Hartes Heurigenleben in Kleinhöflein. Die BVZ hat am Winzerkirtag Kleinhöflein mit dem ältesten und der jüngsten Winzerin gesprochen.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 14. Juli 2019 (05:32)

Kaum ein Monat vergeht ohne einen Bericht in der BVZ über das Ende eines traditionellen Gastronomie-Betriebes. Erst in der vorletzten Woche teilten uns die Betreiber von „Stefan‘s Bistro“ mit, dass sie nach Jahrzehnten ihre Kantine im Technologiezentrum schließen müssen. Der Grund ist immer der gleiche: Die Kinder wollen sich die Arbeit nicht antun.

Im ganzen Bezirk gibt es kaum einen besseren Ort um sich über das Thema zu informieren, als den Winzerkirtag Kleinhöflein, wo die BVZ mit dem ältesten und der jüngsten Winzerin gesprochen hat.

Winzerkirtag als „Kettenreaktion“

Franz Ackerl ist ein 49er-Jahrgang, er hat hat also schon so manches erlebt. Was damals in einer Sommernacht vor 42 Jahren passiert ist, war selbst ihm neu. Es war die Zeit, als man sich noch sein eigenes Essen und sogar Gläser zu den Heurigen mitgenommen hatte.

Da hatte ein Kleinhöfleiner Heuriger versucht, etwas Neues zu machen. Heutzutage würde man es Open Air Event nennen, damals gab es dafür noch keinen Namen. Das zog auch die Burschen aus den Nachbarortschaften an und es kam, wie es damals kommen musste. „Die haben sich sogar mit Ketten gedroschen“, schüttelt Ackerl bis heute den Kopf, „so wollte ich Kleinhöflein wirklich nicht repräsentiert wissen.“

Andere Winzer sahen das ähnlich und so entstand nach harten Verhandlungen so etwas Schönes wie der Winzerkirtag ironischerweise als Reaktion auf eine unschöne Schlägerei.

Mittlerweile leitet Sandra Ackerl die Geschicke des Weinguts. Sie hat viele Innovationen eingeführt, aber auch sie plagen Nachwuchssorgen.

Ihr Sohn, seufzt sie, habe andere Pläne. „Man kann den jungen Menschen nicht verübeln. Die sehen, wie man jeden Tag rund um die Uhr hart arbeiten muss und eigentlich sein ganzes Leben dem Weingut widmen muss. Welcher junge Mensch sagt da schon ,Ja, das taugt mir!‘?“

Mit 14 schon so erwachsen...

Eine dieser jungen Menschen ist Lena. Ihr Vater Michael Glauber hat es doppelt schwer, neben zwei Heurigen in Sigleß und Mörbisch tut er sich auch noch die Politik an. Ob das Lena nicht abschreckt? „Nein“, sagt die 14-Jährige mit einer Selbstsicherheit, dass man selber das Gefühl bekommt das Kind in dem Gespräch zu sein.

Sie werde Weinbau in Klosterneuburg lernen und wenn sie dann nach Hause kommt die ihre vielen Ideen beginnen umzusetzen. Welche Idee? Sie habe jetzt schon mit verschiedenen Frucht-Spritzern experimentiert, die beim Winzerkirtag sehr gut gegangen sind.

„Die Leute wollen einen fruchtig-sommerlichen Geschmack, zu süß darf er den Wein aber nicht machen“, erklärt sie fachkundig. Aber eine 14-Jährige darf doch keinen Alkohol trinken, wie mischt sie bitte die Getränke? Wieder muss Lena aufklären: Man könne mit dem Geruch des Weins und dem Geschmack des Fruchtsaften schon gut experimentieren. Und die viele Arbeit? „Welche Arbeit? Das ist meine Freizeit!“, lacht Lena und sammelt mit geübtem Handgriff Gläser ein. Es ist bereits nach Mitternacht.

Fürs Winzerleben muss man geboren sein, das wird nach diesen Gesprächen klar. Das Problem: In eine Winzerfamilie heineingeboren zu sein, reicht leider noch lange nicht.