SOS Kinderdorf: „Wir feiern alle Feste!“. Vor rund einem Jahr wurde in Kleinhöflein ein Haus für 15 jugendliche Flüchtlinge eingerichtet. Ein Lokalaugenschein zum einjährigen Jubiläum.

Von Nina Sorger und Nina Sorger. Erstellt am 14. Januar 2017 (04:21)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Traditionen und Sport. Das Weihnachtsfest wurde auch im SOS-Kinderdorf-Haus gefeiert.
SOS Kinderdorf

Nach der Flüchtlingswelle im Sommer 2015 wurde in Kleinhöflein ein Haus adaptiert und 15 Jugendliche haben dort ihr Zuhause gefunden. Die BVZ wollte sich überzeugen, ob die Burschen nur angekommen oder auch zu Hause sind.

„Allah und Gott sind jedermanns Privatsache“

Zu Ehren des Besuchs wurde ein schönes Frühstücksbüffet mit Aufstrichen, Schinken, Käse und anderen Leckereien vorbereitet, und wie man weiß, kommen bei Essen und Trinken die Leute „z‘samm“. Und so kommt die unweigerliche Frage, was denn die österreichische Lieblingsspeise sei. Lasagne dürfte ein Renner in Haus sein. Mehr überrascht Maqsud mit seiner Lieblingsspeise: „‘schinken“.

Ob der verwunderten Blicke versucht Markus Franz Balogh, Betreuer der Burschen, Aufklärung in Maqsuds Essenswunsch zu bringen: Schinken würde auch ihn bei den Burschen, die durchaus gläubige Moslems sind, wundern. Als dann „Palatschinken“ – die Ehre der österreichischen Küche ist gerettet – kommt, ist das Eis beim Gespräch gebrochen. Auch dort wo man gegenseitig die größten Berührungsängste hat, beim Glauben.

Aktivitäten. Den Betreuern gelingt es vor allem mit sportlichen Aktivitäten, die jungen Menschen zu begeistern…
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Ob es die jugendlichen Moslems stört, wenn wir in der Weihnachtszeit unsere Feste und Bräuche feiern? Amir prescht vor: „Warum sollte es uns stören? Ihr habt euren Glauben wir unseren. Allah und Gott sind jedermanns Privatsache“, erklärt er in verständlichem Deutsch. Und wurde Weihnachten gefeiert? „Nicht in der traditionellen Form, aber wir erklären uns unsere Feste gegenseitig. Und wenn gefeiert wird und es Geschenke gibt, dann sind alle mit Freude dabei“, erklärt der Betreuer.

Schlüssel zur Integration der Burschen ist die Sprache. Mohammad: „Ich hätte in die Landwirtschaftsschule gehen können, aber mein Deutsch ist nicht gut genug. Jetzt mache ich Kurse und in einem Jahr solls dann soweit sein.“ Pädagogischer Leiter Balogh: „…und genau hier ecken wir oft an: Es gibt ganz einfach nicht genug Angebote an Deutschkursen.“

Ihre Chance für die Zukunft sehen die jungen Männer zum Großteil im Erlernen eines Berufs. Und hier unterscheiden sie sich kaum von den heimischen Burschen – ein Teil will Mechaniker werden, der Rest Fußballer.

Viele Gespräche über Werte und Traditionen

„Zum Ronaldo wird’s nicht bei allen reichen“, lacht Balogh „aber zum Integrieren in die Gesellschaft ist es genial.“ Zwei Burschen – Amir und Mojtaba – spielen zum Beispiel in Siegendorf auch im Meisterschaftsbetrieb. „Als Amir seinen Spielerpass vom Fußballverband bekam, war das fast so, als wie wenn er den österreichischen Pass bekommen hätte“, erzählt Balogh.

Lokalaugenschein im SOS Kinderdorrf. Neben all den Wertediskussionen müssen auch Regeln gelernt werden, wie zum Beispiel jene beim Radfahren. Foto: SOS Kinderdorf
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Auf die Frage, ob ihnen bewusst sei, dass sie nicht bei allen Österreichern so willkommen seien wie zum Beispiel im Fußballverein, ist ihnen klar: „Wenn ich in der Schule höre ‚scheiß Ausländer‘ gehe ich weg. Das geht bei einem Ohr rein beim anderen raus“, erklärt Yousuf.

„Bei uns gibt es viele, viele Gespräche über Werte, Traditionen und alles, was unsere Welten im Kopf trennt. Und dabei erkläre ich den Jungs immer, dass sie, wenn es wo Streit oder Diskussionen gibt, die ersten sein sollen, die einen Schritt zurückgehen. Wenn’s Probleme gibt, heißt es sonst gleich, sie sind es gewesen.“

Wie schaut’s eigentlich mit den Nachbarn aus? Gibt’s Probleme? „Kaum, wir schauen auch, dass wir bei kleinen Arbeiten helfen können, und ich denk, die Integration in Kleinhöflein ist geglückt. Einmal gab’s Aufregung um abgebrochene Äste eines Marillenbaumes, doch auch die waren schnell ausgeräumt“, freut sich Balogh.

Vor allem der Sport hilft den Jugendlichen bei der Integration. Ali Reza Rajabi (r.) ist im Ringen sehr erfolgreich.
SOS Kinderdorf Kleinhöflein