Purbach lädt zu Wanderung durch Keller und Zeit. Purbach führte durch die Geschichte seiner Kellerviertel und Weinbau-Tradition.

Von Lisa-Marie Zehetbauer. Erstellt am 26. Juli 2019 (06:08)

Sie zählt wohl zu einer der schönsten Kellergassen am Neusiedler See. Am Fuße des Leithagebirges reihen sich 80 Keller der Purbacher Winzer aneinander. Sie dienen heute als Lager, Restaurants oder Heurige. Das war aber nicht immer so.

Am Anfang war die Schneeschmelze

Bei einer Führung durch die berühmten Keller, erzählt Inge Czasny, wie alles seinen Ursprung fand. Die Keller wurden um 1850 gebaut – aus einer Not heraus, weil die tief liegenden Winzerkeller im Dorf regelmäßig vor allem zur Schneeschmelze überflutet wurden.

Die Leute halfen sich, indem sie „Schnitt“ vom Leithagebirge in die betroffenen Keller karrten, die auf diese Weise immer niedriger wurden. Die Nässe tat weder den Fässern noch dem Wein gut. Als sich die Marktgemeinde im Jahre 1873 von der Grundherrschaft löste, ergab sich die Möglichkeit, gegenüber dem Türkentor neue Weinkeller anzulegen. So entstand im Laufe der Zeit ein Kellerviertel.

Wegen des hohen Grundwasserspiegels im Frühjahr wurden die Keller nicht tief in die Erde gegraben, sondern aufgeschüttet. Es wurde eine Grube ausgehoben, der Keller gewölbt, mit einer dicken Erdschicht überdacht und die Kellerfront mit zerschlagenen Kalksteinblöcken vom nahen Leithagebirge gebaut. So entstand eine Kellerlandschaft mit sechs parallelen Kellerreihen in drei Gassen. Die dritte wurde von der Gemeinde in jüngster Zeit zu einem Kellerplatz ausgestaltet. Jeder Keller bestand aus zwei Teilen: Presshaus und Fasskeller.

Kellerviertel als Meisterwerk der Planung

Insgesamt zählt man heute 80 Weinkeller, die meisten entstanden in der Zeit zwischen 1873 und 1900. Der größte Keller wurde zwar schon 1852 von Andreas Schüller errichtet, 1926 von den beiden neuen Besitzern aber geteilt.

Das Kellerviertel erfüllt bis heute seinen Zweck, weil es ein Meisterwerk der Planung war. Die Kelleranlage wurde extra großzügig gestaltet. Herrschte früher zur Lesezeit bei den Markttoren großes Gedränge, gab es für die neuen Kellerbesitzer keine Behinderungen. Sie hatten nun kurze Verbindungswege zu ihren Weingärten und die Trauben konnten rasch abgeladen und gepresst werden. Auch vom Dorf aus erreichte man die neuen Keller beim Türkentor schnell. Selbst im Winter wurde eifrig Schnee geschaufelt, um den Weg zu den Kellern freizuhalten.

Die Purbacher schätzen auch sehr, was sie haben: Als in der Fellnergasse über den Kellern Wohnhäuser errichtet und ein Teil des Kellerviertels zerstört wurde, verhängte die Gemeinde ein Bauverbot, um weitere Beschädigungen zu verhindern.

Eine Führung als Fest der Regionalität

Im Anschluss an die Führung hatte man noch die Möglichkeit 64 frische und temperierte Weine in der Vinothek Purbach zu verkosten. Eine weitere Besonderheit im atmosphärischen Gastronomiebetrieb sind die innovativen Weinspende-Automaten, die für jeden Weinliebhaber ein Erlebnis waren. Insgesamt stehen 350 verschiedene Weine der Leithaberg DAC Winzer in der Vinothek zum Verkauf bereit. Daneben werden auch andere regionale Produkte wie die „Leithaberger Edelkirsche“ angeboten.

Der BVZ-Tipp: Beim Kellergassenheurigen öffnen jeden ersten Samstag von April bis November viele Keller ihre Pforten.