Narath: „Bin Fan von klassischer Baustruktur“. Der neue Leiter der Esterhazy-Immobilien, Jürgen Narath, spricht im BVZ-Interview über die Zukunft des Bauens in Eisenstadt und am Neusiedler See

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 12. Juni 2020 (05:41)
Jürgen Narath. Der 43-jährige Südsteirer war leitend bei der Immofinanz AG und Signa AG tätig. Jetzt kümmert er sich um die EsterhazySchlösser und baut um 70 Millionen das Schlossquartier Eisenstadt und das Seebad Breitenbrunn.
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Vor Kurzem übernam Jürgen Narath die Leitung der Esterhazy Immobilien mit einem Umsatz von über 10 Millionen Euro, 27 Mitarbeitern und 5.000 Pacht- und Mietverträgen. Mit der BVZ unterhielt er sich über das Burgenland, die Zukunft des Neusiedler Sees, den Konflikt zwischen Alt und Neu sowie Politik und Esterhazy.

BVZ: Sie haben einiges an Erfahrung bei vielen großen Firmen gesammelt – was zeichnet die Esterhazy-Gruppe aus?

Jürgen Narath: Das Portfolio ist sehr breit, von Parkplätzen über Meierhöfe bis zu den See-Liegenschaften in Breitenbrunn - so etwas gibt es ja gar nicht bei anderen Gruppen ja gar nicht, wo man sich entweder auf Gewerbeflächen oder Wohnbau konzentriert. Das Spannende für mich sind die Möglichkeiten: Esterhazy hat durch die unterschiedlichen Liegenschaften einen Startvorteil, hier können wir nicht nur planen, sondern auch umsetzen. Und das ist schon sehr interessant. Wir dürfen im Vorhinein mehr Zeit für Machbarkeitsstudien verwenden, mit Interessensvertretern sprechen. Wenn man da Etwas gemeinsam umsetzen kann, merkt man schon, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Es fällt auf, dass Esterhazy in letzter viel Neues baut. Wie kommen neue Bautrends (Stichwort: Nachhaltigkeit) zum Einsatz? Bisher war man ja eher mit der Wartung klassizistischer Bauten betraut.

Ich glaube nicht, dass das ein neuer Trend für uns ist, wir haben schon vor meiner Zeit moderne Projekte umgesetzt, wie die Umstellung der Beleuchtung auf LED im Schloss Esterházy oder der Bau der PV-Anlage in Trausdorf. Das nimmt man nur auf den ersten Blick weniger wahr als die neuen Bauprojekte. Diese sind größer und zentraler gelegen, wie das Schlossquartier in Eisenstadt. Generell musste die Baubranche in den letzten Jahren sehr stark umdenken, was ich gut finde.

Im Burgenland werden viele alte Gebäude abgerissen, die Esterhazy-Gruppe steht traditionell für den Erhalt klassisch-pannonischer Baustruktur. Wie wollen Sie mit dem Konflikt „erneuern oder erhalten“ umgehen?

Beispiel ist das Kalanda-haus in Trausdorf. Ich bin ein Fan davon, dass die historische Struktur erhalten bleibt, mit moderner Struktur verbunden wird und dem auch eine zeitgemäße Verwendung zugeführt wird. Dass man historische Strukturen opfert – da bin ich der Falsche dafür.

Ein Gebäude wie die ehemalige Gebietskrankenkasse (wo das neue Esterhazy-Hotel entsteht) ist keine historische Struktur, aber der Meierhof, das ist natürlich etwas anderes, das hat eine ganz andere Historie.

Was gibt es für Pläne für den Meierhof?

Die Fläche ist sehr interessant, wir haben verschiedene Konzepte, die wir gerade prüfen lassen.

Auch für das alte Haydnkino, neben dem die Esterhazy-Gruppe gerade 80 Parkplätze baut?

Wie beim Meierhof: Auch beim Haydn-Kino laufen gerade erst Vorstudien, wie diese Immobilie für ihren Standort am besten einer Nutzung zugeführt werden kann. In diesem Stadium ist es zu früh, darüber zu sprechen.

Wie ist die Strategie für die Gastronomie-Sparte? Da ist Eisenstadt ja kein leichtes Pflaster.

Wir sind überzeugt davon, dass eine Stadt einen guten Mix braucht. Wir schaffen beim Hotelneubau mit der Rooftop-Bar und dem Restaurant ja auch gastronomische Flächen und sind der Meinung, dass da die Nachfrage absolut gegeben ist.

Der Pegel des Neusiedler Sees sinkt weiter – vor welche Herausforderungen stellt das die Esterhazy-Immobilien am See?

Ein gewisser Wasserstand ist natürlich eine extreme Attraktivität, aber wir haben andere Areale in der Nähe des Sees, die nicht zu 100 Prozent abhängig vom Wasserstand sind. Für „das Gefühl“ ist der See natürlich sehr wichtig, aber das würde ich ganz klar auch beim Land Burgenland verortet sehen.

Das Land Burgenland und auch die ungarische Seite wollen ein Austrocknen ja verhindern.

Was passiert, wenn der See austrocknet? Es gibt Studien vom letzten Mal, als der See 1870 ausgetrocknet ist. Danach sind unglaubliche gesundheitliche Beschwerden bei den Bewohnern entstanden. Und das bei der geringen Bevölkerungsdichte von damals. Das macht mich schon etwas nervös, aber das ist nur meine rein persönliche Meinung. Was mit der Zukunft des Sees passiert, ist auch eine Entscheidung des Landes.

Hatten Sie mit Vertretern der Politik schon Gespräche? Das Verhältnis war vor Ihrem Amtsantritt ja nicht ganz reibungslos.

Ich habe die Gelegenheit genutzt um mich vorzustellen und habe immer ein sehr wertschätzendes Willkommen erlebt. Ich kann nicht klagen.

Was gefällt Ihnen hier am besten?

Vieles! Seebad Breitenbrunn, Leithaberg, die Gastronomie. Als naturverbundener Mensch möchte ich viele Orte im Burgenland noch bereisen.