6 Monate Haft für Todesfahrt. 22-Jähriger verurteilt. Nach durchzechter Nacht mit PS-starkem BMW zwischen Zagersdorf und Siegendorf in Skoda gerast. 33-Jähriger starb an Unfallstelle.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 28. Januar 2021 (05:55)
Stummes Mahnmal am Straßenrand. Am 23. August 2020 starb hier nach einer Frontalkollision der 33-jährige Familienvater.
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Am Sonntag, 23. August 2020 hatte die Nachricht von dem verheerenden Unfall auf der Landstraße zwischen Zagersdorf und Siegendorf den Bezirk erschüttert.

Vorige Woche musste sich jener heute 22-jährige Mann wegen grob fahrlässiger Tötung und leichter Körperverletzung vor Gericht verantworten, der den Unfall verursacht hatte.

Der Angeklagte, ein italienischer Staatsbürger, ist vor vier Jahren nach Österreich gekommen und lebt im Bezirk Eisenstadt Umgebung.

Die Nacht vom 22. auf den 23. August 2020 hatte er mit Freunden durchgefeiert. Morgens stieg er in seinen 200-PS-starken BMW, einen Bubentraum, den er sich im Juni 2020 erfüllt hatte, und krachte an diesem ruhigen, sonnigen Sonntagmorgen um 8.26 Uhr ungebremst und frontal in das entgegenkommende Auto eines 33-jährigen Familienvaters aus dem Bezirk Eisenstadt Umgebung.

Mit 1,39 Promille Alkohol im Blut. Der Drogentest schlug positiv auf Cannabis an.

Der 33-Jährige starb an der Unfallstelle. Sein kleiner Sohn, heute knapp drei Jahre alt, wurde verletzt ins Spital gebracht.

Der Angeklagte kam mit Krücken ins Gericht. Er bekannte sich schuldig.
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„Bekennen Sie sich schuldig?“, fragte Richterin Birgit Falb den Angeklagten.

Die Dolmetscherin übersetzte in die Muttersprache des Angeklagten, Kroatisch.

Keine Antwort des Angeklagten.

„Was gibt es für ein Problem? Kennen Sie den Strafantrag?“, hakte die Richterin nach.

„In etwa weiß ich, was mir im Strafantrag vorgeworfen wird“, antwortete der Angeklagte. Und dann: „Ich bekenne mich schuldig.“

„Ich kann mich an gar nichts erinnern“

„Können Sie sich an den Unfall erinnern?“, fragte die Richterin.

„Ich kann mich an gar nichts erinnern“, antwortete der Angeklagte. Er sprach von einem „Blackout“ und davon, dass er den „Film nicht zurückspulen“ könne.

„Warum rasen Sie so durch die Gegend?“, fragte die Richterin.

„Ich weiß es nicht“, antwortete der Angeklagte.

„Sie fuhren mit überhöhter Geschwindigkeit, übermüdet, mit Alkohol und Cannabis im Blut. Warum lenkten Sie an diesem Tag überhaupt ein Fahrzeug? Haben Sie eine Erklärung dafür?“, fragte die Richterin.

Der Angeklagte schüttelte den Kopf.

„Vielleicht waren Sie schlecht drauf“, stellte die Richterin in den Raum. Die Polizei hatte ermittelt, dass der Angeklagte in der Nacht vor dem Unfall mit seiner Ex-Freundin gesprochen hatte. Möglicherweise sei er über die Trennung nicht hinweggekommen.

„Hat das etwas mit dem Unfall zu tun?“, wollte die Richterin wissen.

„Ich glaube nicht. Aber es ist mir auch nicht erinnerlich“, sagte der Angeklagte.

„Was sagen Sie heute zu dem Unfall?“, fragte die Richterin.

„Ich bedauere es. Es tut mir sehr, sehr leid“, sagte der Angeklagte.

Er hatte bei dem Unfall Verletzungen an den Beinen und am Rücken erlitten, kam mit Krücken in den Gerichtssaal. „Man sagte mir, dass ich zu 80 bis 90 Prozent die normale Gehfähigkeit wieder erlangen werde“, berichtete der Angeklagte.

Die Staatsanwältin forderte eine Strafe, die der Öffentlichkeit vor Augen führt, wie gefährlich es ist, alkoholisiert und durch Drogen beeinträchtigt, übermüdet und mit überhöhter Geschwindigkeit einen Unfall zu verursachen.

Der Verteidiger wies darauf hin, dass sein Mandant nicht als Raser bekannt war und mit hohen Regresszahlungen an die Versicherung konfrontiert sei.

„Ich bitte die Familie um Verzeihung“, sagte der Angeklagte.

Er wurde zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon sechs Monate unbedingt. An die Witwe, die im Verhandlungssaal anwesend war, und das bei dem Unfall verletzte Kind muss er je 1000 Euro bezahlen – als symbolischen Schmerzensgeldbetrag.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.