Start für neuen Perücken-Shop in Eisenstadt

Erstellt am 11. Jänner 2023 | 16:16
Lesezeit: 3 Min
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Haarige Angelegenheit. Christoph Klee und Sascha Stevanovic mit ihren Perücken. Die Kunsthaare sind heutzutage kaum noch von den Echten zu unterscheiden – und sind dabei noch pflegeleichter.
Foto: Kaiser
Christoph Klee will mit seinen Perücken ein Tabu und eine Lanze für Krebskranke brechen: Lasst uns über Perücken reden!
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Alles begann mit der Chemo-Therapie von Christoph Klees Mutter. Die gelernte Friseurin saß in einer Reihe mit anderen Krebspatientinnen, als eine fragte, warum sie als einzige noch alle ihre Haare habe. Freigiebig offenbarte sie ihr gar nicht mal so geheimes Geheimnis: eine Perücke.

„Damals kannte man eigentlich nur Haarersatz, der natürlich auf den ersten Blick erkennbar ist. Aber eine Perücke – das war für viele neu“, erinnert sich ihr Sohn zurück. Seine Mutter habe daraufhin ihren Leidensgenossinnen ebenfalls zu künstlicher Haarpracht verholfen. Eine Tätigkeit, die ihr und ihrem Sohn ans Herz wuchs: „Noch am Sterbebett hat sie mich gebeten, nicht mit dem Perückenmachen aufzuhören.“

„Perückenmachen ist viel intensiver als Haare schneiden. Da sind von Tränen bis Galgenhumor alle Gefühle dabei.“ Christoph Klee Friseur und Perückenmacher

Christoph Klee hielt sein Wort. Und nachdem das Perückenmachen 32 Jahre lang neben seinem Friseurgeschäft gelaufen war, konzentriert er sich seit Juni 2022 nun ganz darauf, schloss das Friseurgeschäft und eröffnete am vergangenen Mittwoch „Klee Perücken“ mit Sascha Stevanovic. Der ist eigentlich gelernter Unternehmensberater, hat aber das gleiche familiäre Schicksal wie Klee erfahren müssen. Jetzt berät er nur noch die Perücken-Kundinnen und das Geschäfts-Management.

Diese hätten ganz andere Bedürfnisse als die Kundinnen im Friseur-Geschäft, erklärt er: „Die meisten haben Krebs oder Alopezie. Der Verlust der Haare ist das sichtbarste Zeichen dieser Krankheiten, die leider immer noch wie ein Stigma sind. Deswegen sind sie in emotionalen Ausnahmesituationen oder schämen sich.“

Bei „Klee Perücken“ gibt es daher nur einen einzigen Sessel. Jede Kundin bekommt die maximale und stundenlange Aufmerksamkeit von Klee und Stevanovic. Und der Einsatz lohnt sich in so vielerlei Hinsicht: „Perückenmachen ist viel intensiver, als Haare schneiden. Da sind von Tränen bis Galgenhumor alle Gefühle dabei“, erzählt Klee.

Ausgerechnet zu Silvester haben die Beiden eine Kundin besucht, der Krebs im Endstadium attestiert worden war. „Im Spital hat man ihr nur noch ein paar Monate gegeben – das war vor drei Jahren“, erinnert sich Klee.

Die Kundin habe sich schließlich auch für ein ausgefalleneres Modell entschieden. „Sie hat mir gesagt, dass sie sich das früher nie getraut hätte. Aber jetzt, seien ihre Haare eh weg, also warum nicht“, erinnert sich Klee an den schwarzen Humor der Dame. Mittlerweile, betont Stevanovic, kommen übrigens auch immer mehr Männer zu ihnen. Das Tabu beginnt schon zu bröckeln.

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