Eselböcks "Haus im See" abgerissen. Das renommierte „Haus im See“ von Gastronom Walter Eselböck ist nun endgültig Geschichte. Die BVZ sprach mit ihm über seine Pläne auf beiden Seiten der Grenze.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 01. Juli 2021 (06:12)

Schon seit Beginn der Bauarbeiten am überdimensionierten Strandprojekt in Fertörakos wurde spekuliert, ob das „Haus im See“ in Fertörakos von Star-Gastronom Walter Eselböck noch eine Zukunft hat. Nun haben Bagger und Abrissgeräte die Frage beantwortet, das Lokal ist Geschichte (siehe Fotos). Die BVZ sprach mit Eselböck über die Vorgeschichte in Ungarn und wie es in Österreich weiter geht.

BVZ: Herr Eselböck, wie geht es Ihnen beim Anblick des abgerissenen „Haus im See“?

Walter Eselböck: Ich habe die Fotos schon gesehen. Da wird es für uns keine Zukunft mehr geben, wir haben jetzt nichts mehr in Fertörakos. Das Haus war unser Eigentum, der Grund von den ungarischen Wasserwerken gepachtet. Wir hatten das Baurecht und haben uns 20 Jahre darauf verlassen. Dann hat aber der Besitzer gewechselt. Von den Wasserwerken wanderte der Grund zum Unternehmen von Lőrinc Mészáros (Anmerkung BVZ: Mészáros ist der Betreiber des Bauprojektes in Fertörakos und gilt als Orban-Vertrauter). Dadurch sei unser Vertrag erloschen, uns wurde gesagt, wir müssen das Haus im See abreißen.

BVZ: Sind Sie dem Abrissbescheid nachgekommen?

Eselböck: Das haben wir nicht gemacht. Ich habe mich umgedreht und gesagt, das Kapitel ist erledigt.

Erwarten Sie nicht eine Rechnung für den Abriss aus Ungarn? Den anderen Besitzern wurden 30.000 bis 100.000 Euro dafür verrechnet.

Eselböck: Auch wenn eine Rechnung kommt, werde ich nicht zahlen. Ich finde es wiklich schade, dass so etwas in der EU überhaupt möglich ist. Ich verstehe nicht, wieso sich die Bundesregierung nicht einschaltet. Vermutlich will man der ungarischen Regierung nicht auf die Zehen steigen.

Wie lief die Kommunikation mit den neuen Eigentümern und den ungarischen Behörden?

Eselböck: Gar nicht, es gab überhaupt keine Kommunikation. Es wurde nur hinter vorgehaltener Hand geredet und mit Nachbarn stille Post gespielt. Man muss es klar sagen: Wir wurden hier enteignet.

 „Ich finde es wirklich schade, dass so etwas in der EU überhaupt möglich ist." Star-Gastronom Walter Eselböck über die „Enteignung“.

 Haben Sie rechtliche Schritte eingelegt?

Eselböck: Ich habe es mit zwei Anwälten versucht, aber dann wieder aufgegeben. Das hat nur Geld gekostet, die Erfolgschancen sind äußerst gering. Ich habe keine Ahnung wo das Recht sein soll. Bei uns war es nicht. Es bringt nichts, Energie reinzupumpen und den Wilden zu spielen. Deshalb hab ich auch zuletzt keine Interviews mehr zu Fertörakos gegeben, ich dachte, das wird sich schon regeln. Leider ist aber nichts mehr passiert.

Wie sieht es mit Ihren Zukunftsplänen in Ungarn aus?

Eselböck: Das Kapitel ist für mich abgeschlossen.

Sie planen auch in Rust ein Lokal, angelehnt an das Konzept des Haus im See. Wie läuft es auf unserer Seite der Grenze? Hier gab es ja einigen Widerstand gegen den geplanten Bau am Ruster Stadthafen?

Eselböck: Ich muss ehrlich sagen: Auch hier ist das Engagement der handelnden Personen sehr eingeschränkt. Da geht Rust auch einen eigenartigen Weg — als würden sie der Ballermann vom Neusiedler See sein wollen. Bei den tollen Voraussetzungen, die Rust hat, ist das wirklich schade. Hier wird viel Potenzial nicht genutzt. Neusiedl, Weiden oder Jois sind wesentlich innovativer und moderner. Aber hier zählt Masse, nicht Klasse.

Wie erklären Sie sich den Widerstand in Rust?

Eselböck: Bei Strukturen wie in Rust muss man vorsichtig und behutsam vorgehen. Ich glaube, den handelnden Personen fehlt es an Sensibilität. Da kann es schon vorkommen, dass sich eine Initiative gründet und ein paar hundert Unterschriften sammelt.

BVZ: Aber Sie halten am geplanten Restaurant mit Appartements fest?

Eselböck: Wir verhandeln zwar noch mit der Freistadt Rust, aber es ist mühsam. Seit einem Jahr tut sich nicht viel. Zuerst waren alle sehr euphorisch, aber dann sind viele Fehler passiert. Nun warten wir einmal ab, es könnte noch etwas werden. Der Stadt würde es jedenfalls helfen. Mit einem hochqualitativen Angebot lock man auch neues Klientel nach Rust. Die zahlen dann auch einmal zwei, drei Euro mehr für die Flasche Wein. Viele würden profitieren, zu Schaden käme dabei niemand.