Projekt geplatzt: Disput um Kino-Aus

Stadt und Kinobetreiber geben Anrainerwiderstand als Grund für Ende des Kino-Deals an. Opposition gibt Gemeinde Schuld.

Nina Sorger
Nina Sorger Erstellt am 25. Juli 2018 | 05:36
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Fordern Rückabwicklung. Anja Haider-Wallner und Géza Molnár.
Foto: BVZ

Lange herrschte Unklarheit über das Kinoprojekt auf der Osterwiese, nun ist fix: Es wird kein Kino gebaut.

Eisenstadt Disput um Kino-Aus
Links: Im Juni 2016 präsentierten Bürgermeister Thomas Steiner, Mario Hueber und Anton Wagner das Kinoprojekt. Rechts: Keine Baustelle. Der obere Teil der Osterwiese sollte der Standort für das Kino werden. Fotos: Sorger/Müllner
Sorger/Müllner

Gescheitert sei es laut Stadtgemeinde am Widerstand: „Mir tut es leid, dass wir diese wahrscheinlich einmalige Chance für ein Kino in Eisenstadt nicht nützen konnten. Aber wir können uns nichts vorwerfen, wir haben seitens der Stadt alle Voraussetzungen geschaffen“, so Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP). Allerdings: „Auch, wenn die behördlichen Verfahren positiv geendet hätten, hätten die Betreiber mit laufenden Anfeindungen und Anzeigen rechnen müssen.“

Dies bestätigt Mario Hueber, Geschäftsführer des Kinobetreibers Hollywood Megaplex, der das Kino errichten wollte: „Das Entgegenkommen der Stadt war wirklich großartig, aber so einen Gegenwind von Anrainern hatten wir noch nie. Wir haben viel versucht, aber wir wollen uns nicht mit ständigem Widerstand auseinandersetzen.“

Seit März sei klar gewesen, dass es dieser Standort nicht werde, so Hueber weiter: „Von da ab hat die Stadt nach Alternativstandorten gesucht. Allerdings beruhte unser Kinokonzept genau auf der Lage in der Innenstadt, daher kam für uns ein Standort am Stadtrand nicht in Frage.“ Steiner stellte klar, die Stadt werde „jeden Investor unterstützen, der ein Kino-Projekt in der Stadt umsetzen“ wolle.

Opposition fordert eine Einbindung der Bürger

FPÖ-Gemeinderat Géza Molnár und Grün-Gemeinderätin Anja Haider-Wallner halten fest: „Steiner hat im Frühsommer 2016 einen Alleingang gewagt: ohne Einbindung der Parteien, ohne die Einbindung der Anrainer, ohne Einbindung der eigenen Fachabteilungen im Rathaus. Das Kino-Projekt war ganz offensichtlich miserabel vorbereitet und begleitet.“ Sie fordern die Rückabwicklung des Baurechtsvertrages mit dem Immobilienentwickler Anton Wagner, der das Kino errichten sollte.

Da kürzlich der untere Teil der Osterwiese in Bauland umgewidmet wurde, befürchten FPÖ und Grüne hier ein Bauprojekt (die BVZ berichtete) und verlangen ein Moratorium für die gesamte Osterwiese: „Von Alleingängen und Schnellschüssen sollten wir jetzt genug haben. Der Planungsprozess für die Osterwiese muss insgesamt zurück an den Start.“

SPÖ-Vizebürgermeister Günter Kovacs: „Ich unterstelle jetzt jedem einmal, dass er sich bemüht hat. Es ist nhalt nichts geworden. Die Wünsche der Anrainer sind aber zu berücksichtigen. Das Ziel muss weiter sein, ein Kino für Eisenstadt zu bekommen und vielleicht einen Alternativstandort zu suchen. Ich will den konstruktiven Weg der letzten Monate weiterführen und hier vielleicht eine Brücke zum Land schlagen.“

Bezüglich des Baurechtsvertrages wird seitens der Stadtgemeinde klargestellt: „So wie im Baurechtsvertrag festgehalten, wird der Vertrag nun rückabgewickelt, da kein Kino gebaut wird. Das Grundstück steht wieder in der vollen Verfügung der Stadt.“ Seitens der Anrainer, die sich gegen das Kino aussprachen, war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.