Eisenstädter Hilfe: "Noch nie so viel Freude über Babynahrung gesehen"

Erstellt am 02. April 2022 | 05:41
Lesezeit: 3 Min
Bürgermeister Martin Radatz und Kinderarzt Peter Wagentristl lieferten Inkubatoren, Medikamente und Babynahrung in Lemberger Kinderspital.
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Am vergangenen Donnerstag lieferten der Primarius der Kinderstation des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, Peter Wagentristl, und der Leithaprodersdorfer Bürgermeister Martin Radatz drei Inkubatoren der Firma Dräger, Windeln und Babynahrung in das Kinderspital ins ukrainische Lemberg/Lwiw.

„Lemberg ist eine typisch alt-österreichische Stadt, die Häuser könnten genausogut in Graz oder Baden stehen, wir waren sogar in einem Wiener Café“, beschreibt Wagentristl die Situation vor Ort der BVZ einerseits idyllisch. Andererseits: „Es sind derzeit 400.000 Flüchtlinge in der 700.000 Einwohner-Stadt. Alle Tiefgaragen sind zu Luftschutzbunkern umfunktioniert, überall sind Soldaten und Checkpoints.“

Kriegs-Kindern kann nun geholfen werden

Für Mütter bedeutet das besonders viel Stress, es gibt viele Frühgeburten, keine Inkubatoren und kaum Babynahrung. „Die ukrainischen Ärztinnen konnten kaum Englisch, aber ihr Lächeln hat alles gesagt. Ich habe noch nie so viel Freude über Babynahrung gesehen“, ist Wagentristl beeindruckt.

Die Aktion fand schnell weitere helfende Hände, freut sich Radatz: „Unterstützung bekamen wir etwa von Àgnes Ottrubay, der Obfrau von ,VisFontis‘, die Babynahrung organisierte und von Josef List, dem Geschäftsführer des Autohauses Ebner, der uns kostenlos einen Wagen zur Verfügung stellte. Die notwendigen Papiere, hat die österreichische Vize-Konsulin vor Ort organisiert.“

Die Anreise sei relativ problemlos verlaufen: „Vor Lemberg gab es dann aber sehr genaue Kontrollen und in der Stadt selbst ist der Verkehr regelrecht zusammengebrochen. Bei rund 800.000 Einwohnern halten sich offiziell derzeit 200.000 Geflüchtete dort auf, inoffiziell ist sogar von 400.000 die Rede. Die Hotels gelten als ausgebucht, wir haben aber Gott sei Dank ein Zimmer bekommen.“

In der Stadt seien „wahnsinnig viele Sandsäcke“ als Barrieren aufgebaut gewesen. „Ein bisserl mulmig“ sei ihm beim Spaziergang durch die Stadt schon geworden, räumt der Leithaprodersdorfer Ortschef ein: „Auf einmal begannen die Sirenen zu heulen und wir wussten nicht, ob wir jetzt in einem Keller Schutz suchen sollen. Aber die Leute um uns herum sind einfach ruhig geblieben, also haben wir es ihnen nachgemacht.“

Nur wenige Stunden nach ihrer Heimreise ins Burgenland schlugen mehrere Raketen in Lemberg ein. Es war eine russische Warnung an die NATO, die wenige Kilometer entfernt an der polnischen Grenze US-Präsident Joe Biden empfing.

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