Eisenstadts Alltagshelden mit Herzen für Risikogruppe. Das Eisenstädter Seniorenheim der Caritas war von der Außenwelt lange Zeit nahezu abgeriegelt, zwei Alltagshelden erzählen vom Leben mit der Risikogruppe der Senioren.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 21. Mai 2020 (04:16)

Josefine Maschler hat eine Engelsgeduld. Das sagt sich als Sprichwort so leicht, die Eisenstädter Seniorin beweist diese Hingabe aber schon seit zwei Jahren. So lange liest sie schon den Bewohnern des Hauses „St. Martin“, dem Altenwohn- und Pflegezentrum der Caritas in Eisenstadt, ehrenamtlich vor.

Mit einem ihrer Zuhörer, Herrn Alfred, hat es das Leben nicht so gut gemeint. Er hat Schlaganfälle und Schicksalsschläge hinter sich. „Er hat ja niemanden mehr, deswegen lese ich ihm besonders oft vor“, erklärt Maschler. Gespräche, erzählt sie, seien zwar einseitig, seit zwei Jahren würden sie immer circa so verlaufen:

„Grüß‘ Sie, Herr Alfred!“

„I red ned viel.“

„Und wie geht‘s Ihnen?“

„Gut.“

„Was machen wir heute?“

„Tun wir Märchen lesen.“

Dann wird gelesen. Aber genau in dieser Wort-Kargheit, betont Maschler, liege die Herzlichkeit des Herrn Alfred.

„Es ist eine sinnvolle Aufgabe“, sagt Maschler und betont mit einer besonderen Bedeutungsschwere das Wort „Sinn“. „Wenn man jung ist, bekommt man nicht mit, wie wichtig es ist einen Sinn im Leben zu haben. Im Alter wird dieses Bedürfnis schon stärker. Deswegen war für mich lange schon klar, dass ich sowas einmal machen werde.“

Schon drei Ausbrüche der Coronakrisen erlebt

Maschler ist dafür nach beruflichen Jahrzehnten in der Schweiz wieder nach Hause ins Burgenland gekommen.

Einen wesentlich weiteren Weg zu seinem sozialen Engagement hatte der Mörbischer Pierre Wang. Er musste im Jänner China fluchtartig verlassen, wo er seinen Master machen wollte. „Es war der 27. Jänner und ich habe einen der letzten Flüge aus China hinaus erwischt“, beschreibt Pierre mit einer Coolness, die wohl nur ein 26-Jähriger an den Tag legen kann.

Das Virus nahm eine ähnliche Flugroute und war wenig später in Österreich. Das Krisenmanagement in China ließe sich mit dem in Österreich schwer vergleichen, beschreibt er: „Die Leute waren extrem vorsichtig und dann kam auch noch der völlige Lockdown. Aber auch hier in Österreich haben wir schnell und, sofern ich das einschätzen kann, richtig reagiert.“

Noch vor Anfang der Corona-Maßnahmen bekam das Sprachtalent einen Job im Österreichischen Außenhandelsamt in Los Angeles in den USA. „Dort war gar nichts, keiner hat das ernst genommen. Dann hat Präsident Donald Trump den Notstand ausgerufen und die Hamsterkäufe haben begonnen, das war ein Wahnsinn“, erinnert er sich.

Im März kam Pierre zurück und engagierte sich bei der Caritas, wo er schon Zivildiener war. „Ich hab gerade keine anderen Pläne“, lacht er bescheiden.