Unterwegs mit den Fußball-Stars. Busunternehmer Stefan Kutsenits führt seit 2006 die rot-weiß-roten Kicker durch die Welt- und Fußballgeschichte. Die BVZ sprach mit ihm über seinen EM-Einsatz.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 09. Juli 2021 (06:03)

Seit 13 Jahren sitzt Busunternehmer Stefan Kutsenits am Steuer der Nationalelf. Er bringt Alaba, Arnautovic und die Kollegen vom ÖFB zum Sieg — wortwörtlich.

„Es ist noch immer so leiwand wie am ersten Tag. Nur die Nervosität wird weniger“, verrät der Hornsteiner. Zum ÖFB kam Kutsenits durch Zufall. Das U16-Nationalteam war im Landessportzentrum VIVA in Steinbrunn untergebracht und mussten zu einem Trainingsmatch. Allerdings hatte der damalige Buspartner den Termin verschwitzt, so musste kurzfristig Ersatz gefunden werden. Geschäftsführer Bernd Dallos habe an den Unternehmer aus der Nachbarortschaft gedacht, Kutsenits ließ sich daraufhin nicht lange bitten und schwang sich ans Steuer.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten im Team-Bus

Zugute kam ihm schließlich auch seine Vergangenheit als Kicker: „Früher spielte ich bei Steinbrunn, Hornstein und Leithaprodersdorf. In meinem ersten Jahr mit den Prodersdorfern haben wir den Aufstieg in die Landesliga geschafft — nach elf Jahren in der 2. Liga“, erinnert er sich. Den Enthusiasmus beim Thema Fußball hört man ihm deutlich an. „Der ÖFB meinte dann, ein Kicker am Steuer sei ihnen sehr recht, der weiß wie der Hase läuft.“ So wurde er öfters gebucht, seit 2008 ist er nun Chauffeuer des Nationalteams.

„Wenn man so lange mit den Leuten unterwegs ist, kennt man sich natürlich. David Alaba hab ich schon geführt, da war er noch das Riesentalent in der U16. Wohlgemerkt als Jüngster, mit 14 Jahren“, erzählt Kutsenits.

Die Stimmung bekomme man am Steuer natürlich mit. Bei der Europameisterschaft war die Stimmung im Bus natürlich emotional, erinnert sich Kutsenits. „Am lustigsten war es nach dem Match gegen die Ukraine. Mit dem Einzug in die K.o.-Phase hatte man natürlich Grund zum Feiern.“

Natürlich gab es auch lange Gesichter und gemischte Gefühle. „Nach dem Aus gegen Italien waren sie im Zwiespalt: stolz auf die Leistung, traurig über das Ergebnis“, fühlte er in der ersten Reihe mit. Vor dem Match habe er noch zu Verteidiger Aleksandar Dragovic gesagt, er würde sich freuen, wenn sie noch gemeinsam nach München — zum Viertelfinale — fahren würden. Nach dem Aus habe Dragovic sich „entschuldigt“

„Er hat gesagt: ,Wir haben es probiert, aber für München hat es leider nicht gereicht.‘ Das war schon sehr lieb“, freut er sich auch nach vielen Jahren am Steuer noch über die kleinen Gesten.

2.000 Kilometer zurückgelegt

Bei der Europameisterschaft musste er nicht durch ganz Europa fahren. Die UEFA stelle allen Teams dieselben Busse zur Verfügung, mit den lokalpatriotischen Kennzeichen EU-TEAM1 fuhr er nur in Österreich. Insgesamt habe er dennoch 2.000 Kilometer bei der Europameisterschaft abgespult. Außergewöhnlich waren die Fahrten für den Routinier nicht mehr, „nur die Einfahrt zum Hotel war ein Graus. Der Fahrer der Engländer hat ganz schön geschluckt. Aber das geht sich alles aus“, gibt Kutsenits Einblicke ins Leben eines Nationalelf-Chauffeur.

„Es machte etwa der Witz die Runde, dass der Deutschland-Bus schon zum Verkauf steht: günstig abzugeben, nur viermal benutzt.“ Humor braucht man als Busfahrer jedenfalls.