Verleumdung: „War nicht nüchtern“

17-Jähriger in Eisenstadt wegen Verleumdung verurteilt. 48-Jährigen zu Unrecht der Drogenweitergabe beschuldigt.

Erstellt am 02. Oktober 2021 | 06:56
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Symbolbild
Foto: Burdun Iliya

Am 16. August 2020 hatte der heute 17-jährige Eisenstädter bei der Polizei behauptet, ein 48-jähriger Mann aus dem Bezirk Eisenstadt habe ihm und einem anderen Jugendlichen Joints zum Rauchen gegeben.

In der Nacht zuvor waren beim Osliper Kirtag Schüsse gefallen. Der 48-Jährige hatte damals mit einer Gaspistole in die Luft geschossen, um seinem 15-jährigen Begleiter, der in eine Rauferei verwickelt worden war, zu helfen.

Auch der heute 17-Jährige war bei diesem Vorfall dabei gewesen und flüchtete nach der Schießerei im Auto des 48-Jährigen.

Bei der folgenden Einvernahme bei der Polizei bezichtigte er den 48-Jährigen der Weitergabe von Cannabis.

Im Februar 2021 stand der 48-Jährige vor Gericht. Nicht wegen der Schießerei am Osliper Kirtag, dieses Verfahren war eingestellt worden, sondern wegen des mutmaßlichen gemeinsamen Drogenkonsums mit den Jugendlichen.

Der 17-Jährige machte damals vor Gericht einen Rückzieher und widerrief seine Angaben zum Drogenkonsum mit dem wesentlich Älteren. Dieser wurde freigesprochen.

„Dann habe ich halt damals gelogen...“

„Dann habe ich halt damals gelogen“, antwortete er lapidar der Staatsanwältin, die ihn auf den Widerspruch zu seinen Angaben vor der Polizei hinwies.

Seine wankelmütigen Aussagen hatten jetzt für den 17-Jährigen ein Nachspiel. Er wurde von der Staatsanwaltschaft wegen falscher Beweisaussage und Verleumdung des 48-Jährigen angeklagt. „Für den 48-Jährigen wäre die Weitergabe von Suchtgift an Jugendliche mit einer Strafe bis zu drei Jahren Haft bedroht“, erklärte Richterin Gabriele Nemeskeri.

„Ich war nicht nüchtern“, gab der 17-Jährige zur Einvernahmesituation bei der Polizei an. Er habe noch einen „Restalkoholrausch“ vom Kirtag gehabt.

„Es könnte auch gewesen sein, weil ich wütend war. Ich wollte ganz normal zum Kirtag gehen, es ist dann so eskaliert, dass geschossen und gekämpft wurde“, fügte er hinzu.

„Haben die Burschen vor Ihnen Drogen konsumiert?“, fragte die Richterin den 48-Jährigen.

„Ich hatte sie im Verdacht. Gesehen habe ich es nicht“, antwortete der Zeuge.

Der Jugendliche kam glimpflich davon. Die Richterin sprach ihn schuldig, behielt sich aber den Ausspruch einer Strafe für eine Probezeit vor.