Primar Wagentristl: 35 Jahre Kinderstation Eisenstadt. Primarius Wagentristl gibt Einblick in die Geschichte seiner Station, bisherige Erfolge und künftige Herausforderungen.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 23. Mai 2019 (05:17)
Gregor Hafner (Spital) bzw. Barmherzige Brüder Eisenstadt (Wagentristl)
Primarius Dr. Peter Wagentristl blickt anlässlich seiner Sechziger-Feier zurück auf 35 Jahre in der Kinderstation im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt.

Primarius Dr. Gunter Weißenbacher eilte ein guter Ruf voraus. Er war Erster Oberarzt der Universitäts-Kinderklinik Wien, als er 1977 die Kinderabteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt gründete.

Barmherzige Brüder Eisenstadt
Die Neunziger. Primarius Dr. Gunter Weißenbacher mit seinem damaligen Oberarzt Peter Wagentristl.

Fast alle Kinderärzte des Nordburgenlands sollten später durch seine strenge Schule gehen. So auch sein Nachfolger, Dr. Peter Wagentristl. Mit der BVZ blickt dieser anlässlich seiner Sechziger-Feier auf 35 Dienstjahre zurück.

„Wie menschlich eine Gesellschaft wirklich ist, erkennt man daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht“, ist Wagentristls Credo. Und in seiner Dienstzeit konnte er vielen dieser Schwächsten bei ihren Problemen helfen. Zuckerkranke Kinder leben heutzutage dank innovativer Pumpen nur noch mit minimalen Einschränkungen.

Barmherzige Brüder Eisenstadt
Harte Prüfung. Am Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 kamen hunderte Flüchtlinge direkt vom Grenzübergang Nickelsdorf in die Kinderstation.

Kindern mit Epilepsie und chronischen oder Erbkrankheiten haben durch moderne Medikamente ganz andere Möglichkeiten als noch zu Wagentristls Lehrjahren. Außerdem konnte die landesweite psychiatrische Grundversorgung deutlich verbessert werden.

Trotz medizinischer Erfolge sind aber auch neue Sorgen hinzugekommen. Allergien und Immunschwächen nehmen bei Kindern deutlich zu. „Das bedeutet immer wiederkehrende Krankheitsschübe“, erklärt Wagentristl das Problem.

Barmherzige Brüder Eisenstadt
Primarius Dr. Peter Wagentristl blickt anlässlich seiner Sechziger-Feier zurück auf 35 Jahre in der Kinderstation im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt.

Ebenso steigend sind psychiatrische Probleme bei jungen Burgenländern. Die gesellschaftlichen Veränderungen wie eine dominante Leistungsorientierung („Ell-bogengesellschaft“) setzen den Kinderseelen zu. Besonders belastet: Kinder mit Migrationserfahrung. Nicht zuletzt sorgt den Primar die Zukunft seines Standes: Es gibt immer weniger (Kassen-) Kinderärzte.

Die BVZ startet im Juni eine Serie zum Kinderärzte-Mangel.