Maturant Philipp Kaiser auf Spurensuche. Philipp Kaiser erhielt für seine Arbeit über Gedenkstätten in Siegendorf den „Young-Science-Preis“ des Landes. Das Thema bewegt nun auch seine Heimatgemeinde.

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 26. Oktober 2019 (05:17)
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Bei der Preisverleihung. Philipp Kaiser mit seiner vorwissenschaftlichen Arbeit und seinem Betreuer, Professor Harald Straßl vom Gymnasium der Diözese Eisenstadt.
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„Geschichte kann man am besten dort vermitteln, wo es den eigenen Lebensbereich betrifft“, ist für den angehenden Studenten Philipp Kaiser eines der Leitmotive seiner Arbeit. Und dafür wurde er nun mit dem „Young-Science-Award“ im Zuge der Wissenschaftspreise des Landes ausgezeichnet.

Die Jury überzeugte Philipp Kaiser mit der vorwissenschaftlichen Arbeit, die er für die Matura am Gymnasium der Diözese Eisenstadt verfasst hatte – Thema: „Kultur- und Erinnerungsstätten um Siegendorf“.

Mehr als zwei Jahre arbeitete Kaiser unter Betreuung seines Professors Harald Straßl an dem Werk. „Ich habe nicht nur viel Zeit im Landesarchiv verbracht, sondern auch Gespräche mit Zeitzeugen geführt, was besonders bewegend war“, erzählt er.

120 Seiten geschrieben

Mit seiner Spurensuche hinterlässt der junge Siegendorfer nun selbst Spuren: Die Gemeinde nimmt Erkenntnisse der vorwissenschaftlichen Arbeit zum Anlass, einen nahezu vergessenen Platz neu zu erschließen. Dabei handelt es sich um einen Gedenkstein, der vermutlich von russischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg für jüdische Zwangsarbeiter aufgestellt worden war.

Im Zuge der Errichtung von Wanderwegen wird der Platz bald revitalisiert und mit einer Infotafel versehen. Veranstaltungen sind ebenso in Planung. „Mir war es von Anfang an wichtig, Bewusstsein zu schaffen und so freut es mich besonders, dass aus der Arbeit etwas Bleibendes wächst“, sagt Philipp Kaiser.

Und so soll auch das Ergebnis seiner Recherchen ein bleibendes sein; eine Publikation ist nicht ausgeschlossen: „Ich habe ja 120 Seiten geschrieben, die ich für die vorwissenschaftliche Arbeit auf 40 Seiten kürzen musste.“ Ambitioniert geht Kaiser, der derzeit seinen Zivildienst bei den Kinderfreunden absolviert, auch an seine Zukunft heran: Bald startet er sein Studium der Rechtswissenschaften und – wie könnte es anders sein – auch in Geschichte.