Eisenstadt: Die Gründe für Thomas Steiners Wahlsieg. Fünf Parteien sind angetreten, um die Absolute der ÖVP zu brechen und sind kläglich gescheitert.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 04. Oktober 2017 (06:14)
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„Zuviel Macht“ plakatierten die Grünen: Die Bürger gaben der ÖVP noch mehr für die kommenden fünf Jahre.
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Thomas Steiner küsst seine Frau, drückt seinen Sohn, wischt seiner Mama eine Träne von der Wange: Steiners „Vertrag“ mit der Gemeinde wurde am Sonntag um fünf Jahre verlängert.

Gelungen. Papa und Mama Steiner sind stolz auf ihren Sohn. „Zuviel Macht“ plakatierten die Grünen: Die Bürger gaben der ÖVP noch mehr für die kommenden fünf Jahre.
Werner Müllner

Niemand hätte auch nur einen Cent darauf gewettet, dass die ÖVP in Eisenstadt zulegt, einige hätten vielleicht ein paar Euro in eine Wette investiert, die mit der absoluten Mehrheit der ÖVP spekuliert hat. Doch wie kam es dazu, dass die ÖVP ihren Vorsprung um fünf Prozent ausbaute und zwei Mandate zulegte? Ein paar Versuche, dies zu erklären:

Top vorbereitet

Thomas Steiner und sein Team haben nichts dem Zufall überlassen. Seit fünf Jahren wird getüftelt. Projekte wurden auf den Punkt geplant, präsentiert und gestartet. Der Stadtbus fuhr nicht zufällig ein Jahr vor der Wahl los. Das Kino wurde nicht zufällig nicht mehr erwähnt. Das Projekt steht derzeit still, damit war nichts zu gewinnen. Obendrein hatte die ÖVP sicherlich Umfragen, die ihr gute Themen für Eisenstadt signalisierte, die ihr bestätigte, welcher Kandidat gut ankommt und welcher keine Gefahr ist.

Kein Streit

Egal welches Thema – Kino, Salafisten, Wirtschaftsgeflechte, Bahnstrecke – SPÖ oder FPÖ auch hervorkramten, um die ÖVP vorzuführen – Steiner blieb nach außen hin ruhig, lächelte.

Zum Angreifen

Eisenstadts Bürgermeister trifft man auf der Fuzo mit einer Leberkässemmel, ab und zu raucht er eine vorm Rathaus. Am Fußballplatz quatschen ihn die Kinder wegen kaputter Schulkästen an. Bürgermeister Steiner ist präsent, Steiner ist zum Angreifen.

Die Mitbewerber

Die SPÖ war fleißiger denn je. Nur: Deren Team ist jung, unerfahren und noch unbekannt. Obendrein kam die Kerngruppe aus einer ähnlichen Gesellschaftsschicht und stand sich so beim Wahlwerben „im Weg“. Lancierte Streitthemen der Mitbewerber dürften die Bürger verstört haben.

Im Teich der Grünen wurde von der ÖVP tüchtig gefischt: Stadtbus, Blumenwiese, Stoff sackerl… Das Ergebnis: Die Grünen verloren ein Mandat und die Spitzenkandidatin. Die FPÖ holte, was ihr zusteht. Neos und Liste waren quasi nicht existent.

Der Wind aus Wien

Ergebnis. Bis Mitternacht dauerte es, dann stand fest: Die ÖVP gewinnt 2 Mandate, die SPÖ verliert 2, die Grünen verlieren 1 Mandat, FPÖ gewinnt 1.
Werner Müllner

Ob es so ist , oder ob es nur eine Vermutung ist, man wird es nie beweisen können. Aber der Hype um Sebastian Kurz hat den Eisenstädtern ebenso wenig geschadet wie das Durcheinander rund um Bundeskanzler Kern.

Die Mannschaft

Kein Mensch steht auf Steiners ÖVP-Liste, nur weil ihn die Partei interessiert. Die Vorzugsstimmen der ÖVP-Kandidaten sind oft ein zehnfaches der anderen Kandidaten. Entweder gibt’s eine große Familie, eine große Lobby im Beruf, einen großen Freundeskreis oder einen tollen Verein, der hinter dem Kandidaten steht. Das Team will ebenso wie Steiner selbst die Stadt regieren.

Steiner selbst

Für die Damen aus der Stadt ist er der „Herr Steiner“, für die Kinder der „Thomas“ und für seine Freunde der „Tom“. Bei allen lässt er seinen Charme sprühen, den Damen gibt er höflich die Hand, für Kinder und Freunde gibt’s die Ghetto-Faust. Steiner liebt es, Eisenstadts Bürgermeister zu sein. Steiner liebt seine Eisenstädter. und anscheinend mögen zumindest 60 Prozent auch ihn.

Hier findet ihr alle Ergebnisse der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2017 im Bezirk Eisenstadt auf einem Blick!