Bischofsappell zu Nächstenliebe in Coronazeit

Bischof Zsifkovics feierte in Eisenstädter Bergkirche 60-Jahr-Jubiläum der burgenländischen Diözese – "Unsere Sorge als Kirche muss auch Fernstehenden, Ausgetretenen, Andersdenkenden gelten"

Erstellt am 17. August 2020 | 15:13
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Bei Jubiläumsmesse Bischofsappell zu Nächstenliebe in Coronazeit
Diözesanbischof Zsifkovics (mitte) zelebrierte den Festgottesdienst anlässlich des 60. Errichtungstages mit zahlreichen Priestern der Diözese.
Foto: kathbild.at / Franz Josef Rupprecht

Im Marienheiligtum Eisenstadt-Oberberg (Bergkirche), europaweit auch als Grabstätte von Joseph Haydn bekannt, hat Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, am Samstag (15. August) die Festmesse zum Diözesanjubiläum gefeiert, coronabedingt in etwas eingeschränkter Form. In seiner Ansprache rief er auf, die Corona-Pandemie auch als Aufruf zu verstehen, sich auf die wesentlichen Aufgaben des christlichen Lebens zu konzentrieren – Gebet, Messfeier, Bemühen um Einheit und Nächstenliebe. Für die musikalische Gestaltung war die Dommusik St. Martin – unter der Leitung von Mag. Thomas Dolezal – verantwortlich. Zu diesem feierlichen Anlass wurde W. A. Mozarts Missa brevis in B-Dur – die "Loretto Messe" – aufgeführt. 

Der 15. August des Jahres 1960 sei ein besonderer Tag in der Geschichte des Burgenlandes gewesen, so Bischof Zsifkovics: Vor genau 60 Jahren habe Papst Johannes XXIII. mit der Bulle "Magna quae" die Diözese Eisenstadt errichtet. Er habe damit das Burgenland endgültig von den ungarischen Mutterdiözesen Györ und Szombathely getrennt und dem Bundesland so zu einer gefestigten Identität verholfen. 

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Zsifkovics dankte in diesem Zusammenhang den Päpsten – und Heiligen – Johannes XXIII. und Johannes Paul II, ersterem für die Diözesanerrichtung und letzterem für den historischen Burgenlandbesuch 1988, am Vorabend der Wende in Osteuropa. Und – so Zsifkovics –, "persönlich denke ich auch an unseren emeritierten Papst Benedikt XVI., der mich vor zehn Jahren zum dritten Bischof von Eisenstadt ernannt hat, einem Freund und Kenner unserer Diözese, der uns wie zum Martinsjubiläum auch zum Diözesanjubiläum ein Gebet verfasst hat, wohl das schönste Geschenk zum 60. Geburtstag unserer Diözese".

Die Errichtungsbulle der Diözese von 15. August 1960 wurde – so der Bischof – in der Einzugsprozession der Messe in der Bergkirche mitgetragen, und sie ist ab jetzt in der Bergkirche ausgestellt: "Sie ist heute ein Symbol für die lebendige Verbindung unserer Ortskirche mit der Weltkirche und dem Nachfolger Petri, dem Papst, in Rom".

Die Kirche im Burgenland habe in ihrer Geschichte viele Herausforderungen bestanden und müsse aktuell, inmitten der Corona-Pandemie, die Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren, um nicht "Zeit und Kräfte" für Unwesentliches zu vergeuden, mahnte der Bischof. Er nannte drei Symbole, die für das Wesentliche stehen würden: das Altartischtuch der Erstkommunionkinder; zwölf Roll-ups der zwölf burgenländischen Dekanate; schließlich die große Martinskerze. 

Bedeutung der Hauskirche erkennen

Wie Zsifkovics berichtete, habe er den Kommunionkindern, Firmlingen, alten und kranken Menschen einen Brief geschrieben, "um ihnen in dieser Corona-Zeit als Hirte nahe zu sein". Das bunte Tischtuch der Erstkommunionkinder am Altar habe als tiefe Bedeutung, "dass für unser Christ-Sein und Kirche-Sein der Tisch des Wortes – die Heilige Schrift – und der Tisch des Brotes – die Heilige Eucharistie – von zentraler Bedeutung sind". Um Gott und sein Geheimnis erahnen zu können, brauche es das Gebet, das Lesen und Betrachten der Bibel, die Feier der Eucharistie und der Sakramente.
Das bunte Tischtuch der Kommunionkinder erinnere, das Augenmerk in der Seelsorge auf Gottes Wort und die Eucharistie zu legen und auch die Kinder damit vertraut zu machen, die "Nähe zum Herrn im Wort und Sakrament" zu suchen: "Gerade diese Corona-Zeit zeigt uns die Bedeutung der Hauskirche, der gemeinsamen Feier des Sonntags und der Sakramente mit der Pfarre. Wie schmerzvoll war es und ist es für uns alle, wenn wir nicht wie gewohnt in Gemeinschaft feiern können."

Das zweite Symbol, die Roll-ups mit den Namen der Dekanate, stehe einerseits für die Gesamtheit der Diözese. Zsifkovics erinnerte dabei an die ersten christlichen Gemeinden, von denen es in der Apostelgeschichte heiße: "Sie bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam." Das Bemühen um Gemeinschaft, Einheit und Zusammenarbeit bleibe Auftrag und Kennzeichen jeder echten christlichen Gemeinde: "Unser Auftrag ist es – so sagt es der emeritierte Papst Benedikt im Jubiläumsgebet – die unterschiedlichen Sprachen und die vielfältige Geschichte zu einer inneren Einheit zusammen zu führen".

Einheit und Zusammenarbeit brauche es im Blick auf den pastoralen Weg der Diözese, im Zusammenwirken von Priestern und Laien, im Presbyterium, im Blick auf die Volksgruppen, Ökumene, Politik, Wirtschaft, Medien, Kunst, Kultur, so der Bischof. Er erinnerte aber auch an die Ausgetretenen: "Unsere Sorge als Kirche muss auch Fernstehenden, Ausgetretenen, Andersdenkenden gelten. Als Kirche können wir nur durch Einheit und Zusammenarbeit mit allen der Gesellschaft gute Dienste erweisen. Bringen wir daher alle unsere vielfältigen Talente und Fähigkeiten in unsere Diözese ein".

Auch an Notleidende in der Ferne denken

Das dritte Symbol ist, die große brennende Martinskerze, die auf den Diözesanpatron Martin von Tours verweist. Sie bedeute – wie Zsifkovics erläuterte –, "dass wir wie Martinus ein waches Auge für die Nöte unserer Mitmenschen und eine helfende Hand haben, zum Teilen und zur Solidarität bereit sind. Diese Nächstenliebe beginnt bei unseren Nachbarn und erreicht auch Notleidende in der Ferne, wie etwa unsere Partnerdiözese in Indien. Martinstaten braucht es auch in dieser schweren Zeit der Pandemie. Jetzt ist unsere Solidarität und Nächstenliebe gefragt."
Dabei rief der Bischof auf, den Armen, den Verlierern in der Gesellschaft und den von der Pandemie Getroffenen zu helfen. Besonders am Herzen lägen ihm die Lehrlinge. Die Diözese Eisenstadt habe deshalb einen Fonds für sie ein gerichtet.
"Als Martinsdiözese sind wir verpflichtet Martinstaten zu setzen und wie Papst Franziskus uns aufruft, die Armen nicht zu vergessen. Die Martinskerze, unsere Tauf-Firmungskerzen erinnern uns daran", betonte Zsifkovics: "Mit dem Wort Gottes und der Eucharistie, dem Willen zur Einheit und Zusammenarbeit und der Bereitschaft zum Teilen und zur Solidarität im Gepäck, machen wir uns als Einzelne und als Diözese auf den Weg ins siebente Jahrzehnt und schauen dabei auf Maria und Martinus, die uns als Vorbilder, Wegbegleiter und Fürsprecher geschenkt sind."

Die Messe endete mit einer Einladung zum großen Diözesanfest 2021 zu "60 Jahre Diözese Eisenstadt – 100 Jahre Burgenland". Es soll am 24. Mai 2021 (Pfingstmontag) stattfinden. Eingeladen wurde von Bischofsvikar P. Karl Schauer. Das Fest hätte eigentlich schon in diesem Jahr stattfinden sollen, musste aber coronabedingt verschoben werden.