Eisenstadt: Winzer prügelt Radler. Mehrere Faustschläge soll ein Winzer auf einem Radweg einem Biker versetzt haben. 800 Euro Geldstrafe – nicht rechtskräftig.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 31. Januar 2018 (06:01)
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Am 17. Oktober 2017 herrschte schönes Herbstwetter, weshalb sich ein 53-jähriger Angestellter noch schnell aufs Rad schwang. Auf einem Radweg nahe Eisenstadt kam ihm in einer Unterführung ein Auto entgegen. „Ich verriss und fuhr rechts vorbei“, berichtete der Radfahrer.

„Es depperten Radlfahrer, schleicht’s euch!“

„Hätte er nicht auf mein Auto geschlagen, wäre ich weitergefahren“, berichtete der 56-jährige Autolenker, ein Winzer, der damals den Radweg befuhr, obwohl sich dort ein Fahrverbot (ausgenommen Radfahrer und Anrainer) befindet.

„Wir sind am Güterweg überall Anrainer“, behauptete der Winzer, musste aber auf Nachhaken von Anwalt Mirko Matkovits, der den Radfahrer vertrat, zugeben, dass er auf dem Teilstück, das er am 17. Oktober benutzt hatte, kein Grundstück besitzt.

Der Radfahrer bestritt, auf das Auto des Winzers hingeschlagen zu haben. „Ich hatte genug damit zu tun, dass ich nicht stürze.“ Der Autofahrer habe ihn mit den Worten „Es depperten Radlfahrer, schleicht’s euch!“, beschimpft. Der Winzer wendete sein Auto und fuhr dem Radfahrer nach. Abrupt soll er vor diesem angehalten und den Radfahrer zu einer Notbremsung genötigt haben.

Bei 35 km/h vom Radweg gedrängt?

„Ich wurde in voller Fahrt bei 35 km/h abgedrängt und stürzte in die Wiese“, schilderte der Radler die folgenden Ereignisse. „Er stieg mit verzerrtem Gesicht aus, packte mich und begann auf mich einzuschlagen.“ Der Winzer habe ihm einige Faustschläge versetzt, sich auf ihn gekniet und ihn fixiert.

Ein Wanderer, der auf dem Radweg zu Fuß unterwegs war, beendete den Kampf. „Ich sagte, hört’s auf!“, erinnerte sich der Augenzeuge. Der Autofahrer sei sehr emotional gewesen und habe geschimpft, der Radfahrer sei verletzt am Boden gelegen. Er habe, so der wegen Nötigung und Körperverletzung angeklagte Winzer, mit dem Radfahrer nur reden wollen. Warum dieser eine Stauchung der Wirbelsäule, eine Zerrung eines Sprunggelenkes und diverse Prellungen und Abschürfungen erlitt, könne er sich nicht erklären.

Er sei, so der Biker, nach dem Vorfall fünf Tage lang im Krankenstand gewesen. Anwalt Mirko Matkovits machte für seinen Klienten ursprünglich 1870 Euro geltend, reduzierte diese Summe dann jedoch auf einen symbolischen Betrag von 100 Euro und kündigte an, den Rest am Zivilrechtsweg einklagen zu wollen.

„Schuldeinsichtig waren Sie absolut nicht“, wies Richterin Doris Halper-Praunias den Angeklagten zurecht und verurteilte diesen zu 800 Euro Geldstrafe und zu einer Schmerzensgeldzahlung von 100 Euro. Der Winzer, dessen Anwalt Johannes Wutzlhofer auf einen Freispruch plädiert hatte, meldete volle Berufung gegen das Urteil an, somit ist das Urteil nicht rechtskräftig.