Ein „Plan B“ für den Neusiedler See

Erstellt am 28. September 2022 | 18:09
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8483877_eis39wagi_runder_tisch.jpg
Runder Tisch. Mit der präsentierten Machbarkeitsstudie ist Austrocknung des Sees vom Tisch.
Foto: Foto LMS; Kaiser
Bei einem Runden Tisch diskutierten Fachleute, wie eine Austrocknung des Sees verhindert werden kann. Der Zufluss könnte auch aus der österreichischen Donau kommen.
Werbung

Die Pläne, den Neusiedler See mit Wasser aus der ungarischen Moson-Donau zu „dotieren“, geraten immer wieder aufgrund Verzögerungen auf ungarischer Seite ins Stocken. Daher beschloss Infrastruktur-Landesrat Heinrich Dorner nun, an einer österreichischen Alternative zu arbeiten, um sich nicht von Ungarn abhängig zu machen. Bis Jahresende soll die Entscheidung stehen, die geplante Schlamm- und Schilf-Management-Gesellschaft des Landes soll bereits jetzt ihre Arbeit aufnehmen. Das Schilf trägt wesentlich zur Verdunstung des Wassers im Neusiedler See bei – ohnehin sind bereits 90 Prozent der Wasserverluste des Sees auf Verdunstung zurückzuführen.

440_0008_8483879_eis39wagi_see2.jpg
Dotieren statt austrocknen. Dafür sind Wasserwirtschafts-Referatsleiter Christian Sailer, LH-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf und Landesrat Heinrich Dorner.
Foto: BVZ

Am vergangenen Montag fand ein Runder Tisch zur Trockenheit im Seewinkel statt, eingeladen waren neben den im Landtag vertretenen Parteien unter anderem auch Experten des Landwirtschafts- und Klimaschutzministeriums sowie Vertreter von Landwirtschaftskammer, WWF, BirdLife, Berufsfischern, Tourismus, Esterhazy und der Biologischen Station Illmitz. Präsentiert wurde dabei neben der Wasserzufuhr-Alternative auch die Machbarkeitsstudie für eine Zuleitung. Laut Untersuchungen sind die chemischen Eigenheiten des Wassers der Donau geeignet, eine Zufuhr unter Einhaltung bestimmter Bedingungen und des Ausmaßes der Dotation ist möglich.

Austrocknen ist nach Gutachten vom Tisch

Das Austrocknen-Lassen des Sees soll somit passé sein. „Alle Beteiligten waren sich einig, dass es sich um ein Naturjuwel handelt, das in seiner Einzigartigkeit erhalten bleiben muss. Den See und die Salzlacken sich selbst überlassen und einfach austrocknen lassen ist und darf keine Lösung sein – das war die einhellige Meinung“, fasste Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf die Diskussionen am Runden Tisch zusammen.

Sie prüft derzeit auch die Wasserentnahme aus dem Grundwasser, das direkt mit den Salzlacken des Seewinkels zusammenhängt. Zu deren Schutz sollen Bewässerungssysteme effektiver gestaltet werden, da bei gängigen Modellen nur etwa 40 bis 50 Prozent des Wassers für die Pflanzen nutzbar seien. Auch der Anbau trockenresistenter Kulturen verbessere die Wasserbilanz. Allein der Mais- und Rübenanbau im Seewinkel würden mehr als zehn Millionen Kubikmeter Wasser benötigen, erläuterte Eisenkopf.

Werbung