweit berühmten Eisenstädter UET Dancers, besucht Genet viermal wöchentlich eine spezialisierte Tanzschule in Wien.

Das klingt nach viel Arbeit für die Eltern, aber Genet ist nicht nur besonders zielstrebig, sondern auch besonders selbstständig: Sie fährt mit dem Zug vom kleinen Neufeld in die große Stadt nach Wien. Nur abholen müssen sie ihre Eltern noch manchmal, etwa, wenn sie länger tanzt als die Züge fahren.

Von Neufeld ins Fernsehen getanzt

Über die Wiener Tanzschule ist Genet auch zum Film gekommen: Die Wiener Film-Produktionsfirma „R&“ wurde auf sie aufmerksam und bot ihr eine Rolle in ihrem Kurzfilm zum Weltfrauentag am 8. März an (die BVZ hatte berichtet).

„Das war harte Arbeit, wir haben zwei volle Tage gedreht“, erinnert sich Genet, die eine der Jüngsten am Set war.

Im Film, der Mädchen Mut machen möchte, starken weiblichen Vorbildern nachzueifern, spielt Genet die junge Misty Copeland. Die wohl berühmteste Afro-Amerikanische Ballett-Tänzerin und Prima Ballerina des American Ballet Theaters ist nicht nur Tänzerin: Sie setzt sich für die Rechte von Frauen und Minderheiten ein. Das reicht von Ballettschuhen, die braun statt rosa („Hautfarbe“) sind, und geht bis zur aktiven wie gefährlichen Unterstützung der schwarzen Bürgerrechts-Kampagne Black Lives Matter.

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Denise Jandl

Was Genet an Misty Copeland am meisten beeindruckt: „Sie hat erst mit 13 zu tanzen begonnen, also eigentlich viel zu spät für eine Karriere an der Weltspitze. Aber sie hat immer weitergemacht und nie aufgehört. Das ist schon sehr bewundernswert.“ Und deshalb will auch Genet nicht aufhören zu tanzen.

Ziel: Bis an die Linzer Uni tanzen

Sie will im nächsten Schuljahr im Gymnasium der Diözese Eisenstadt maturieren, danach wird weitergetanzt. „An der Anton Bruckner-Universität Linz gibt es einen Lehrgang für Urban Dance Styles. Den würde ich sehr gerne machen und danach Tänzerin und Tanztrainerin werden. So eine Ausbildung gibt es nirgendwo anders“, hat Genet für einen Teenager überraschend konkrete Pläne.

Aber fürchtet sich so ein zierliches Mädchen nicht vor der Idee, vom kleinen Neufeld alleine ins große Linz zu gehen und dort einer weltbekannten Jury vorzutanzen? Nein, Genet ist da ganz Profi: „Da ich schon sehr oft auf der Bühne gestanden bin, ist diese Erfahrung natürlich eine große Hilfe, trotzdem bin ich leicht aufgeregt, aber kann es kaum mehr erwarten.“

Zusätzlich zu dem Studium in Linz will Genet sich ihrer zweiten Leidenschaft widmen, der Literatur. „Dann würde ich gerne Literaturwissenschaft studieren“, schwärmt sie. Ihr Lieblingsbuch „One of Us Is Lying“ von Karen McManus könnte der Krimi-Fan „tausendmal lesen“.

Bei so viel Talent und Zielstrebigkeit wird dieser Artikel sicherlich nicht der letzte über Genet in der BVZ sein.