5 Monate Haft nach Tod einer Lenkerin. Ungarisches Ehepaar wegen Unfall am 19. Mai 2018 verurteilt – dreijähriger Sohn wurde schwer verletzt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 25. April 2019 (10:28)
APA (BFKDO/FF Klingenbach)
Im Mai letzten Jahres trug sich der Unfall zu.

Die Strecke zwischen der ehemaligen Siegendorfer Zuckerfabrik und dem Grenzübergang Klingenbach (Bezirk Eisenstadt Umgebung) ist an Werktagen zu Stoßzeiten häufig überlastet. Im Kolonnenverkehr lassen sich immer wieder Lenker zu waghalsigen Überholmanövern hinreißen.

Ein solches endete am 19. Mai 2018 besonders tragisch: Eine entgegenkommende Lenkerin erlitt nach einer Kollision mit dem Auto einer ungarischen Familie tödliche Verletzungen.

Der 34-jährige Lenker und seine 43-jährige Frau mussten sich wegen dieses schrecklichen Unfalls am Donnerstag, 25. April 2019, am Landesgericht Eisenstadt vor Richterin Karin Lückl verantworten.

Dreijährigen Bub nicht angeschnallt

Der Ehegattin des Lenkers wurde vorgeworfen, dass sie ihren damals dreijährigen Sohn nicht angeschnallt bzw. im Kindersitz gesichert hatte.

Der kleine Bub hatte bei dem Unfall vielfache Knochenbrüche erlitten.

Der 34-jährige Lenker gab zu, vor der Heimfahrt nach Sopron in Eisenstadt drei Bier getrunken zu haben, während seine Frau Shoppen war.

„Ich habe leider ein Alkoholproblem“, gab der Mann zu.

Dass seine Frau den Sohn bei Autofahrten nicht anschnallte, sei öfter vorgekommen: „Das Kind hat sich schwer daran gewöhnt, im Auto zu sitzen.“

„Ich weiß, dass das unverantwortlich ist“, gestand seine Gattin. „Aber es war das Problem, dass es ihm nicht gefiel, wenn wir ihn anschnallten.“ Dieses Mal sei der Bub besonders „z’wider und unrund“ gewesen.

Ob sie das Kind am Schoß gehalten hatte, oder der Bub nicht angeschnallt im Kindersitz saß, könne sie nicht mehr sagen.

Bereits zuvor überholt

Bevor es zu dem Unfall kam, hatte der Ungar bereits ein anderes Fahrzeug überholt. Den nächsten Wagen habe er in einer unübersichtlichen Kurve überholt, weil dieses stark gebremst habe, so der Angeklagte.

Ein Zeuge schilderte die Situation anders: Er habe nicht beobachtet, dass das Auto vor dem Unfalllenker gebremst habe. Es habe sich um einen „normalen Überholvorgang“ gehandelt.

Als das entgegenkommende Auto in sein Blickfeld geriet, habe er Lichtsignale gegeben, berichtete der Angeklagte.

„Warum haben Sie nicht gebremst?“, wunderte sich die Richterin.

Das Auto des Angeklagten war mit einem System ausgestattet, das die letzten fünf Sekunden vor dem Zusammenprall aufzeichnet.

Auf 105 km/h beschleunigt

Aus diesen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Lenker auf 105 km/h beschleunigte und erst in der letzten Zehntelsekunde bremste.

Der Wagen der ungarischen Familie kollidierte frontal mit dem Auto der entgegenkommenden 55-jährigen Lenkerin, ebenfalls eine Ungarin. Die Frau starb noch an der Unfallstelle an ihren massiven Verletzungen.

Der dreijährige Bub erlitt Brüche am linken Oberschenkel, an einem Arm und am Oberkiefer. Er musste nach dem Unfall mit den Notarzthubschrauber ins Spital geflogen werden.

Heute gehe es ihrem Sohn psychisch und physisch gut, berichtete die Mutter.

Nur zögerlich übernahm der ungarische Lenker die Verantwortung für den von ihm verursachten Unfall. Er behauptete, es sei anfangs geplant gewesen, dass seine Frau das Auto lenken sollte.

Das bestritt seine Gattin jedoch: Sie habe, um das Kind zu beruhigen, am Rücksitz Platz genommen.

Bei dem Lenker wurde nach dem Unfall eine Alkoholisierung von 0,8 Promille gemessen.

Enthemmt vom Alkohol?

„Die Alkoholisierung hat ihn offenbar entsprechend enthemmt“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Abschlussplädoyer. Das Kind nicht anzuschnallen, sei grob fahrlässig: „Mag es toben, mag es schreien – das ist unverantwortlich!“, ermahnte die Staatsanwältin die Eltern.

Die Verteidigerin bezeichnete es als „starke Strafe“ für das Ehepaar, dass bei dem Unfall eine Frau gestorben sei.

Der Lenker wurde zu 16 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, davon fünf Monate unbedingt, seine Frau zu sieben Monaten bedingt.

„Der Lenker muss ins Gefängnis, das ist ganz eindeutig und aus generalpräventiver Sicht wichtig, um die Allgemeinheit von Fahrten im alkoholisierten Zustand abzuhalten“, erklärte Richterin Karin Lückl.

Die Angeklagten nahmen das Urteil an, auch die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel. Das Urteil ist somit rechtskräftig.