Pfleger von Corona-Station: „Belastung ist spürbar“. Ein Pfleger berichtet über die kritische Situation auf der Corona-Station und bittet darum, die Corona-Maßnahmen einzuhalten.

Von Markus Kaiser. Erstellt am 26. November 2020 (04:23)
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Situationsbericht aus der Corona-Intensiv-Station. Stationsleiter DGKP Daniel Schnedl und Dr. Vivien Müller in voller Schutzkleidung.
zVg BB

Die BVZ sprach mit Diplomkrankenpfleger Daniel Schnedl über die Arbeitsbelastung der Corona-Helden. Der 40-jährige St. Georgener arbeitet seit 2004 im Pflegebereich der Barmherzigen Brüder Eisenstadt, seit 2019 ist er Stationsleiter der intensivmedizinischen Überwachungsstation IMCU2.

BVZ: Was ist der Unterschied zwischen 1. Welle und 2. Welle?

Daniel Schnedl: Heute wissen wir: Die erste Welle hat uns nur gestreift. Nach anfänglicher Unsicherheit ist diese dann doch kontrolliert abgelaufen. In der jetzigen 2. Welle stellt es sich für uns weit anders dar. Die im Frühjahr verschobenen Eingriffe wurden im Sommer nachgeholt, somit hatten wir da schon eine hohe Auslastung. Die 2. Welle kam früher als erwartet. Wir sind quasi mit Vollgas in die 2. Welle gerutscht. Es gab kaum Zeit zu verschnaufen.

Wie ist derzeit der Arbeitsablauf?

Schnedl: Es läuft gut – das geht nur dank der großen Einsatzbereitschaft des Teams. Die Mehrbelastung ist bei allen deutlich spürbar. Inzwischen erhalten wir Unterstützung von Mitarbeitern aus Bereichen, wo der Betrieb „heruntergefahren“ wurde.

Was ist anders gegenüber dem „Normalbetrieb“?

Schnedl: In der Intensivstation, ist die Arbeit schon im „Normalbetrieb“ herausfordernd. Im „Corona-Modus“ ist sie physisch wie psychisch um ein Vielfaches schwieriger. Covid-Intensivpatienten sind in der Atmung eingeschränkt, klagen über Atemnot und haben oft das Gefühl zu ersticken – sie haben Angst. Im Normalbetrieb würde man sofort zum Patienten gehen, beruhigen und die Beatmungsmaschine adaptieren. Bei einer Covid19-Isolierung muss vor jedem Handgriff am Patienten ein aufwendiger Schleusungsprozess erfolgen, der einige Zeit dauert. Der dabei entstehende Zeitdruck belastet uns. Außerdem sind die Patienten bewegungseingeschränkt, das erhöht den Pflegeaufwand noch mehr. Wir sind nach zwei, drei Stunden im „Covid- Zimmer“ durchgeschwitzt und völlig erschöpft.

Wie hoch ist die psychische Belastung? Wie geht man damit um?

Schnedl: Viele der Mitarbeiter haben Familien mit älteren Angehörigen, Vorerkrankten oder kleinen Kindern. Trotz der Schutzmaßnahmen schwebt immer die Angst mit, den Virus nach Hause zu tragen. Meine Mitarbeiter können sich aber jederzeit an mich wenden, Kraft und Energie geben wir uns in dieser Zeit auch gegenseitig, das macht unser Team so besonders. Jeder Mitarbeiter hat auch die Möglichkeit sich jederzeit an die Arbeitspsychologin zu wenden.

Gibt es derzeit auch „schöne“ Aspekte Ihrer Arbeit?

Schnedl: Ein schönes, bereicherndes Erlebnis ist der kollegiale Zusammenhalt. Die Einsatzbereitschaft und der Zusammenhalt in unserem Team haben mich persönlich sehr beeindruckt. Ich bin stolz mit derart tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Danke!

Gibt es sonst noch eine Botschaft die Sie senden wollen?

Schnedl: Es war nach der 1. Welle sehr schön zu beobachten, wie die bislang als selbstverständlich angenommene Pflege plötzlich ins Rampenlicht geholt und beklatscht wurde. Aber: Es ist JETZT an der Zeit, dass uns jeder persönlich unterstützt: Bleiben Sie daheim, halten Sie Abstand und bleiben Sie gesund. Zusammen schaffen wir es, diese Situation zu meistern. Vielleicht ist gerade dieser besondere Advent die Möglichkeit, uns aufs Wesentliche zu besinnen und in aller Ruhe ein schönes Weihnachtsfest zu feiern.