Eisenstadts unschönes Wahrzeichen. Die Geschichte des innoffiziellen Eisenstädter Wahrzeichens ist so interessant wie sein Stil umstritten ist. Die BVZ machte die Zeitreise mit Architekten Klaus-Jürgen Bauer.

Von Reinhold Woditsch. Erstellt am 23. Januar 2020 (12:14)
Wahrzeichen. Das 1972 fertig gestellte Haus ist 51 Meter hoch, hat 17 Geschosse, hat 71 Eigentumswohnungen in denen 118 Menschen wohnen.
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„Der schönste Punkt in Eisenstadt ist ganz Oben am Hochhaus. Das ist nämlich der einzige Punkt, an dem man das Hochhaus nicht sieht“, lautet ein alter Eisenstädter Schmäh. Der Architekt Klaus-Jürgen Bauer zitiert ihn gerne, wenn er über das Hochhaus in der Eisenstädter Bahnstraße spricht.

„Der schönste Punkt in Eisenstadt“. Das ist nämlich der einzige Punkt, an dem man das Hochhaus nicht sieht.
Reinhold Woditsch

Das 1971/72 fertiggestellte Haus ist 51 Meter hoch, hat 17 Geschosse und 71 Eigentumswohnungen. Zunächst waren es Mietwohnungen, die dann nach mehrmaligen Eigentümerwechsel zu Eigentumswohnungen geworden sind. 118 Menschen bewohnen das Hochhaus heute.

„Wie ein kleiner Ortsteil“, sagen Bauer. Er kannte die verstorbene Architektin Martha Bolldorf noch: „Sie war eine sehr schillernde Persönlichkeit: Sie kam von der Akademie der bildenden Künste und verbrachte die Kriegszeit in seinem Atelier in Ankara. Dort erbaute sie als relativ junge, toughe Frau verschiedene Regierungsgebäude. Nach dem Krieg kam sie zurück nach Wien, baute dort wieder ein Büro auf und arbeitete sehr viel für die Kirche.“

„Halbe Altstadt niedergerissen“

Die Tirolerin – Bolldorf wurde 1912 in Innsbruck geboren – heiratete ins Umfeld der Esterhazy und wurde mit diesem Burgenland-Bezug für die Diözese Eisenstadt interessant. Der damalige Bischof Josef Schoiswohl brauchte eine Residenz in der neuen Landeshauptstadt. „Sie hat die halbe Altstadt in Eisenstadt nieder gerrissen und hat um die alte Stadtpfarrkirche herum die Bischofsresidenz erbaut. Sie machte mit dieser Residenz städtebaulich und architektonisch große Geschichte“, erklärt Bauer die wenig zimperlichen Methoden der Sechziger.

Um das Ganze zu finanzieren, verkaufte die Kirche dann Pfarrgründe, die dort waren, wo heute das Hochhaus und alle umgebenden Häuser stehen. Diese Gründe wurden an verschiedene Wiener Bauträger verkauft.

Guter Stil „Funktionalismus“?

Die Wiener machten dort eine Bebauungsstudie nach den damals modernen Gesichtspunkten der gegliederten und aufgelockerten Stadt und planten einen neuen Stadtteil mit vier- bis siebengeschössigen Häusern, die locker aufgestellt wurden. Als sogenannte „Dominante“ sollte dann dort ein Hochhaus gebaut werden.

Der Stil, erklärt Bauer, war damals der sogenannte „Funktionalismus“. Vom „Bauhaus“ in der Vorkriegszeit mehr oder weniger begründet, wurde damals weltweit so gebaut. Typisch für die Sechziger ist der soziale Gedanke: Jede Wohnung hat einen eigenen Balkon.

Und wie dachten die Eisenstädter damals über den Bau? Bauer erinnert sich: „Der Bau wurde kontrovers diskutiert, aber nach der Fertigstellung waren die Wohnungen extrem begehrt. Sie waren state of the art: WC, Balkon, Zentralheizung.“

Eine Langversion des Artikels gibt es auf pusztavibes.at, in KW06 folgt ein Architektur-Gespräch mit Klaus-Jürgen Bauer.