Masken-Deal als Betrug geplant? Freispruch in Eisenstadt

Erstellt am 27. Juni 2022 | 05:14
Lesezeit: 4 Min
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MFFP2-Masken versprach ein Geschäftsmann zu liefern. Der Deal kam aber nicht wie geplant zustande.
Foto: Symbolfoto: Zhuravlev Andrey, shutterstock.com
55-jähriger Geschäftsmann vor Gericht: Statt großer Maskenlieferung kamen Fälschungen. Freispruch im Prozess.
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Im Herbst 2020 waren FFP2-Masken Mangelware am Markt und man konnte damit ein gutes Geschäft machen.

Ein solches sollte offenbar zwischen einem 55-jährigen Geschäftsmann aus dem Bezirk Eisenstadt und einem Unternehmen in Deutschland abgewickelt werden.

Dieses bestellte bei dem 55-Jährigen 1,5 Millionen FFP2-Masken eines renommierten Herstellers und zahlte 604.000 Euro an.

Insgesamt hätten die bestellten Masken 1,5 Millionen Euro kosten sollen.

Der Deal kam schlussendlich nur teilweise zustande.

Der deutsche Kunde zeigte daraufhin den Unternehmer aus dem Bezirk Eisenstadt an.

Am Montag dieser Woche stand dieser wegen des Vorwurfs des schweren Betrugs vor Gericht.

Vorwurf des Staatsanwalts: Masken waren gar nicht da!

„Tatsache ist, dass er die Masken gar nicht hatte“, warf Staatsanwalt Christian Petö dem Unternehmer vor.

Der Unternehmer habe stattdessen, von seinem mittlerweile ungeduldigen Kunden unter Druck gesetzt, eine Lieferung vorgetäuscht.

Daraufhin schickte der deutsche Kunde im Dezember 2020 Transportfahrzeuge zu einem Lager in Wien, wurde allerdings wieder vertröstet, erhielt keine FFP2-Masken und musste unverrichteter Dinge die Heimreise antreten.

Dadurch vergrößerte sich der Schaden um weitere 3.770 Euro.

Enthielt Ersatzlieferung gefälschte Masken?

Der Angeklagte habe schließlich woanders Schutzmasken organisiert, so der Staatsanwalt.

Diese Ersatzmasken seien aber keine Originale gewesen. „Es war recht dubios, wie er zu diesen Masken kam“, sagte der Staatsanwalt.

Der deutsche Kunde forderte bei dem Prozess in Eisenstadt 550.000 Euro von dem angeklagten Unternehmer. 58.000 Euro waren im Zuge eines Zivilverfahrens bereits bezahlt worden.

Verteidiger: Kunde hätte Restbetrag zahlen sollen

„Die Masken waren da“, sagte der Verteidiger.

Der deutsche Kunde hätte nur den Restbetrag überweisen müssen, dann hätte er die Lieferung bekommen.

Der Angeklagte bekannte sich vor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Karin Lückl nicht schuldig.

„Wir warteten mehrere Wochen auf die Bezahlung“, berichtete der Unternehmer.

Die Masken seien in den USA produziert und dann nach Hongkong transportiert worden. Mehrere Zwischenhändler waren involviert.

„Das ist im Handel überall so“, erklärte der Angeklagte.

„Umso mehr Zwischenhändler beteiligt sind, umso teurer wird es“, hielt Gerichtspräsident Karl Mitterhöfer dem Angeklagten vor.

„Es war noch im Rahmen“, erwiderte dieser.

Als der Kunde in Deutschland den Restbetrag nicht bezahlte, habe er die Bestellung storniert und sei, um „das Geschäft zu retten“, bereit gewesen, FFP2-Masken im Ausmaß der geleisteten Anzahlung zu liefern.

„Für die Anzahlung bekam er 200.000 Stück Masken“, sagte der Angeklagte.

Zwei Lieferungen hätten stattgefunden.

Insgesamt seien dem Kunden rund 100.000 Masken übergeben worden.

Der Kunde habe die Masken nach England geschickt, dort sei festgestellt worden, dass es sich um Fälschungen handelte.

Auch die US-Regierung und deutsche Organisationen seien auf solche Fälschungen hineingefallen, berichtete der Angeklagte.

100.000 Masken liegen immer noch im Lager!

100.000 FFP2-Masken seien noch immer in einem Lager verfügbar, so der Unternehmer.

Einen Liefertermin im Dezember 2020, als der deutsche Kunde LKW nach Wien schickte, habe er nicht bestätigt gehabt.

„Ganz Europa war im harten Lockdown, die Speditionen taten sich schwer“, sagte er vor Gericht.

Da nicht restlos geklärt werden konnte, ob der Unternehmer in Betrugsabsicht gehandelt hatte, wurde er im Zweifel von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen freigesprochen.

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