Historische Ansichten: Das Kloster der Franziskaner

Die Franziskanerkirche, heute „Rektoratskirche St. Michael“, wurde im Jahr 1386 unter Erzbischof Kanizsai errichtet.

Erstellt am 29. April 2020 | 18:18
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Damals. Die Franziskanerkirche im Jahr 1922. Vor etwa einem Jahr, als der letzte Franziskanerpater ins Altersheim kam, wurde sie in „Rektoratskirche St. Michael“ umbenannt.
Foto: BVZ

Am heutigen Standort der Kirche in der Haydngasse befand sich seit 1386, als die Kanizsai das Mauerrecht für Eisenstadt erhielten, ein von Erzbischof Johann Kanizsai gegründetes Kloster mit der Kirche zum heiligen Evangelisten Johannes. Die Kirche gehörte zur ungarischen Provinz der Franziskaner, für die im Mittelalter die Bezeichnung Minoriten gebräuchlich war.

Die Kirche entsprach in ihrem Grundriß der heutigen Klosterkirche, hatte aber keinen Turm, sondern nur einen Dachreiter. 1529 wurde Kirche und Kloster im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung zerstört, nach anderen Quellen von den Franziskanern durch Flucht vor den Türken aufgegeben.

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Graf Nikolaus Esterházy stiftete nach der siegreichen Schlacht von Lackenbach 1625 ein Franziskanerkloster und ließ es unter Verwendung der noch vorhandenen Bauteile in barockem Stil wieder aufbauen. 1630 wurde die Kirche zu Ehren des Erzengels Michael geweiht und dem bereits 1625 gegründeten Franziskanerkonvent übergeben. Kirche und Kloster brannten 1768 bei einem verheerenden Stadtbrand vollständig ab und wurden bis 1772 mit Unterstützung durch Fürst Nikolaus I. Esterházy vollständig wiederhergestellt. Nach einem neuerlichen Brand wurde 1777/78 der Westturm der Kirche auf Kosten des Fürsten erbaut.

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„Frag die BVZ“. Viele Leser fragten, was derzeit im Schlosspark hinter dem Franziskanerkloster gebaut wird? Die Antwort: Die Fernwärme legt hier Leitungen.
zVg

Das Kircheninnere wird von den frühbarocken Stuckaltären aus der Zeit um 1630 geprägt. Der Hochaltar mit der zentralen Darstellung des hl. Michael weist im Sockel Opfergangsportale auf und wird an den Triumphbogenwänden von zwei Seitenaltären flankiert. Alle drei Altäre wurden von oberitalienischen Künstlern in Stuckreliefs nach flämischem Muster geschaffen.

1770 wurde von Stephan Dorfmeister das Refektorium mit Ölgemälden und Fresken geschmückt, unter anderem mit Darstellungen des letzten Abendmahls sowie des Heiligen Antonius von Padua und des Heiligen Franziskus. Die barocken Altarvorbauten, die aus der Kirche des durch Josef II. im Jahre 1783 aufgehobenen Augustinerinnenklosters stammten, wurden entfernt und der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. 1898 erfolgte eine Renovierung, im Zuge dessen wurde das Langhaus und das Schiff von Franz Storno sen. und seinem Sohn ausgemalt. Vor etwa einem Jahr kam der letzte Franziskanerpater der Stadt ins Altersheim, seither heißt die ehemalige Franziskanerkirche nun „Rektoratskirche St. Michael“.

Was wird hinter dem Kloster gebaut?

Derzeit ist hinter dem Franziskaner-Kloster im Schlosspark eine große Fläche freigebaggert geworden. Viele Park-Besucher fragten sich natürlich, was hier gebaut wird und äußerten die Befürchtung, dass hier Grünfläche vernichtet wird. Auf Nachfrage kann die BVZ entwarnen: Die Energie Burgenland baut hier ihr Fernwärme-Netzwerk bis Kleinhöflein aus. Da die Fernwärme der Energie Burgenland aus Biomasse gewonnen wird, werden jährlich allein in Eisenstadt 11.600 Tonnen CO2 eingespart. Und natürlich wird die Fläche hinter dem Kloster wieder begrünt.