Leichtathletik-Mekka: Start für neue Sport-Anlage. In der neuen Leichtathletikanlage soll es Lauf-Sport auf Weltklasse-Niveau geben. Und eine Heimstätte für den SC Eisenstadt. Die BVZ war vor Ort.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 09. Oktober 2019 (04:27)

 Vor acht Jahren nahmen die Eisenstädter Leichtathleten rund um Rolf Meixner und Uschi Bredlinger Gespräche mit der Stadt auf. Das Ziel war ambitioniert: Eine Anlage für Läufer, Springer und Werfer ist in der Hauptstadt eines Landes, in dem es Fußball, Tennis und dann lange nichts gibt, schon ein bisschen gewagt.

Acht Jahre für 400 Laufmeter

Es gibt aber nicht nur Kicker und Tennisspieler hier, sondern auch den bundesweit mit Abstand höchsten Anteil an adipösen Kindern. Das ist die Form von Fettleibigkeit – man muss es so drastisch ausdrücken – die tödlich ist. Und die Politik zum Handeln anhält.

Folgerichtig stand Bürgermeiter Thomas Steiner acht Jahre später im frühwinterlichen Nieselregen auf dem hellblauen („Man könnte fast sagen: türkisen“) Belag der neuen Leichtathletikanlage und betonte: „Das hier ist eine Einladung an junge Menschen aus der Region, Sport zu betreiben.“ Für dieses Angebot hatte Steiner tief in die Gemeindekasse gegriffen. Eineinhalb Millionen kostet die Gemeinde die Errichtung der Anlage und 3,4 Millionen die Grundstücke, auf denen sie steht. Die Errichtungskosten werden mit Bundesmitteln gefördert, diese Förderungen haben das Projekt ein paar Monate verzögert. „Im Bund geht es eben nicht so amikal zu wie bei uns“, so Steiner. Er bedankte sich bei Hans Niessl, der ihm als damaliger Sportlandesrat außerdem Landesmittel in der Höhe von fast einer Million zugesichert hatte.

Hans Niessl war früher noch Landeshauptmann und noch früher Turnlehrer, ihm ist das Problem Bewegungsmangel also bewusst. Für ihn sei damals klar gewesen: „Bei den gesellschaftlich wichtigen Themen muss man über die Parteigrenzen hinaus Sachpolitik betreiben.“

Sachpolitisch ging es nicht immer zu, manchmal wurde es parteipolitisch. Die Stadt-SPÖ hatte Steiner vorgeworfen, dass Teile der Grundstücke nicht „lastenfrei“ seien, also für die Anlage gar nicht genutzt werden können (Steiner: „Falsches Grundstück“). Außerdem wurde kritisiert, dass man so viel Geld für Leichtathletik ausgeben würde, während der SC Eisenstadt in der letzten Spielklasse herumkrebsen muss. Steiner dazu: „Wir haben dem SCE angeboten, seine Heimspiele hier auszutragen.“ (Die Reaktionen der SCE-Verantwortlichen und deren Eisenstadt-Pläne lesen Sie im Sportteil auf Seite 65.)

Ein Platz, der alle Stückln spielt

Bei der ersten Begehung des neuen Platzes vor der offiziellen Eröffnung am Freitag, konnte kein schlechtes Wetter die Stimmung trüben, zu lange hatten alle Beteiligten darauf gewartet.

Bredlinger und Meixner sind beide als große Sportler bekannt. Beim Reden stellt sich Bredlinger schnell als die Sprinterin heraus („Wird die neue Anlage die Trainings in der Südstadt ersetzen?“ - „Vollständig.“), Meixner als Duracell-Haserl. So führte dann auch er den namhaften Tross bestehend aus dem stolzen Bürgermeister Steiner („Sportpolitischer Meilenstein!“), Alt-Landeshauptmann Hans Niessl („Österreichweite Beachtung!“) und Bauherrn Alfred Kollar von der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft („Lebensqualität erhöht!“) durch die Anlage.

„Dass das so toll ist, hab ich selber nicht gewusst“, staunte Kollar. 56 verschiedene Sportarten muss man tatsächlich einmal in ein Areal packen. Meixner erklärte, dass dabei vor allem auf Doppel-Belegungen gesetzt wurde: Das Sand-Becken für die Kugelstoßer ist beispielsweise gleichzeitig ein Beachvolleyballplatz, der Aufwärmbereich ein Kinderspielplatz und, was wie ein Lärmschutzwall vor den der knapp vorbeifahrenden Eisenbahn aussieht, ist ein gefinkeltes Sprinter-Training: Bergauf werden die Muskeln aufgebaut, bergab das Maximaltempo überschritten. Mit bis zu 60 Kilometer pro Stunde sausen die Athleten bergab.

Zwei von ihnen: Die mit einem Dauergrinser bewaffneten Nina Strohmayer-Dangl („Wir mussten manchmal auf Parkplätzen trainieren!“) und Elias Simon Leser („Schon besser als in die Südstadt pendeln.“).

Es läuft, in Eisenstadt.