Lukits: Aufreger-Buch nach Freispruch. Der ehemalige BEWAG-Chef Hans Lukits sprach mit der BVZ über die langen Prozessjahre. Sein Buch zur Causa hat er fast fertig: „Ich nenne darin auch Namen.“

Von Wolfgang Millendorfer. Erstellt am 18. Dezember 2019 (06:01)
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Hans Lukits im BVZ-Gespräch: „Der Albtraum ist zu Ende.“
Wolfgang Millendorfer

Den größten Fehler seiner Karriere sieht Hans Lukits im Dezember 2007. Als der Energieversorger BEWAG ankündigte, einen Großteil der Beteiligungen zu verkaufen und sich auf das Kerngeschäft mit Strom und Wind zu konzentrieren, „da hätte ich sagen sollen, ich mache Schluss“, weiß Lukits heute.

Er machte aber als BEWAG-Vorstand weiter – einige Jahre danach saß er auf der Anklagebank. Der „Albtraum“, wie es Hans Lukits im BVZ-Gespräch nennt, wuchs juristisch aus Schmiergeld-Vorwürfen um ein Windpark-Projekt in Ungarn, das nie realisiert wurde (siehe ganz unten). Die Sache ist überaus komplex, soviel steht fest.

Die fristlose Entlassung der damals bereits abgetretenen BEWAG-Chefs Lukits und Josef Münzenrieder war erst der Anfang. Nach vielen Verhandlungen gab es am Ende Freisprüche für die Angeklagten.

Die ganze Geschichte aus seiner Sicht will Lukits nun in einem Buch erzählen, das vor Erscheinen noch rechtlich geprüft wird. „Ich nenne darin auch Namen, aber nur, wenn es dahinter ein Dokument oder Zeugen gibt“, erklärt Lukits. Er beteuerte von Beginn weg seine Unschuld: „Für dieses Projekt hätte ich ja nie meine Reputation aufs Spiel gesetzt.“ Und er geht bis heute von „der unendlichen Geschichte einer Intrige“ aus. So jedenfalls soll der Untertitel des Buches lauten.

Beweise dafür will Lukits nicht zuletzt in „einer Reihe von dubiosen Dokumenten und handschriftlichen Notizen“ sehen, die im Zuge des Verfahrens aufgetaucht seien: „Bei der Generalversammlung für das ungarische Windprojekt wurde ich etwa als Teilnehmer mit einer Wortmeldung genannt – doch zu diesem Zeitpunkt war ich in Boston, was ich mit einer Kreditkarten-Abrechnung auch nachweisen konnte.“

Die Landespolitik, die damals grünes Licht für die Entlassungen gegeben hatte, sieht er nicht als Teil der „Intrige“. Lukits: „Es gab eine Personengruppe, die falsche Informationen weitergegeben hat.“ Was ihm noch sauer aufstößt: „Wenn man mich firmenintern befragt hätte, dann hätte ich alles aufklären können und wir hätten uns achteinhalb Jahre Verfahren und viele Millionen an Kosten – nicht nur für die BEWAG selbst, sondern auch für die Angeklagten und den Steuerzahler – erspart.“

In seinem Buch, das er als „seelische Befreiung“ sieht, will der Ex-BEWAG-Chef nicht seinerseits anklagen, sondern „darauf aufmerksam machen, wie schnell man unschuldig in die Mühlen der Justiz geraten kann“.

Nach dem Freispruch habe er nun die Möglichkeit, „wirklich ein neues Leben zu beginnen“: Es soll nach Kapstadt führen, die Stadt, die Lukits schon seit Studienzeiten kennt und wo er südafrikanischen Start-ups unter die Arme greifen will. Er kann sich auch vorstellen, Schadenersatz für Verdienst-Entgänge einzufordern, aber nicht am Gerichtsweg: „Verhandlungssäle hab ich jetzt schon genug gesehen …“