Bezirksanalyse: Drei untypische Gemeinden

Während die ÖVP in Landeshauptstadt besonders erfolgreich abschneidet, bleibt die SPÖ stimmenstärkste Partei im Bezirk. Die BVZ hat sich Rust, Oggau und Oslip näher angeschaut.

Erstellt am 28. Mai 2019 | 13:33
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Neue Mehrheitsverhältnisse im Europäischen Parlament
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Foto: APA (AFP)

Stadt und Land in anderen Farben

Nur 130 Stimmen oder 0,6 Prozent bleibt im Bezirk Eisenstadt Umgebung die SPÖ vor der ÖVP (ohne Briefwahlstimmen). Die Partei von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil holt sich im Bezirk 35,0 Prozent (minus 0,4 Prozentpunkte), die von ÖVP-Chef Thomas Steiner 34,4 Prozent (ein Plus von 6,2).

Steiner darf sich dafür über das Ergebnis aus Eisenstadt freuen. In der Landeshauptstadt, der Steiner als Bürgermeister vorsteht, legt Türkis um 2,1 auf 40,4 Prozent zu und bleibt 18,3 Prozentpunkte vor der SPÖ.
Den größten Erfolg erzielt die ÖVP in Leithaprodersdorf (plus 8,5 Prozentpunkte auf 58,7), die SPÖ in Steinbrunn (unverändert auf 52,5 Prozent). Insgesamt holte die SPÖ die Mehrheit in 14, die ÖVP in elf Gemeinden.

Der FPÖ konnte die Causa Strache kaum etwas anhaben. Sie verlor nicht einmal einen Prozentpunkt. In der Bezirks-Hochburg Wimpassing setzte es Verluste, dafür gab es dezente Gewinne in der SPÖ-Bastion Siegendorf.
Die Grünen und NEOS blieben auf dem Niveau der letzten EU-Wahl, sie profitierten von guten Ergebnissen in Eisenstadt.

Von Rot zu Türkis: Die gedrehte Freistadt

Die Freistadt Rust könnte die ÖVP mit einem Plus von fast zehn Prozentpunkten von der SPÖ (Minus 4,5 Prozent) erobern. Gerold Stagl (SPÖ), Bürgermeister Rust, erklärt sich das so:

„Der ÖVP und auch der FPÖ ist es gelungen zu mobilisieren, uns anscheinend nicht. Den Grund sehe ich in den Vorgängen, die heute passieren werden im Nationalrat. Ich sehe das Ergebnis nicht so tragisch, wir bleiben auf hohem Niveau von über 30 Prozent.“ Gerold Stagl (SPÖ), Bürgermeister Rust

Oggau: Seltenes SPÖ-Wachstum 

In nur drei Gemeinden im Bezirk konnte die SPÖ einen höheren Stimmenzuwachs erzielen als die ÖVP. Oggau war eine dieser Gemeinden. Die BVZ hat den Bürgermeister gefragt, wie die SPÖ hier den europaweiten Abwärtstrend der Sozialdemokratie umkehren konnte.

„Bei uns in der Gemeinde stehen die Gemeinsamkeiten im Vordergrund. Wir sind nicht auf Streit aus, sondern um gute Zusammenarbeit bemüht. Ich glaube, das wird von der Bevölkerung honoriert. Ich finde die Linie von Christian Dax sehr gut, er hat einen positiven Wahlkampf geführt.“ Thomas Schmid (SPÖ), Bürgermeister Oggau

Oslip: Bubichs Bemühungen gehen ins Leere

Eine der wenigen Gemeinden, in denen die moderaten Verluste der FPÖ nicht nur für Zuwächse bei der ÖVP, sondern auch bei der SPÖ sorgt, ist Oslip. Bürgermeister Stefan Bubich (ÖVP) hatte sich im EU-Wahlkampf besonders ins Zeug gelegt. Trotzdem blieb man hinter der SPÖ und verbuchte nur den drittgeringsten Zuwachs im Bezirk. 

„Es war eine klassische bundespolitische Abstimmung und widerspricht eigentlich der Gemeindeebene. Was mich besonders freut, sind die vielen Stimmen für Christian Sagartz und die hohe Wahlbeteiligung bei uns.“ Oslips Bürgermeister Stefan Bubich (ÖVP)

Beispielhafte Wahlbeteiligung

Über diese freuten sich alle über die Parteigrenzen hinaus: Die Wahlbeteiligung stieg in beiden Freistädten sowie im Bezirk stark an. In Eisenstadt lag sie (mit Wahlkarten) bei 68 und im Bezirk sogar über 70 Prozent. Beides liegt sowohl über dem Durchschnitt in Bund (60 Prozent) und Land (66 Prozent).