Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Die Opferschutzgruppe im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt setzt 16 Tage lang ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Von Markus Kaiser. Erstellt am 11. Dezember 2020 (04:38)
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Die Mitglieder der Opferschutzgruppe im Krankenhaus Barmherzige Brüder Eisenstadt und die Krankenhausleitung setzen im Aktionszeitraum „Orange the World - 16 Tage Gewalt gegen Frauen“ ein sichtbares Zeichen.
zVg BB

Gewalt an Frauen kann körperlich, sexuell oder psychisch sein und alle Altersklassen, soziale Schichten und Kulturen treffen. Auch in Österreich: Hier wird im Schnitt jede fünfte Frau Opfer von Gewalt. Am Internationalen Tag der Menschenrechte macht das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt auf diesen Missstand aufmerksam.

Corona-Krise verstärkt das Gewalt-Problem

An diesem Tag appelliert Primaria Dr. Ingrid Steindl, die Vorsitzende der Opferschutzgruppe des Krankenhauses: „Gewalt darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben! Gewalt, insbesondere im häuslichen Umfeld, ist immer noch ein Tabuthema.“

Denn gerade während der Covid-Krise zeige sich, dass häusliche Quarantäne kombiniert mit Existenzängsten und psychischen Problemen ein höheres Gewaltrisiko in Beziehungen birgt. Betroffene haben oft nicht die Möglichkeit zu telefonieren, zu ihren Vertrauenspersonen oder nach Eisenstadt ins Krankenhaus zu kommen.

Was das Problem noch weiter verschlimmere: Bei Kindern und Jugendlichen sind die „Alarmsysteme“ wie Kindergarten und Schulen seit dem Frühjahr weitgehend ausgeschaltet.

Gewalt-Verletzungen erkennen lernen

Die Opferschutzgruppe im Krankenhaus besteht aus 20 Mitgliedern aus den Bereichen Psychiatrie, Neurologie, Chirurgie, HNO, Orthopädie und Traumatologie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinder- und Jugendheilkunde und den Internen Abteilungen. Die Gruppen-Mitglieder fungieren als Kontakt und Multiplikatoren für ihre Kolleginnen und Kollegen in puncto Früherkennung von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt. „Durch Sensibilisierung unserer Mitarbeiter, Abbau von Unsicherheiten, verbesserte Kommunikation und standardisiertes Vorgehen soll das oberste Ziel, der Schutz und die Erhaltung des Kindes- und Erwachsenenwohles, gewahrt werden,“ betont Steindl, „Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter gewaltbedingte Verletzungen und Beschwerden bei Patienten erkennen und verantwortungsvoll handeln. Einen Gewaltverdacht anzusprechen, das erfordert einen sensiblen Umgang mit den Betroffenen.“

„Hinschauen, wachsam sein, Zivilcourage haben,“ wünscht sich die Primaria „nicht nur im Aktionszeitraum. Unsere Arbeit soll nachhaltig wirken“.