Steuerberater Jörg Kocsis: „Man braucht Hausverstand“

Erstellt am 02. Februar 2022 | 03:00
Lesezeit: 3 Min
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Vintage. Jörg Kocsis setzt nach wie vor auf die Rechenmaschine.
Foto: Kaiser
Wie kommt ein Unternehmen durch die Corona-Krise? Jörg Kocsis, neuer Partner bei der größten nordburgenländischen Steuerberatungskanzlei EWT, verrät wie – und wie es nach Corona weitergeht.
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Die jüngst erschienene Insolvenz-Statistik des KSV1870 weist eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr auf: Wurden 2020 in Eisenstadt noch zwei Unternehmen zahlungsunfähig, waren es 2021 schon vier. Im Bezirk blieb die Zahl konstant bei 15 Insolvenzen. Das „neue Normal“ für unsere regionale Wirtschaftstreibenden? Einer, der es wissen muss, ist Jörg Kocsis.

Er ist seit zehn Jahren bei EWT, einer der größten norburgenländischen Steuerberatungskanzleien, tätig, seit dem Vorjahr sogar als Partner. „Ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg war sicherlich das Halten der wichtigsten Mitarbeiter, auch während der Lockdowns. Sind die einmal weg, kommen sie sehr selten wieder, sondern suchen sich eher gleich was Neues“, verrät der gebürtige Neufelder. Außerdem würden die Mitarbeiter auch besonders zu schätzen wissen, wenn sie während schwieriger Zeiten im Unternehmen gehalten werden.

Lieferengpässe und Nachwuchssorgen

Kundenseitig ist wichtig, dass man auch während eines Lockdowns im Bewusstsein präsent bleibt, etwa im Gastgewerbe durch neue Angebote wie Take Away. Die wichtigste Ressource in Pandemiezeiten ist und bleibt für den Experten – der gute, alte Hausverstand. Derzeit kommen aber ganz neue Probleme auf die kleinstrukturierten Unternehmen des Großraumes Eisenstadt zu. Da wären einerseits eventuelle Stundungen im Rahmen der Corona-Maßnahmen. Aufgeschobene Zahlungen müssen bald wieder geleistet werden.

Dazu kommt der Lieferengpass, der Technik-Unternehmen und der Baubranche derzeit die Gewinnmargen auffrisst. Und dann wäre da noch die Human Ressources-Sache. Guter Nachwuchs ist derzeit schwer zu bekommen. „Der Kampf um die besten Köpfe ist härter geworden“, weiß auch Kocsis. Firmenleiter können entweder höhere Löhne zahlen, oder auf Ausbildung setzen. In der eigenen Branche, der Steuerberatung, wird Aus- und Weiterbildung groß geschrieben, 40 Stunden jährlich auf einer eigenen Akademie absolviert Kocsis und sein Team jährlich.

„Man braucht nicht glauben, dass man von der Uni kommt und dann gleich alles weiß“, betont Kocsis die Bedeutung der Weiterbildung. Und die Arbeit geht auch nicht aus. Durch neue Corona-Verordnungen ist ein steuerrechtlicher Wildwuchs entstanden, den Kocsis für seine Kunden ordnen muss: „Allein diese Bestimmungen umfassen mehrere 1.000 Seiten.“

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