Christophers erste Zugfahrt – für „Die Mayerin“. Um zu einem Konzert von „Die Mayerin“ zu kommen, bewies Christopher extra viel Mut: Der Rollstuhl-Fahrer fuhr zum ersten Mal in seinem Leben mit dem Zug.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 13. Februar 2020 (11:05)
Der gebürtige Mörbischer Christopher fuhr auf ein Konzert der „Mayerin“.
privat

Christopher Reinprecht fährt streng genommen die ganze Zeit. Der 42-Jährige sitzt im Rollstuhl, den er eigentlich eher als „Rennstuhl“ betreibt. Mit ihm flitzt der gebürtige Mörbischer von seinem betreuten Wohnheim von „Rettet das Kind“ aus durch Eisenstadts Straßen. Womit Christopher aber noch nie gefahren ist, ist ein Zug. Das sollte sich aber bald ändern – und zwar der Liebe wegen.

Der größte Fan der „Mayerin“

Einer seiner Wege führte ihn zum Weihnachtskonzert der Mundart-Sängerin Ulrike Mayer, besser bekannt als „Die Mayerin“. Christopher war immer schon ein riesengroßer Fan, der BVZ verriet er sogar, dass er unter der Dusche immer ihren Hit „Weihnochtn“ singt.

Ihr Konzert war also ein Pflichttermin für Christopher, dort bekam er sogar die Möglichkeit, seinen Star persönlich zu treffen. „Voll lieb“ sei die Mayerin gewesen und Christophers Augen strahlen als er erzählt: „Sie hat mich auch persönlich zu ihrem Konzert in Wulkaprodersdorf eingeladen. Ich hab gesagt: Uli, ich versprech‘ dir, dass ich hinkomme.“

„Aber ich habe es der Uli versprochen!“

Die Rechnung hatte er aber ohne den Transport gemacht: Der Spezialbus von „Rettet das Kind“, der den Rollstuhlfahrer normalerweise an weiter entfernte Orte bringt, war am Tag des Konzerts schon verplant. „Aber ich habe es der Uli doch versprochen!“, schildert Christopher der BVZ seine verzweifelte Lage von damals. Schließlich nahm er allen Mut zusammen: Er wird mit dem Zug fahren! „Aber du bist doch noch nie Zug gefahren, hat mir mein Vater gesagt. Aber ich hab ihm nur gesagt: Ich habe es der Uli versprochen!“, zeigte sich Christopher entschlossen.

„Ich hab mir dann alles aus dem Internet rausgesucht und bin einfach zum Bahnhof in Eisenstadt gefahren.“ Beim Verkaufsschalter wartete aber das nächste Hindernis: Es war Samstag und der Schalter nicht besetzt. „Ich hab geglaubt, mich trifft der Schlag!“, war Christopher entsetzt. Er sah den Zug schon ohne ihn davonfahren: „Wo soll ich jetzt die Karte für den Zug herbekommen? Es war auch weit und breit kein anderer Fahrgast zu sehen, der mir hätte helfen können.“

Glückliches Ende mit Andenken

Als Christopher schon enttäuscht umdrehen wollte, entdeckte er den Ticketautomaten. Gerade noch den Tränen nahe, wartete er nun mit einem breiten Grinser auf den Zug. Der brachte Christopher pünktlich nach Wulkaprodersdorf und zur Mayerin.

„Als sie gesehen hat, dass ich wirklich gekommen bin, hat sie mich sogar auf der Bühne ausrufen lassen. Nach dem Auftritt ist sie zu mir gekommen und hat mir einen selbst gemachten Schlüsselanhänger gegeben“, freut sich Christopher und zeigt stolz den Schlüsselanhänger, den er jetzt immer dabei hat. „Die Uli hat gar nicht glauben können, dass ich tatsächlich extra mit dem Zug angereist bin“, ist Christopher sichtlich stolz. Er hat ihr darauf nur geantwortet: „Na sicher, ich hab‘s dir ja versprochen.“